So kennt man ihn: Klaus "Schlappi" Schlappner, 1985 als damaliger Trainer des SV Waldhof Mannheim. FOTO: DPA
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So kennt man ihn: Klaus "Schlappi" Schlappner, 1985 als damaliger Trainer des SV Waldhof Mannheim. FOTO: DPA

Der Mann mit dem Hut

  • vonred Redaktion
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Klaus Schlappner war Trainer bei Carl Zeiss Jena, Darmstadt 98 und dem 1. FC Saarbrücken. Und bei Waldhof Mannheim wurde er gefeuert. Das kann man bei Wikipedia so nachlesen, es sind lauter alte Geschichten, doch sie überraschen einen. Man hatte sie vergessen: Denn Klaus Schlappner, der heute 80 wird, steht für eine große Lebensgeschichte: Er formte die Waldhof-Buben, er brachte Mannheim auf die Landkarte der Fußball-Bundesliga, die Leute fanden ihn originell und nannten ihn "Schlappi". Hinter dieser einen Story traten alle anderen zurück - wie bei einem Sänger, der einen Hit kreiert, der sein einziger bleibt. Ein One-Hit-Wonder.

Schon in den 80er-Jahren hatte der Fußball eine Sehnsucht nach Typen entwickelt, die für ein Anderssein standen. Wie eben Klaus Schlappner, der seinem Kurpfälzer Dialekt freien Lauf ließ. Seine Spieler nannte er "Buben", in der lokalen Zeitung stand nach Siegen, die damals noch mit zwei Punkten belohnt wurden. "Die Waldhof-Buben holten wieder einen Duppen." Ab 1983 dann auch in der Bundesliga, nachdem die Mannheimer mit einer spektakulären Serie durch die 2. Liga gewalzt waren.

Unter Schlappner brachte der SV Waldhof einige grimmige Verteidiger hervor: Jürgen Kohler, der 1990 Weltmeister wurde, Roland Dickgießer, Dieter Schlindwein. Doch die Mannheimer waren alles andere als eine Kloppertruppe. Mit Alfred Schön hatten sie einen hochbegabten Regisseur, mit Fritz Walter (nicht verwandt mit dem Weltmeister von 1954) einen gerissenen Torjäger, mit Maurizio Gaudino wuchs ein Ballkünstler heran, der überhaupt nicht dem Typus des deutschen Fußballers entsprach. Die Mannheimer waren jung und wild, mit dem erfahrenen Libero Günter Sebert als Vater der Kompanie. Und obwohl er mit seinem Pepitahut, den er damals gerne trug, altbacken wirkte, war Klaus Schlappner vielleicht sogar Deutschlands erster Konzepttrainer. 1987, nach sieben Jahren, vier in der Bundesliga, trat er beim SV Waldhof als gefeierter Mann ab - Besseres kam aber nicht nach, weder bei ihm noch bei dem Arbeiterverein. Ein Comeback Schlappners bei Wadhof missglückte. Er wurde gefeuert.

Eher unbemerkt verlief das zweite Trainerwirken Schlappners. Er wurde einer der deutschen Auslandstrainer, DFB und Deutscher Olympischer Sport-Bund schickten ihn immer wieder auf Ausbildungsmission Richtung Fernost. Einmal im Jahr trafen sich die deutschen Fußballbotschafter rund um ein Länderspiel, da wurde auch die Presse geladen, und "Schlappi" durfte den Entertainer geben, der vom "Schinesen" sprach und davon, was der "Schinese vom Deutschen erwartet". Es klang bisweilen stereotyp, und da fiel einem ein, dass dieser Klaus Schlappner Ende der 60er-Jahre mal Mitglied der NPD war und für sie in eine Kommunalwahl zog. Er bezeichnete das als eine irrige Episode, entstanden aus einem Gefühl, er müsse sich gegen die 68er-Bewegung stellen. Er war keine 30, es war lange vor dem Status der Prominenz.

Der Fußball, für den Schlappner als Bundesligatrainer, Medienstar und als Botschafter interessant wurde, hat seine Distanzierung von rechts als glaubwürdig angenommen. Günter Klein

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