Die Mängelliste ist lang

In München hat die heile Welt kleine Risse bekommen. Die Bayern haben bei ihrer ersten Bewährungsprobe bei Atlético Madrid in der Champions League ihre erste Niederlage kassiert. Boss Rummenigge kritisiert auch die Einstellung der Stars. Die Leistung stimmt bei Borussia Mönchengladbach, nur das Ergebnis wieder nicht.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge war alles andere als erfreut und redete seinem durchgefallenen Starensemble ins Gewissen. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl konstatierte sogar: "Wir zahlen leider noch immer Lehrgeld." Im deutsch-spanischen Vergleich in der Champions League gingen die Bundesligisten am Mittwochabend gleich zweimal als Verlierer vom Platz.

Vor allem Bayern München hatte sich bei Angstgegner Atlético Madrid mehr ausgerechnet. Dem Rekordmeister wurden gleich in der "ersten wirklich schwierigen Prüfung ein paar Schwächen offenbart", sinnierte Weltmeister Thomas Müller. Es sei "wichtig", sagte Vorstandchef Rummenigge nach dem 0:1 (0:1) beim Finalisten der Königsklasse der vergangenen Saison auf seiner Bankettrede im Hotel Intercontinental, "dass wir jetzt direkt am Samstag darauf reagieren gegen den 1. FC Köln und die Tabellenführung der Bundesliga verteidigen". Doch in den Stunden nach der ersten Pleite in der noch jungen Ära Carlo Ancelotti herrschte Ernüchterung vor beim FC Bayern. Schließlich war die Niederlage beim Finalisten im zweiten Gruppenspiel "leider verdient", wie Rummenigge geknickt zugab, "weil Atlético Madrid ein bisschen mehr getan hat als wir, sie wollten einfach mehr den Sieg haben". Mangelnder Siegeswille beim FC Ruhmreich? Gerade aus Rummenigges Mund ein hartes, aber gerechtes Urteil. Ancelotti nahm es an der Seite von Ehefrau Mariann mit stoischer Miene zur Kenntnis. Zuvor hatte er seine Mannschaft gerügt. "Es war keine gute Leistung", sagte der Italiener über das Spiel im Vicente Calderón, das Yannick Carrasco (35.) mit seinem Tor entschieden hatte. Ancelottis Mängelliste war lang. Kapitän Philipp Lahm und Co. seien "in den Zweikämpfen nicht bissig genug" gewesen, hätten "zu langsam gespielt", dazu "die Kontrolle ein bisschen verloren" und zu wenig aus ihren Chancen gemacht. Hätte EM-Schützenkönig Antoine Griezmann den vom stümperhaft agierenden Arturo Vidal verursachten Foulelfmeter nicht an die Latte geschossen (84.), wäre das noch härter bestraft worden. Aber, so versprach Ancelotti im Sinne Rummenigges: "Beim nächsten Mal wird es wieder besser." Also am Samstag (15.30 Uhr), wenn der ungeschlagene Bundesliga-Dritte Köln zum Topspiel kommt. Derweil werden die Borussia und die Champions League einfach nicht richtig warm miteinander. Im achten Königsklassen-Spiel ging Gladbach gegen den großen FC Barcelona beim 1:2 (1:0) zum fünften Mal in Führung – gewonnen wurde nur ein einziges. "Gerade zu Hause haben wir nur brillante Spiele gemacht. Aber wir belohnen uns zu wenig", sagte Eberl. Die Folge: Nach zwei Niederlagen droht wie schon im Vorjahr der letzte Tabellenplatz und das Aus. Und so blieb statt Punkten wieder einmal nur der Stolz auf einen mitreißenden Abend. "Wir sind enttäuscht über das Ergebnis, aber erfreut über die Leistung", sagte Trainer André Schubert, der nach der Führung durch Thorgan Hazard (34.) von einer kleinen Sensation träumen durfte. Als der Traum der Westdeutschen immer realer wurde, schlugen Arda Turan (65.) und Gerard Piqué (74.) humorlos zu. "Wir haben gegen Barcelona verloren und ärgern uns. Das ist das größte Kompliment, das man machen kann", sagte Eberl über seine Gefühlslage. Torhüter Yann Sommer konnten diese Worte indes kaum trösten. Der Schweizer wurde zum Unglücksraben, weil er vor Piqués Siegtor einen harmlosen Schuss von Luis Suárez nach vorne abprallen ließ. "Den muss ich festhalten, der geht auf meine Kappe", sagte Sommer einsichtig. Schlechte Nachrichten gab es zudem am Donnerstagabend: Der Brasilianer Raffael, der zu Beginn der zweiten Hälfte ausgewechselt werden musste, hat sich einen Muskelfaserriss im linken, hinteren Oberschenkel zugezogen und fällt auf unbestimmte Zeit aus. “ Wir sind enttäuscht über das Ergebnis, aber erfreut über die Leistung „

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