Don Jackson wird heute in seinem 900. DEL-Spiel an der Bande stehen. FOTO: DPA
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Don Jackson wird heute in seinem 900. DEL-Spiel an der Bande stehen. FOTO: DPA

Meilenstein für Jackson

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(sid). Der "stille Don" kommt meist besonnen daher - doch wehe, Don Jackson fühlt sich ungerecht behandelt oder provoziert. Bei einem Spiel mit den Cincinnati Cyclones kletterte der Eishockey-Trainer einmal gar über die Trennwand aus Plexiglas und verprügelte auf der Zuschauertribüne das Maskottchen der Atlanta Knights. Es hatte Glück: Der dicke Schaumstoff dämpfte die Wucht der harten Rechten. "Dieser Typ hat mich einfach provoziert", erklärte Jackson hinterher.

Heutzutage lässt der Amerikaner die Fäuste nicht mehr fliegen. Doch Niederlagen oder Fehlentscheidungen kann der Erfolgstrainer, der im Heimspiel am heutigen Dienstag (20.15 Uhr/Sport1 und MagentaSport) von Red Bull München gegen die Augsburger Panther sein 900. Spiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bestreitet, immer noch nicht ausstehen. Dann reagiert er mit Flüchen und Kraftausdrücken, die in den aktuell fast menschenleeren Hallen besonders laut zu hören sind.

Dieser enorme Ehrgeiz hat ihn zum erfolgreichsten Trainer der DEL-Geschichte gemacht. Insgesamt neun Meistertitel mit München (3) und den Eisbären Berlin (fünfmal als Chef-, einmal als Co-Trainer) sind ebenso unerreicht wie seine Siegquote von 66 Prozent. Einen Titel will der Rekordcoach, der auch Red Bull Salzburg (2014) in Österreich zu Meisterehren führte, nicht hervorheben: "Jede Meisterschaft schreibt eine spezielle, einzigartige, unnachahmliche Geschichte."

Jackson hat ohnehin noch lange nicht genug. Diese Gier auf Erfolg hat er sich von keinem Geringeren als Wayne Gretzky abgeschaut. Mit dem vermutlich besten Eishockeyspieler der Geschichte spielte der frühere Mann fürs Grobe zusammen bei den Edmonton Oilers, er gewann an der Seite von "The Great One" zweimal den Stanley Cup - und wichtige Erkenntnisse für seine spätere Trainerkarriere. "Er hat vorgelebt, dass man immer versuchen muss, zu gewinnen", sagt Jackson über Gretzky: "Sein Geheimnis ist, dass er als Mensch noch großartiger war als als Spieler."

Auf den Prinzipien "Menschlichkeit" und "Erfolgshunger" ist auch Jacksons Arbeit als Trainer ausgelegt. "Don klopft einem auf die Schulter, und jeder Spieler fühlt sich bestärkt in dem, was er macht", sagte der Münchner Profi Konrad Abeltshauser der Fachzeitschrift "Eishockeynews". Teamkollege Maximilian Kastner lobte Jacksons "richtigen Blickwinkel fürs Eishockey" und verriet: "In der Kabine ist er sehr ruhig. Aber er kann auch mal laut werden, wenn es nicht so läuft." Den Spitznamen "stiller Don" bekam er vor allem deswegen verpasst, weil sich Jackson in der Öffentlichkeit und gegenüber den Medien sehr zurückhält. Und auch die Maskottchen in Deutschland waren vor seinen Ausbrüchen bislang sicher.

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