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Montagsthemen

Zwischen Frauen-WM und U21-EM kenne ich im Gegensatz zu Ihnen das zweite Ergebnis noch nicht, drücke den Jungs aber mit Jürgen Klopp die Daumen. Sie sollten zeigen, so Klopp im ZDF, "wo Barthel den Most holt". Wahrscheinlich weiß er so wenig wie ich, woher der Ausdruck kommt. Mal googeln … hier: "›Barthel‹ ist kein Vorname, sondern jiddisch für ›Brechstange‹. Und "›Most‹ ist kein Getränk, sondern ebenfalls jiddisch für ›Geld‹."Ach!?

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Den Frauen hat kein Daumendrücken geholfen, auch keine Brechstange. Sie tun mir leid. Erst gehypt, jetzt "GAU" und "Pleite", denn: "Ihr habt’s verzockt und verbockt!" (Bild online).Für solche Schlagzeilenmacher wäre ich fast bereit, die Prügelstrafe wieder ein- und eigenhändig auszuführen. Den Fußballerinnen wünsche ich, obwohl des Frauenfußballfanseins unverdächtig, dass sie im allmählichen, organischen Wachstum in der Bundesliga den Schnitt auf über 1000 steigern und mehr Mannschaften in den unteren und Jugend-Ligen bekommen. Das wär’ doch schon mal was.

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Ein Grund, warum wir den Frauenfußball lieben sollten, greift nicht: Weil sie, so heißt es, nicht hinterlistig foulen, nicht hinterfotzig schauspielern, nicht präpotent rumrotzen, nicht lamentieren, kurz, sich aufrichtig und anständig verhalten. Das ist zwar sympathisch, aber im Sport keine Primär-, sondern eine Sekundärtugend (auch wenn’s eine Kardinaltugend ist). Denn Anstand und Ehrlichkeit gehören nicht zum bewundernswerten sportlichen Können, sondern sind Eigenschaften, die wir selbst haben (können und sollten).

Moment bitte. Mein linkes Nasenloch hat zugemacht wie der Muskel eines Sprinters nach dem Startschuss und des Fußballers vor dem Schlusspfiff. Ich glaube, mich plagt die Sommergrippe. Die des alten weißen Mannes auf Suche nach Mitleid und Zuwendung. Bei Frauen nur bekannt durch Mama Hesselbach. "Ei Kall, wo sin mei Troppe?!" - Heiße Tage. Unterschied zu Diplona: Es ist nie zu früh, aber meistens zu spät, um vor der lähmenden Hitze aktiv zu werden. Diplona? Kennen nur noch alte weiße Männer, den Werbespruch des Haarwuchsmittels ebenfalls: Nie zu früh und selten zu spät für … (eben:) Diplona.

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Witz mit soo nem Barth (Hammer-Gag, nedwa!?). Fällt mir ein, weil ich an die Mail von Dr. Hans Jürgen Glaum aus "Handkäsland" denke. Ihm habe ich "nach vielen vergnüglichen ›Anstößen‹ diesmal einen deftigen Vergnügungsentzug beschert. Muss das sein mit den Tennissocken und Schweißbändern von B.B.? Interessiert das jemanden? Offensichtlich ja, denn Gesellschaft und Medien schürfen ja schon seit längerer Zeit immer tiefer in ›menschlichen Abgründen‹ bis hin zu Zigtausenden in Stadien, die meinen, sie müssten sich Mario Barth reinziehen. Bitte sind Sie mir nicht gram und kommen Sie bitte nicht auf die Idee, dass hier auch nur der Dunst vom Schimmer einer Ahnung eines Vergleichs zwischen ihm und Ihnen vorliegen könnte! Ich möchte nur nicht, dass sich hier stickig-müfflige Oberflächlichkeit einschleicht." - Danke. Rüffel angekommen.

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Auch der von Cornelius Lenz, Förderschullehrer aus Wettenberg, zu meinem Kontra, Völkerball sei kein Mobbing, sondern eher das Gegenteil. "Richtig, die Besten wurden bis zum Ende gejagt. Aber: Zu diesem Zeitpunkt hatten sie ohnehin schon gewonnen und es ging nur noch darum, die Plätze auf und neben dem Podium zu verteilen. Die Schwächsten waren als erste ins Visier genommen worden und schon lange (ggf. mit Gelächter - meine Frau hat hierzu erschreckend lebhafte Erinnerungen) raus."

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Podium? Wenn Völkerball heute so gespielt wird, stimmt das natürlich. Ich kenne es nur als Duell zweier "Völker", wobei zudem die "Schwächsten" die Coolsten waren. Denn damals galten Sport und Athletik als extrem uncool. Siehe Pop-Stars von Beatles bis Stones. Erst Jahre später, mit Take That & Co., wurden Bodybuilding-Muskeln pop-ulär. Die lässigen Jungs damals ließen sich gleich zu Beginn absichtlich abwerfen und gingen gemütlich in ihre Ecke, die Sportlerdeppen höhnisch verachtend.

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Kontra von Edeltraud Kuhl aus Pohlheim zu meinem E-Roller-Spott. "Ich bin seit zwei Wochen im Besitz eines E-Scooters und total begeistert. Bank, Post, Friedhof etc. schnell und sauber erreichbar. Ich lade Sie gerne zum Probefahren ein. Mein erster Leserbrief an Sie, obwohl seit Jahren begeisterter Fan Ihrer Kolumnen." - Drei Mal Kritik von der Art, über die man sich freut und auf die man sogar stolz ist. Denn solche Leser hat nicht jeder Schreiber (alle Mails ungekürzt in der Online-"Mailbox").

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Gilt auch für Winfried Ertl. "Ich lese Ihre Montagsthemen mit großem Vergnügen. Sie greifen, erfreulicherweise, Themen auf, deren Klarheit in der Aussage man sonst vergebens findet." Unser Leser bezieht sich auf E-Roller, Influencer wie Rezo, "das Schönste" (sorry, Dr. Glaum)"war aber der Kirchentag mit dem Vulva-Malen. Wir malten als Kinder, Anfang der 50er Jahre, dieses Zeichen auf Kopfsteinpflaster, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, was das bedeutet. Wir wollten einfach die Mädchen ärgern, die allerdings schon wussten, um was es geht."

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Wir und James Dean. Das alte Lied vom "rebel without a cause". Deutscher Filmtitel: "Denn sie wissen nicht, was sie tun." Nur die Mädels, die wissen, was wir tun. Das alte Lied. (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

Anstoß

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