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Wieder eine Chance vergeben. Thomas Müller (r. Leroy Sané, links PSG-Torhüter Keylor Navas) ärgert sich und beklagt hinterher, dass den Bayern der »Killerinstinkt« gefehlt hat.

Miese Stimmung in München

  • VonSID
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Zu wenig Tore, zu viele Abwehrfehler, zu viele Nebengeräusche: Bayern München steht nach einem 2:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris St. Germain mit dem Rücken zur Wand.

Hansi Flick war genervt, das verriet sein Gesichtsausdruck, das verriet der Ton in seiner Stimme. Als wäre die böse Überraschung in Form der ebenso denkwürdigen wie vor allem grotesken 2:3 (1:2)-Niederlage gegen Paris St. Germain nicht allein Grund genug, ihm die Stimmung zu vermiesen, musste sich der Trainer von Bayern München am Mittwochabend erneut auch mit bohrenden Fragen auseinandersetzen: Fragen zu Jerome Boateng - und zu seiner eigenen Zukunft.

Das stete Nachhaken, ob er denn nun als Nachfolger von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw infrage käme, macht Flick mittlerweile fast zornig: Er habe dazu »alles gesagt«, lautete nach dem »perfekten Verbrechen« (»L’Equipe«) von PSG in München seine Antwort. Konkret wurde dafür Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Spiel: Er bestätigte, dass der vom Trainer so geschätzte Boateng am Ende der Saison gehen muss. Wieder eine Entscheidung, die Flick nicht gefällt.

Ob ihn derlei Nebengeräusche denn störten und ablenkten, wurde Flick gefragt. Seine Antwort, vorgetragen mit einem süffisanten Lächeln, klang kryptisch. Er müsse ja auch nicht auf alles antworten, auch, »weil ich es nicht möchte«, sagte er und ergänzte, er müsse da »auch ein bisschen schauspielern, auch das gehört zum Trainerjob«. Wer will, der kann dies als Hinweis an die Chefs verstehen: Wenn ihr euer Ding macht, mach ich halt bald mein Ding.

Flicks Laune wäre besser gewesen, wäre nach seiner ersten Niederlage in der Champions League, der ersten des FC Bayern seit März 2019, der ersten nach 18 Siegen und einem Remis, und der ersten in einem Pflichtspiel in der Arena seit November 2019 nicht die Titelverteidigung gefährdet. So klang es allzu trotzig, als er sagte: »Wir haben noch ein Spiel zu spielen. Das Halbfinale ist unser Ziel nach wie vor.«

Personelle Probleme

Allerdings müssen die Bayern zunächst mal davon ausgehen, dass sie am Dienstag einen Sieg mit zwei Toren Unterschied benötigen. Dass sie ausreichend Chancen herausspielen können dafür, bewiesen sie am Mittwochabend mit der einseitigen Bilanz von 31:6-Schüssen Richtung Tor des hervorragenden Keylor Navas sowie 15:1-Eckbällen. Allein, es fehlte ein Mann mit Killerinstinkt: »Wenn ein Spieler wie Robert Lewandowski ausfällt, dann ist das nie schön«, sagte Flick dazu knapp, den weitere personelle Probleme plagen: Serge Gnabry fehlt in Paris nach dessen positivem Corona-Test, auch die verletzt ausgewechselten Leon Goretzka und Niklas Süle drohen auszufallen.

Es reichte so nur zu den Treffern von Eric Maxim Choupo-Moting (37.) und Thomas Müller (60.), die damit die Führung von PSG durch die beide Male grandios von Neymar in Szene gesetzten Kylian Mbappe (3.), der Manuel Neuer tunnelte, und Marquinhos ausglichen. Der unwiderstehliche Mbappe war es auch, der die begeisternde, aber zugleich riskante Angriffsstrategie der Bayern beim ersten Konter in der zweiten Halbzeit mit dem Siegtreffer (68.) bestrafte. »Alle drei Tore waren zu vermeiden«, urteilte Flick.

Da half es im Nachhinein wenig, dass auch Müller behauptete: »Wenn wir den Killerinstinkt an den Tag gelegt hätten, der uns so oft auszeichnet, hätten wir ein ganz anderes Spiel gesehen.« Eines, »in dem wir mit Sicherheit vier, fünf, sechs Tore hätten machen können«, wie Flick betonte. Und daran halten sie sich fest: Die gleiche Leistung in Rückspiel, sagte Müller bei Sky, »dann werden wir die Chancen wieder bekommen. Dann müssen wir da sein und die Dinger machen«.

Ansonsten könnte es schon das letzte Spiel in der Champions League von Flick gewesen sein - auch wenn der verletzte Lewandowski, der einen Einsatz in Paris ausschloss, bei Sky betonte: »Die Spekulationen um Hansi sind da, aber ich denke, in Zukunft werden wir weiter zusammenarbeiten.« Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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