Frankfurter Stürmer-Kandidat: Andrea Pinamonti von Inter Mailand. FOTO: IMAGO
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Frankfurter Stürmer-Kandidat: Andrea Pinamonti von Inter Mailand. FOTO: IMAGO

Mutter aller Angstgegner

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Noch nie hat Eintracht Frankfurt ein Erst- oder Zweitligaspiel in Mainz gewonnen. Das soll sich nach dem Willen der Hessen nun ändern. Der neue FSV-Trainer Bo Svensson will dies bei seiner Bundesliga-Premiere als Cheftrainer verhindern.

Nach diesem extrem späten und umso schmerzhafteren Nackenklatscher gegen Borussia M’gladbach Mitte Dezember, als die Eintracht in der Nachspielzeit eine 3:1-Führung noch verspielte und den sicher geglaubten Sieg beim 3:3 aus der Hand gab, sah die "Frankfurter Rundschau" die hessischen Fußballer psychisch schwer beladen. "Diese Tiefschläge sind außerordentlich schmerzhaft", orakelte die FR. "Sie mindern das angeknackste Selbstvertrauen."

So ähnlich fühlte auch Trainer Adi Hütter, der selbst am Tag nach dem Frusterlebnis noch "lauter hängende Köpfe" in der Kabine gesehen hatte. "Das war ein einschneidendes Erlebnis." Der Coach habe schnell gespürt, dass es an der Zeit war, "die Jungs aufzurichten". Er habe ihnen gesagt, "dass wir gegen einen guten Gegner gut gespielt haben und dass wir unseren Stärken vertrauen und daran glauben müssen, dann werden auch die Siege wieder kommen."

Drei Tage später durchbrach die Eintracht ihre schwarze Serie von neun Partien ohne Dreier, gewann beim FC Augsburg verdient mit 2:0. "Das war die Initialzündung", sagt Hütter in der Rückschau. "Das war unsere Reifeprüfung." Eine Einschätzung, die man teilen kann.

Es folgten Mini-Weihnachtsferien mit einem guten Gefühl und der rassig-gutklassige Auftritt beim 2:1-Erfolg gegen Bayer Leverkusen zu Beginn des neuen Jahres - und plötzlich ist aus der nervigen Sieglos-Serie eine kleine Erfolgsgeschichte geworden: drei Partien, sieben Punkte. Das kann sich sehen lassen.

Dummerweise geht es jetzt gegen die Mutter aller Eintracht-Angstgegner, beim FSV Mainz 05 haben die Hessen in der Liga noch nie gewinnen können, es steht ein dürrer Pokalerfolg aus dem Jahr 1986 im Statistikbuch. "Das ist eine lange Durststrecke", betont Hütter, dessen persönliche Bilanz bei einem Punkt aus vier Versuchen ebenso niederschmetternd ist. "Aber", sagt er tapfer, "jede Serie geht mal zu Ende." Er werde mit seinem Team alles daransetzen, "den Aufschwung fortzusetzen".

So wirklich war es nicht nach dem Geschmack des 50-Jährigen, dass die Mainzer in den vergangenen Wochen den gesamte Klub einmal auf links gekrempelt, Christian Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson zurückgeholt haben. "Mit dieser DNA wollen sie den Weg gehen, den sie vor einigen Jahren mal eingeschlagen haben. Ein neuer Trainer bringt neue Impulse." Den Fußballlehrer Svensson, vom österreichischen RB-Ableger FC Liefering geholt, rechnet der frühere Bullen-Trainer Hütter klar der Salzburger Schule zu: Stressfußball in Reinkultur. "Das Umschaltspiel wird der Schlüssel zu Sieg oder Niederlage sein."

Andrea Pinamonti ein Kandidat ?

Die Frage ist, ob Svensson in einer Handvoll Trainingseinheiten der heterogenen Mainzer Mannschaft schon seine Philosophie näherbringen konnte. Die Eintracht hält mit einem mittlerweile gut eingespielten Ensemble dagegen. "Unsere Form stimmt, wir wollen unser gesundes Selbstvertrauen und unsere spielerische Qualität auf den Platz bringen", sagt der Trainer.

Das wird nicht genügen, wenn die Eintracht nicht zuerst die Primärtugenden abrufen wird. In den vergangenen Jahren sind die Frankfurter nicht selten einfach überrollt worden, konnten sich irgendwann der Wucht der erbittert fightenden Rheinhessen nicht mehr erwehren.

Zuweilen, wie im Dezember 2019, half das Team selbst tatkräftig mit. Dominik Kohrs Rote Karte kurz vor dem Pausenpfiff ebnete den Nullfünfern den Weg zum 2:1-Erfolg trotz 0:1-Rückstands. Alles wie immer also. Neu ist auch nicht, dass Mainz, wie Hütter erkannt hat, "mit dem Rücken zur Wand steht". Und doch habe der FSV beim 2:5 in München nicht nur 2:0 geführt, sondern eine über weite Strecken "beeindruckende" Leistung gezeigt. Für die Eintracht geht es darum, "in der Tabelle etwas zu verändern", also weiter nach oben zu klettern.

Ob der wieder spielberechtigte Sebastian Rode mithelfen wird, ließ der Fußballlehrer offen. Dann müsste Makoto Hasebe entweder wieder nach hinten oder auf die Bank, was nach dessen großartiger Leistung gegen Leverkusen verwundern würde. Hütter ist begeistert vom fast 37-Jährigen. "Er ist fußballerisch eine Klasse für sich, auch seine menschliche Seite ist unfassbar." Der Japaner sei in "allen Belangen ein absoluter Glücksfall für Eintracht Frankfurt", und wenn er so weiterspiele, auch ein klarer Kandidat für eine nochmalige Vertragsverlängerung. "Wir stecken die Köpfe zusammen, aktuell muss man sich mehr als Gedanken darüber machen."

Ein neuer Stürmer ist indessen nicht an Bord. Den gehandelten italienischen U 21-Nationalspieler Andrea Pinamonti von Inter Mailand bezeichnet Hütter als "interessanten Spieler, klar kenne ich ihn". Ob es der 21-Jährige wirklich wird? Kandidaten gibt es einige, bei manchen gebe es jedoch "das eine oder andere Problem"; die Sportliche Leitung sei aber "sehr intensiv" dahinter. "Wir werden einen finden, der zu uns passt."

So wie es einst bei Sebastien Haller war, der vor eineinhalb Jahren für rund 40 Millionen Euro nach West Ham transferiert wurde und nun vor einem Wechsel zu Ajax Amsterdam steht, für 25 Millionen Euro - eine stattliche Summe, von der die Eintracht aber nicht partizipieren würde. Hütter hat den Werdegang des Stürmers verfolgt und war über dessen jüngste Darbietungen irritiert: "Das hat mir gar nicht gefallen. Er wirkte schwerfällig." Immerhin: Adi Hütters Problem ist das längst nicht mehr.

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