DFB-Trainer Joachim Löw kritisiert bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der historischen Niederlage gegen Spanien Verbandsführung und zeigt sich in seinem sportlichen Handeln entschlossen. FOTO: DPA
+
DFB-Trainer Joachim Löw kritisiert bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der historischen Niederlage gegen Spanien Verbandsführung und zeigt sich in seinem sportlichen Handeln entschlossen. FOTO: DPA

Losglück nach Löws Wutrede

  • vonSID
    schließen

Joachim Löw hat sein Schweigen gebrochen - und hatte richtig was zu sagen. Der Bundestrainer ist "maßlos enttäuscht" von der DFB-Spitze um Fritz Keller. An seinem Weg hält er fest. Zudem bleiben ihm die hohen Hürden auf dem Weg nach zur WM 2022 in Katar erspart.

Joachim Löw hatte sich für sein Plädoyer in eigener Sache einen weinroten Rollkragen-Pulli angezogen - und der schwerste Angriff des "verärgerten" sowie "wütenden" Bundestrainers galt dem DFB-Präsidium um den Winzer Fritz Keller. Die Durchstechereien der vergangenen Tage hätten ihn "persönlich maßlos enttäuscht", schimpfte er. An seinem Weg, das betonte Löw in seinem einstündigen Auftritt in der Frankfurter Verbandszentrale mehrfach, halte er trotz aller Kritik fest.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte für den mit Spannung erwarteten ersten Auftritt Löws nach der 0:6-Schmach in Spanien "Feuer" versprochen - und Löw lieferte. Der Gedanke an einen Rücktritt sei ihm "nicht" gekommen, betonte Löw, der seine "rote Linie" vehement verteidigte - und austeilte. Vor allem Richtung eigener Führung, von der er "Geschlossenheit" forderte statt "Störfeuer". "Da herrscht Explosionsgefahr bei mir, wenn Dinge nach außen gehen, die nicht nach außen gehören!"

Keller reagierte rund dreieinhalb Stunden später - und rief seinerseits zu Einigkeit auf. "Nur so ist Erfolg möglich", betonte der vom internen Machtkampf zermürbte Präsident. Die Meldungen, er habe Löw zum Rücktritt nach der EM bewegen wollen, griff er nicht auf, doch er betonte, bei den Diskussionen dürfe es "keine Denkverbote geben". Nachdem die Entscheidung pro Löw aber gefallen sei, müsse der gesamte DFB hinter ihr stehen: "Wie eine Mannschaft."

Um diesen Appell zu stützen, verbreitete der Verband am Abend Bilder von der Auslosung der WM-Qualifikation, die Keller mit Löw und dessen Trainerteam in der DFB-Zentrale verfolgt hatte. "Wir gehen als die großen Favoriten ins Rennen", sagte Löw über die vermeintlich leichten Gegner Rumänien, Island, Nordmazedonien, Armenien und Liechtenstein.

Der Blick auf die anderen Gruppen zeigt, dass Deutschland höhere Hürden erspart bleiben. So kämpfen in Gruppe G die Niederlande, die Türkei und Norwegen um das Ticket nach Katar. England, Polen und Ungarn treffen in der Gruppe I aufeinander. Nur die zehn Gruppensieger qualifizieren sich direkt für die WM, die wegen der großen Sommer-Hitze am Persischen Golf vom 21. November bis 18. Dezember 2022 ausgetragen wird.

Im März geht die Quali los - wohl ohne Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels. Das viel diskutierte Comeback des einstigen Weltmeister-Trios, stellte Löw zuvor klar, werde es nur im Notfall geben. Wenn er vor der EM im Sommer erkenne, "es braucht dies oder jenes noch, um erfolgreich zu sein, wird man das noch tun". Aktuell sehe er für eine Rückholaktion "keine Veranlassung". Der interne Vorstoß Kellers, ihn nach der EM vor Vertragsende loszuwerden, sei "so nicht in Ordnung gewesen", betonte Löw am Montag, er habe sich "nicht einverstanden erklärt" damit. In einem Telefonat mit Keller habe er "deutlich gemacht, was mich gestört hat". Nach dieser Aussprache sei die Sache "für mich erledigt".

Das gilt aber ganz offensichtlich nicht für die vielen Indiskretionen. "Das hat mit Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu tun", betonte Löw. Dass Interna an die Öffentlichkeit gelangten, habe ihn "sehr geärgert" und "das habe ich auch klar und deutlich gesagt". In der Präsidiumssitzung am Montag vergangener Woche sei ihm aber auf seinen Wunsch hin das Vertrauen ausgesprochen worden, "das war mir wichtig".

Ebenso zeigte sich Löw über eine DFB-Mitteilung nach dem Spanien-Debakel verärgert. Dass ihm dort "emotionale Distanz" verordnet wurde, "war für mich unverständlich". Diese habe er nicht gebraucht, betonte der 60-Jährige. "Ich habe gesagt: ›Gebt mir einen Tag Zeit‹."

Löw trat auch entschieden der Deutung entgegen, er sei nach Sevilla abgetaucht. Darüber habe er sich "ein bisschen gewundert. Ich entscheide, wann ich rede. Und ich muss ja nicht ständig in der Öffentlichkeit stattfinden."

Vertrauen ins Team

Das 0:6, auch das wurde deutlich, nagt noch an Löw. Die Wut, die er danach empfunden habe, "brodelt immer noch in mir", sagte er. Zweifel an der verjüngten Auswahl habe er deshalb jedoch nicht. Die Mannschaft habe sich "sehr, sehr gut entwickelt", auch wenn sie 2020 "ein bisschen stehengeblieben" sei. Dass sich Löw erst drei Wochen nach der Schmach von Sevilla äußerte, hatte vielfach Kritik provoziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare