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Heute präsentiert Joachim Löw seinen EM-Kader. Dass Thomas Müller (M.) und Mats Hummels (l.) ins Nationalteam zurückkehren werden, gilt als fix. ARCHIVFOTO: DPA

Mit Müller und Hummels, ohne Reus

Mit welchem Kader geht Joachim Löw in sein letztes Turnier? Statt 23 kann er 26 EM-Tickets verteilen. Die DFB-Comebacks von Müller und Hummels gelten als fix. Mit Reus sagt indes ein Topspieler ab.

Joachim Löw pflegt auch bei seinem allerletzten Turnierkader ein vertrautes Ritual. Er schweigt bis zum letzten Moment. Nach einer mehrtägigen Klausur mit seinem Trainerstab und Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff vergatterte der Fußball-Bundestrainer seine engsten Vertrauten wieder als Geheimnisträger.

Bei einer Video-Veranstaltung mit Fans und »Überraschungsgästen« wird der 61-Jährige an diesem Mittwoch (12.30 Uhr) seine 26 Auserwählten für die am 11. Juni beginnende Fußball-Europameisterschaft verkünden. Die Top-Nachricht soll die offizielle Bestätigung des DFB-Comebacks von Bayern-Leitwolf Thomas Müller und BVB-Verteidiger Mats Hummels sein - zwei Jahre nach ihrer eigentlich endgültigen Ausmusterung aus der Nationalmannschaft. Laut Medienberichten ist die Rückholaktion perfekt.

Sicher ist vor der Verkündigung aber, dass Marco Reus nicht dabei ist. Der 31 Jahre alte Dortmunder Kapitän sagte am Abend vorher ab. Er habe »gemeinsam mit dem Bundestrainer beschlossen, nicht mit zur EM zu fahren«, schrieb Reus bei Instagram. »Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, da ich immer voller stolz bin, wenn ich für mein Land auflaufen darf. Aber nach einem sehr intensiven Jahr für mich persönlich und dem Erreichen der Ziele beim BVB bin ich zum Entschluss gekommen, meinem Körper Zeit zu geben, um sich zu erholen!«

Traditionell informieren Löw, sein Assistent Marcus Sorg und Torwartcoach Andreas Köpke die letzten Spieler erst am Morgen der Kaderverkündung. Spezielle Härtefälle - wie die Absage an Torjäger Mario Gomez vor der mit dem Titelgewinn gekrönten Weltmeisterschaft 2014 - übernimmt Löw dabei persönlich. Bei wem klingelt das Handy noch? Julian Draxler? Julian Brandt? Oder bei einer möglichen EM-Überraschung wie dem Wolfsburger Ridle Baku?

Die Liste der Wackel- und Streichkandidaten ist namhaft und lang. Immerhin muss kein Torwart mehr gestrichen werden. Nach dem EM-Ausfall von Marc-André ter Stegen müssen Kevin Trapp und Bernd Leno nicht mehr um den dritten Torwartplatz konkurrieren. Hinter Kapitän Manuel Neuer sind beide bei der EM dabei.

»Telefonieren tue ich eigentlich ständig im Moment mit allen möglichen Leuten«, erzählte Löw vor einer Woche im Berliner Olympiastadion, als er den BVB-Anführern Hummels (32) und Reus beim Dortmunder Titelgewinn im Pokalfinale gegen RB Leipzig zusah. Hummels warb noch einmal mit einer starken Leistung für sich. So, wie es Bayern-Angreifer Müller schon seit über anderthalb Jahren macht. Reus sagte nun ab.

Vielleicht hat sich Löw auch von Hansi Flick überzeugen lassen, seinem ehemaligen Assistenten und designierten Nachfolger auf der Bundestrainer-Position. »Thomas Müller ist ein Spieler, der dir mehr Freude macht als Kopfzerbrechen. Er ist ein Spieler, den man gerne in der Mannschaft hat«, betonte der Bayern-Trainer nochmals Ende der vergangenen Woche. Müller könnte als ein Überraschungsgast bei der Nominierung zugeschaltet werden - als Schmankerl für die Fans.

Auch bei Hummels hat Löw wohl umgedacht. Ob Löw Hummels gleich wieder eine tragende Rolle zuweisen wird, muss sich zeigen. Die Chance, 26 Spieler zu nominieren, könnte nun Löw auch beim Innenverteidiger zum Umdenken bewegt haben. »Ich wehre mich nicht, falls ich gefragt werde, noch mal zu helfen«, sagte der 32-Jährige zuletzt bei Sky. Die deutsche Abwehr war seit dem Umbruch nach dem WM-Desaster 2018 nie wirklich sattelfest. Sport1 schrieb am Dienstagabend als erstes Medium auf seiner Internetseite, dass Hummels nun wieder dabei sei.

Bekannt ist, dass Löw sehr viel von Antonio Rüdiger hält, der in der Regel links innen verteidigt - auf der Hummels-Position. Es könnte passieren, dass der 28-jährige Rüdiger ins Trainingslager nach Seefeld als Champions-League-Sieger anreist. Am 29. Mai trifft er in Porto mit seinen Chelsea-Kollegen Kai Havertz und Timo Werner im Finale auf Manchester City mit dem ebenfalls für den EM-Kader gesetzten Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan.

Dass die Nationaltrainer wegen der Corona-Pandemie ausnahmsweise 26 statt 23 Akteure nominieren dürfen, verschafft Bundestrainer Joachim Löw drei Bonusplätze. »Vor einem Turnier drehe ich mit meinen Trainern alles noch einmal um, was in den Jahren davor war. Wir hinterfragen alles. Wie sieht unsere Spielweise aus? Wie sind unsere Gegner? Wie kann die Zusammensetzung der Mannschaft am besten funktionieren? Es geht um den bestmöglichen Erfolg«, schilderte Löw seine Vorgehensweise beim Kader-Puzzle.

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