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Verschwindet der 1. FC Köln um Kapitän Jonas Hector aus der Bundesliga?

Mit dem Rücken zur Wand

Der 1. FC Köln steht kurz vor dem Abgrund, der siebte Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ist wahrscheinlich - doch auch Arminia Bielefeld und Werder Bremen zittern noch. Der Gang in die 2. Liga wäre in diesem Jahr besonders gefährlich.

Eines darf der 1. FC Köln über seine Abstiege behaupten: Trist und emotionslos ist der Klub noch nie in die 2. Liga gegangen. Beim ersten Mal, 1998, war die Südkurve vereint in Trauer und Tränen über diesen völlig neuen Schmerz - bei den fünf folgenden Abstürzen dominierte eher die Wut. Sinnbildlich war die »schwarze Wand« im Jahr 2012, als Rauchbomben das gesamte Stadion verdunkelten.

Und so könnte am Samstag im leeren Stadion der stillste Abstieg in der Geschichte des Klubs folgen - der allerdings nicht minder gefährlich wäre für den FC. Den Gedanken daran schiebt man am Geißbockheim weit von sich. »Das ist ein Endspiel, keine Frage. Aber die Mannschaft hat mit dem Rücken zur Wand in dieser Saison schon oft Leistung gebracht«, sagte Manager Horst Heldt vor dem entscheidenden Spiel gegen Schalke 04 (15.30 Uhr/Sky).

In der Tat ist der Tabellen-17. ja durchaus noch in der Lage, echten Druck aufzubauen auf die Konkurrenz. Gewinnt Köln gegen die längst als Absteiger feststehenden Schalker, dann brauchen Werder Bremen (16.) und Arminia Bielefeld (15.) Siege, um vorne zu bleiben. Für jeden der drei Klubs ist am letzten Spieltag also alles drin: Der direkte Abstieg, die Relegation und die Rettung.

Und ausgerechnet der Außenseiter geht mit dem wohl besten Gefühl in dieses Finale. Beim VfB Stuttgart wartet ein zwar schwieriges Spiel, doch die Arminia war als Aufsteiger seit dem Saisonstart auf dieses Szenario eingestellt: Abstiegskampf bis zum Schluss. Nun steht Bielefeld über dem Strich, hat alle Profis an Bord, die Stimmung im Quarantäne-Trainingslager ist nach Angaben von Kapitän Fabian Klos bestens.

Werder dagegen schleppt einiges mit in diesen Schlussspurt. Ein Sieg wäre nötig, aber den letzten schaffte Bremen in der Liga vor mehr als zwei Monaten. Die Hoffnung trägt nun Thomas Schaaf, der noch einmal auf die Trainerbank zurückkehrt. Hinter dem Hashtag #wirschaafendas haben sich die Fans versammelt. Am Samstag kommt nun Borussia Mönchengladbach an die Weser - und könnte ausgerechnet den Erzrivalen aus Köln retten.

Funkel strahlt Gelassenheit aus

Der kann wohl wieder auf den zuletzt verletzten Kapitän Jonas Hector setzen, dafür fällt im defensiven Mittelfeld Ellyes Skhiri gesperrt aus, der kons-tanteste Kölner der Saison. Und der FC wird den Friedhelm-Funkel-Effekt noch einmal reaktivieren müssen: Nach starkem Start unter dem Übergangscoach schleppte sich die Mannschaft zuletzt wieder durch die Endphase der Saison. Trainer-Routinier Funkel strahlt indes demonstrativ Ruhe und Gelassenheit aus. »Die Anspannung und der Fokus steigen mit jedem Tag«, sagte der 67-Jährige am Donnerstag: »Aber alles mit Sinn und Verstand. Man kann nicht von Montag bis Samstag Druck aufbauen. Wir dürfen nicht hektisch oder übereifrig werden.«

Alle drei Rivalen eint indes eine große Sorge: Ein Abstieg in Corona-Zeiten dürfte noch deutlich schmerzhafter sein als ein »gewöhnlicher«. Bremen beklagt durch die Pandemie Einnahmeausfälle von bis zu 40 Millionen Euro, die Kölner haben gar 65 Millionen errechnet. Beide Klubs haben bereits eine Landesbürgschaft erhalten, um durch die Krise zu kommen. Bremen legte in diesen Tagen zudem eine Mittelstands- und Fananleihe auf.

Beim Gang in die 2. Liga müsste jeder Klub noch einmal deutlich abspecken, im Unterhaus wird deutlich weniger Geld verdient. Zudem wird in den kommenden Jahren der Aufstieg eine sehr große Aufgabe sein: Klubs wie Schalke 04, der Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg hegen ja allesamt ähnliche Ambitionen.

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