Multitalent: Tennisspielerin Andrea Petkovic überzeugt auch als Autorin. FOTO: DPA
+
Multitalent: Tennisspielerin Andrea Petkovic überzeugt auch als Autorin. FOTO: DPA

Mehr als nur Bum-Bum

  • vonred Redaktion
    schließen

Andrea Petkovic beweist als Autorin, dass sie nicht nur auf dem Tennisplatz über Talent verfügt. Die Darmstädterin hat ihr erstes Buch veröffentlicht. Und bekommt viel Lob dafür.

Biografien von Sportlern funktionieren normalerweise so: Der Profi fragt einen ihm wohlgesonnen Journalisten, ob er Zeit und Muße habe, seinen Werdegang aufzuschreiben. Man trifft sich. Der eine fragt - der andere antwortet. Am Ende legt der Autor dem Athleten ein Werk vor, das dieser nur noch abnicken muss.

Genau das wollte Andrea Petkovic nicht. Die Tennisspielerin wollte selbst schreiben. Geboren - Kindheit - Karriere - Rücktritt. Keine nach diesem Schema erstellte 08/15-Autobiografie vorlegen. Das ist ihr gelungen. "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht" heißt ihr Buch. Den Hinweis "Biografie" sucht man auf dem Cover vergeblich. Vielmehr ist es eine Sammlung an Geschichten aus ihrem Leben. "Autofiktion" nennt die 33-Jährige daher ihr Buch bei einer Lesung am Dienstag im Literaturhaus München.

Als geübter Leser von Sportler-Biografien muss man sich in ihre Art erst mal hineinlesen. Wo sind wir jetzt? Wie alt ist Petkovic in dem Moment gerade? Solche Fragen tauchen zwischen den Seiten immer wieder auf. Hat man diese Fragen jedoch beantwortet, kommt der Mensch Andrea Petkovic so deutlich zum Vorschein, wie sonst nur wenige ihrer Kollegen. Flüchtlingskind zwischen den Welten mit der permanenten Angst vor dem Scheitern - dieses Thema zieht sich durch die 266 Seiten. Als Beispiel nennt sie ihr gutes Abitur mit dem Notenschnitt von 1,2. "Das habe ich nicht gemacht, weil ich so gut bin, sondern aus panischer Angst davor durchzufallen, aufzufallen, wegzufallen - sodass man lieber nächtelang lernt, statt eine schlechte Note nach Hause zu bringen", erklärt die Darmstädterin ihre außergewöhnliche Hochschulreife.

Auf der Tennistour fühlt sich die French-Open-Halbfinalistin von 2014 bisweilen einsam, selbst wenn sie permanent von Kollegen umgeben ist. Literatur und Kunst gehören nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der anderen Profisportler. Petkovic berichtet aber, dass genau diese Themen sie durch den monotonen Sportler-Alltag getragen haben. Und erst als sie ihren psychisch schlauchenden Sport als Metapher auf das Leben verstanden habe, sei sie in der Lage gewesen, die Strapazen der Profitour zu akzeptieren.

Wie lange sie noch auf der Tour aktiv sein wird? Diese Frage bekommt sie seit geraumer Zeit gestellt. Ihre Antwort erinnert an einen Franz Beckenbauer in seinen besten Zeiten: "Mal sehen." Denn: Verletzungen haben sie über ihre Karriere genauso intensiv verfolgt wie ihre Literaturliebe. Aktuell rangiert sie auf Platz 100 der Weltrangliste. 2011 stand sie in den Top Ten. Diese Bereiche hat sie abgehakt. Ab und zu ein großes Spiel bei einem großen Turnier. So lauten ihre sportlichen Ziele für 2021.

Danach kann sich die in Tusla (Bosnien) geborene Hessin aussuchen, was sie machen will. Ihre ersten Auftritte als Moderatorin der ZDF-"Sportreportage" wurden viel gelobt, sogar einen Preis hat sie erhalten. Auch ihr Buch ist von der Kritik positiv besprochen worden. Selbst StarAutoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre empfehlen es.

In München am Dienstag verhaspelte sich Petkovic an einer Stelle und entschuldigte sich: "Ich bin halt nur Sportlerin." Eine glatte Lüge. "Nur Sportlerin" war Andrea Petkovic noch nie in ihrem Leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare