In überragender Form ist Torhüter Kevin Trapp, der mit der Eintracht am Freitag in Dortmund punkten möchte. FOTO: DPA
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In überragender Form ist Torhüter Kevin Trapp, der mit der Eintracht am Freitag in Dortmund punkten möchte. FOTO: DPA

Mann mit zwei Jobs

  • vonred Redaktion
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In dieser Saison ist Kevin Trapp zumindest in einer Kategorie bislang leer ausgegangen - im Sammeln von Scorerpunkten. Verständlich, weil Kevin Trapp bekanntlich das Tor des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt hütet wie seinen Augapfel. Er tut das ziemlich gut, mit viel Ruhe, Abgeklärtheit und Souveränität, mit reaktionsschnellen Paraden und einem prima Stellungsspiel. Ungewöhnlich aber, weil der Frankfurter neben seiner Aufgabe als Torwart häufig noch einen weiteren Job zu verrichten hat, den eines Feldspielers: Der zupackende Mann kann erstaunlich gut mit dem Ball umgehen, er kann ihn zentimetergenau nach vorne passen, mit links und mit rechts, selbst unter Bedrängnis. Eine seiner Spezialitäten ist der gechipte Ball, der im sanften Bogen dem Mitspieler auf den Span fällt.

Trapp hätte längst schon einen Scorerpunkt sicher, wenn Mijat Gacinovic nicht so hippelig vor dem Tor reagiert hätte. In Sinsheim war es, am ersten Rückrundenspieltag gegen Hoffenheim, als der schmächtige Serbe nach einem präzisen Schlag von Trapp alleine vor dem Tor auftauchte, dann aber wieder seinen sprichwörtlichen Zitterfuß bekam und lieber abspielte als zu schießen. Das Abspiel missriet.

Der Frankfurter Ballfänger ist im Spiel der Hessen nach vorne ein wichtiger Faktor. Nicht viele Schlussleute gibt es in der Liga, die den Spielaufbau so prägen wie Trapp das in Frankfurt tut. Er eröffnet das Spiel, er wird häufig von seinen Mitspielern gesucht, er verteilt die Bälle selbst unter Druck. Jeder im Team weiß: Wenn sich nach vorne keine Anspielmöglichkeiten bieten, geht es allemal nach hinten zu Trapp, der richtet es schon, er verändert dann eine oft festgefahrene Spielsituation.

Und Trapp wird regelmäßig als Spielpartner gesucht, in aller Regel hat er 50 bis 55 Ballkontakte, häufig mehr als ein Gros der Feldspieler. Spötter sehen den 29 Jahre alten Torwart durchaus auch als Alternative im Frankfurter Mittelfeld. Fußballerisch gehört Trapp ganz sicher zu den Starken, zu Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen, besser als Bernd Leno, dem Konkurrenten um Platz drei in der Nationalmannschaft, ist er allemal. Die Nationalmannschaft, für die sich der gebürtige Saarländer dreimal quer legte, ist weiterhin das ganz besondere Ziel des ehrgeizigen Trapp, die Europameisterschaft im Sommer hat er als sein großes Ziel ausgegeben.

Dass Eintracht Frankfurt so fulminant aus der Winterpause gekommen ist, dass der ausgangs der Hinrunde schwächelnde Klub zurück in der Spur ist, hat neben einer taktischen Veränderung und neuer Frische auch mit der Rückkehr des Stammkeepers zu tun.

Auf Trapp und seine Kollegen wartet bei Borussia Dortmund am Freitagabend (20.30 Uhr/Sky) eine knifflige Aufgabe. Gerade auf den Keeper wird es im Hexenkessel in Dortmund ankommen, auch wenn beim BVB die verletzten Marco Reus, Julian Brandt und Thomas Delaney fehlen und der Einsatz von Achraf Hakimi, dessen Lebensgefährtin in Madrid ihr erstes Kind zur Welt brachte, fraglich ist. Der Torhüter weiß, dass es schwierig wird. Er sagt trotzdem: "In Dortmund müssen wir uns nicht verstecken. Wenn wir so auftreten wie zuletzt, ist es für jeden schwer gegen uns." Thomas Kilchenstein

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