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Montagsthemen

Jetzt wird sogar schon Hummels’ sagenumwobene "Spieleröffnung" vermisst. Kein gutes Zeichen. Außerdem hat er beim BVB genug zu tun, vor allem mit sich selbst. Bisher ist er dort wie andere Rückkehrer (Sahin, Kagawa, Götze) lediglich Mitläufer.

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Man sehe sich nur die Namen in der Defensive an und ahnt: Auf tönernen Füßen nützt aller Speed nichts. Den hat die Nationalelf vorne wie kaum eine andere Mannschaft. Wie ein Vollblutsprinter, dessen Startblock wackelt und wegrutscht. Gegen hohe Qualität geht’s garantiert schief. Gegen (noch) mittlere wie Holland nicht unbedingt (zwei erste Halbzeiten hätten genügt). Nordirland ist ein anderes Kaliber. Muss machbar sein. Ändert aber nichts am Problem.

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Dennis Aogo war einmal einer der Namen, die hinten kamen und gingen. Und jetzt das: "’Meine Freundinnen warnten mich vor Dennis.’ Über diese Spielerfrau redet ab jetzt ganz Deutschland. Ina Aogo erzählt alles. Exklusiv! Die vierteilige Bild+ Video-Doku."

Kotz, Grmppf, Würg. Wer zieht solchen Spielerfrau-Aktivistinnen den Stecker?

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Kulturbewegte Umweltaktivisten freuen sich über das Projekt eines Beuys-Schülers, der im Klagenfurter Zweitligastadion rund 300 bis zu 15 Meter hohe Bäume ... gepflanzt? ... nein, implantiert hat. "For Forest" soll ein Mahnmal gegen die Umweltzerstörung sein. Leider sieht man zwar durch lauter Bäume einen Wald, aber der Durchblick auf den verzapften Unsinn fehlt. Die Bäume wurden aus vielen Teilen Europas herangekarrt, müssen wieder weg, und egal wann, wie und wohin, "For Forest" hinterlässt einen gewaltigeren ökologischen Fußabdruck als Gulliver und Gretas Segel-Törn zusammen.

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Beuys’ Fettecke und ein paar seiner Filzlappen hätten es auch getan. Ökologisch vorbildlich, und einen überzeugenden Sinn hätte man auch reininterpretieren können. Wie in fast alles Kunstwerk. Cem Özdemir, dem ehemaligen Handball-Torwart (der alleine schon dadurch Respekt im Handkäsland verdient), wäre solcher Pragmatismus zuzutrauen. Realo Cem hat seine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz angekündigt. Dröhnendes Schweigen im grünen Lande. Als wär’s ein Pups in den Gegenwind.

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In diesem Umwelt-Zusammenhang: "Die Gletscher schmelzen - und dann tritt auch noch Marcel Hirscher zurück." Herrlicher Satz aus der FAZ, der ausdrückt, was das für die Ösis bedeutet. Deren Super-Felix ist wie unser ebenfalls zurückgetretener Neureuther ein Sympathiebolzen. Zusätzlicher Stein im Brett: Bei seiner Abschiedsankündigung erschien er im einfachen weißen T-Shirt, also ohne Werbe-Kragen und ähnliche Sponsoren-Anhängsel.

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"Stein im Brett"? Die Redewendung kommt von einem mittelalterlichen Brettspiel und taucht literarisch erstmals in "Wallensteins Lager" auf (erster Kürassier über Max Piccolomini: "Hat auch einen großen Stein im Brett / Bei des Kaisers und Königs Majestät"). Nicht gewusst, sondern gegoogelt.

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Auch Malaika Mihambo gehört zu den erfreulichen Erscheinungen im Spitzensport. Die Weitspringerin aus dem badischen Oftersheim gewann die Diamond League und 50 000 Dollar, die "ein Boost für meine Reisekasse" sind. Vom "Boosting" haben wir ja schon gehört, bei dem sich dopende behinderte Sportler angeblich Nägel in die gelähmten Körperteile treiben, was durch vermehrten Adrenalinausstoß die Leistungsfähigkeit deutlich steigern soll. Heißt es. Ob’s stimmt? Was weiß denn ich. Aber "Boost", weiß mein Wörterbuch, ist ebenfalls eine künstliche Leistungshilfe, die wir Malaika jedoch gönnen, denn hier bedeutet es "Finanzspritze".

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Herr Doktor, Eure Spritze! Herbst, klamm, kühl, regnerisch, Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Eine Männergrippe katastrophalen Ausmaßes im Anmarsch. Früher sagte der beste Freund dazu: "Fühl’ mich wie ein vollgeschissener Strumpf." Nur wir selbst nahmen uns ernst.

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Ironie, zumal Selbstironie, ist Glücksache in diesen Zeiten. Gesprächsweise wird sie oft durch das "doofste Handzeichen" überhaupt unterstrichen, durch "mit den Fingern in die Luft gemalte Gänsefüßchen", sagt der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter, denn "Ironie sollte man auch ohne Handzeichen erkennen".

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Sollte. Aber Ironie ist Glücksache. An dieser Stelle wären Handzeichen manchmal hilfreich. Geht ja nicht. Hilfsweise genügt Kursivsetzung.

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Ach ja, die Männergrippe. Etwas gibt ihr immerhin die richtige männliche Würze - eine Stimme wie Lee Marvin.

I was boo-orn under a wandering star. (gw)

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(www.anstoss-gw.de Mail: gw@anstoss-gw.de)

Anstoß

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