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In "Biggi’s Kiebitz-Eck" mischen sich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit mit Zweckoptimismus und Durchhalteparolen. Hier, in dem kleinen Imbiss am Trainingsgelände in der Kollaustraße im Norden Hamburgs, bei Kaffee aus Plastikbechern und Würstchen mit Brot, ist der Pulsschlag des FC St. Pauli zu spüren. Sechs Punkte aus 14 Spielen, nur ein Sieg – Tabellenschlusslicht der 2. Bundesliga. Fakten, die anderenorts längst zum Trainerwechsel geführt hätten. Bei den Kiez-Kickern, wo schon immer ganz bewusst das Image des etwas anderen Klubs gepflegt wird, trotzt man den branchenüblichen Mechanismen. Noch. Nach 180 Minuten ohne einen Treffer. Nach drei Niederlagen in Serie. Trotz sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Ewald Lienen hatte den Kiez-Klub schließlich schon einmal vorm Abstieg gerettet. Das hat man nicht vergessen.

Ein Abstieg sei eine Katastrophe, denn in der 3. Liga sei man erst mal weg vom Fenster und auch den Fernsehgeldern, ist "Biggi’s" Stammkundschaft an diesem sonnigen, aber eiskalten November-Morgen sicher, als sich die Profis zur Trainingsarbeit auf dem Platz versammeln, nicht ohne die Handvoll der treuen Gäste einzeln per Handschlag zu begrüßen. Die St.-Pauli-Familie steht zusammen. Noch: Aber der Pessimismus nimmt zu. Die Schönfärberei des Trainers könne er nicht mehr hören, wirft einer in die Runde und fordert endlich Ergebnisse, auch im Zwiegespräch mit dem Coach. Die Frage, ob ein anderer Übungsleiter mehr aus dem Kader herausholen könne, bleibt im kleinen Kreis der Dauergäste aber unbeantwortet. Ob denn eine drohende Drittliga-Auswärtsfahrt nach Zwickau oder zur zweiten Mannschaft vom FSV Mainz 05 das größere Übel sei, fragt wenige Meter weiter einer der Fotografen, der jeden Schritt festhält, als ein anderer an Regionalliga-Duelle mit Arminia Bielefeld II erinnert. Deprimierender ginge es dann doch nicht mehr. Der FC St. Pauli ist nur ein sportliches Sorgenkind der Stadt. Denn: Fußballerisch droht Hamburg der GAU. Eine Etage höher steht auch der letzte Bundesliga-Dino auf dem letzten Platz. Wieder einmal. Zweimal schon ist der HSV dem Abstieg in der Relegation von der Schippe gesprungen. Die Suche nach einem Sportdirektor gleicht inzwischen in der Theaterstadt Hamburg einem Trauerspiel. Nico Hoogma, Christian Hochstätter, Horst Heldt wurden schon thematisiert. Mit Jens Todt könnte nun die 1d-Option verpflichtet werden. Auf der Trainerposition ist der vermeintliche Trumpf mit dem Wechsel von Bruno Labbadia zu Markus Gisdol bereits ausgespielt worden. Dessen Bilanz: sieben Spiele ohne Sieg. Sportlichen Kummer ist man in der Hansestadt inzwischen längst gewohnt. Im November 2015 wurde die Idee einer Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele von der Bevölkerung abgelehnt. Im Januar folgte das Aus der Bundesliga-Handballer und im Sommer zogen sich die Freezers überraschend aus der Deutschen Eishockey-Liga zurück. * Heute endet der Movember. Nein. Das ist kein Tippfehler. Movember ist ein Kofferwort aus dem englischen Wort für Schnurrbart und November. Männer lassen sich während dieser 30 Tage Oberlippenbärte wie einst Tom Selleck in der TV-Serie "Magnum" wachsen, wollen damit die Aufmerksamkeit auf die Erforschung von Prostatakrebs lenken und zum Spenden aufrufen. Die Idee hat ihren Ursprung in Australien und ist inzwischen nach Deutschland geschwappt. 2013 hatten Fußball-Profis wie Dominic Maroh und Roman Neustädter die Kampagne aufgegriffen. Durchgesetzt hat sich der Movember hierzulande allerdings nur in den Eishockeyligen. Mit Michel Maaßen war einst auch ein Ex-Profi des EC Bad Nauheim offiziell zum Mister Movember gekürt worden.

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