Mega-Duell um den Titel

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Der 100. deutsche Clásico gilt als Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft. Im Duell zweier "Dirigenten" fordert Niko Kovac Handwerk statt Kunst, Lucien Favre ein "perfektes Spiel".

Präsident Uli Hoeneß verspricht Borussia Dortmund die "Hölle" von München, doch in Wahrheit fürchtet der FC Bayern nach sechs Titeln in Serie den Absturz aus dem siebten Meisterhimmel. "Der Zweite ist der erste Verlierer", sagt Bayern-Trainer Niko Kovac vor dem vorweggenommenen Endspiel um die Meisterschaft gegen Tabellenführer Dortmund am Samstag (18.30 Uhr/Sky). Und eine Niederlage könnte für Kovac ganz persönlich schwerwiegende Konsequenzen haben.

Ganz Fußball-Deutschland und Millionen Fans in 205 Ländern erwarten eine Schlacht um die Schale – mit allerdings geänderten Vorzeichen: Der BVB kommt mit zwei Punkten Vorsprung und breiter Brust. "Wir haben schon im Hinspiel (3:2) gezeigt, dass wir sie schlagen können – und seit 2011 fünfmal in München gewonnen", tönt Sportdirektor Michael Zorc. Das Selbstvertrauen der Jäger aus München dagegen hat zuletzt schwer gelitten, vom "Mia san mia" ist wenig übrig. "Wir müssen als FC Bayern auftreten und zeigen, dass wir die Meisterschaft gewinnen wollen", fordert Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Besonders im Fokus: Niko Kovac. Das vogelwilde 5:4 im Pokal-Viertelfinale gegen Zweitligist 1. FC Heidenheim war Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, doch der Trainer behauptet: "Der Druck ist immer da, den meisten mache ich mir selbst." Er könne damit leben. Ob in Dortmund, gegen Ajax Amsterdam oder den FC Liverpool – "wir haben noch kein großes Spiel gewonnen, aber wir werden das schon schaffen", betont Kovac: Beim deutschen Rekordmeister rechne "jeder" mit einem Sieg. Seine Spieler geben sich jedenfalls alle Mühe, das altbekannte Münchner Selbstbewusstsein zumindest verbal zu transportieren. "Das ist das geilste Spiel der Saison, darauf wartet ganz Deutschland, wahrscheinlich ganz Europa – und für solche Spiele ist man in so einem Verein", sagt Leon Goretzka.

Kovac versucht derweil verzweifelt, seinen Bayern mehr "Kompaktheit" einzubimsen. "Angreifen ist Kunst, Verteidigen ist Handwerk. Das ist relativ einfach", sagt er, "man muss es unbedingt wollen – auch als Künstler!" Eine klare Ansage an Edeltechniker wie Thiago oder James, von denen einer seinen Platz im Mittelfeld an Arbeiter Javi Martinez verlieren könnte. Kapitän Manuel Neuer kehrt höchstwahrscheinlich ins Tor zurück, auch David Alaba ist dabei.

Kovacs Kollege Lucien Favre tüftelt noch an der Besetzung der Position des Linksverteidigers, wo Raphael Guerreiro ausfällt. Im Angriff wird Mario Götze den angeschlagenen Paco Alcacer ersetzen, der gar nicht erst mitflog. Eine Vorentscheidung im Kampf um den Titel erwartet der Coach nicht. "Aufgrund der Tabellensituation wird es ein spezielles Spiel", räumte Favre aber ein. "Wir müssen eine perfekte Leistung liefern, wenn wir gewinnen wollen." BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schärft dennoch die Sinne der Mannschaft um Kapitän Marco Reus, der nach seiner Babypause zurückkehrt. "Die Bayern werden heiß sein wie selten zuvor", sagt er – und fügt hinzu: "Das waren sie vor Liverpool auch..." Dieser kleine Seitenhieb ist eine Ausnahme, die Rivalen begegnen sich mit großem Respekt. "Ich habe aktuell mit niemandem vom FC Bayern ein Problem", sagt Watzke; auch von Hoeneß und Co. sind keine Gemeinheiten zu hören.

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