imago1001718758h_300321_4c
+
Bundestrainer Joachim Löw kann mit den jüngsten Auftritten seines Teams zufrieden sein. IMAGO

Löw verteilt keine Bonbons mehr

  • VonRedaktion
    schließen

Der zweite Zu-null-Sieg in Folge hat bei der Fußball-Nationalmannschaft sowohl in der WM-Quali als auch mit Blick auf die EM Druck aus dem Kessel genommen. Der Bundestrainer ist nicht mehr im Experimentiermodus.

Wenn alles läuft wie geplant, wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sich am 25. Mai ins Trainingscamp nach Seefeld/Österreich zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft begeben. Sollten der FC Bayern oder Borussia Dortmund es nicht ins Finale der Champions League am 29. Mai geschafft haben, könnten auch Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels mit zum Aufgebot fürs Seefeld-Camp gehören. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Denn es gibt Nachrichten aus dem Kader, die die Dringlichkeit der möglichen Rückholaktion nicht mehr wie eine Unbedingtheit aussehen lassen. Sondern nur noch wie eine schlichte Option.

Der zweite Zu-null-Sieg in Folge hat sowohl in der WM-Qualifikation als auch mit Blick auf die EM ein bisschen Druck aus dem Kessel genommen. Erst das 3:0 gegen Island, nun das 1:0 in Rumänien waren Ergebnisse, die den Verlierern jeweils schmeichelten. Und die also kein neues Benzin ins Feuer um eine Müller/Hummels/Boateng-Debatte gossen.

Am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) endet gegen Nordmazedonien - ein Team, das gar nicht so schlecht unterwegs ist - das deutsche Auftaktprogramm auf dem geplanten Weg nach Katar 2022. Noch ein Erfolg mit blütenreiner Weste wäre für die aktuell berufenen Nationalspieler aus purem Eigeninteresse förderlich. Es würde die Chancen für eine EM-Nominierung erhöhen.

Schludrigkeiten im Abschluss

Löw hat den Experimentiermodus des Vorjahres verlassen. Dass er zweimal in Folge dieselbe Startelf aufbietet, kommt nur alle vier bis fünf Jubeljahre mal vor, diesmal war es mal wieder so. Der Bundestrainer verteilt auch keine süßen Bonbons mehr, sondern nur noch saure Drops.

Die Einwechselspieler Florian Neuhaus und Amin Younes wurden erst in der Nachspielzeit gebracht, um Zeit zu schinden, als die ansonsten gut betonierte deutsche Abwehr um die starken Innenverteidiger Antonio Rüdiger und Matthias Ginter dann doch zweimal wackelte. Und auch Timo Werner bekam von Löw lediglich eine Schlussviertelstunde geschenkt, weil Kai Havertz nach starkem Beginn aus der Puste geraten war.

Es gab nicht allzu viele gute Gründe, das vertrauensvoll kooperierende Mittelfeld mit Joshua Kimmich (in Manndeckung), Leon Goretzka und Ilkay Gündogan zu sezieren. Hinten verrichteten Lukas Klostermann, Ginter, der auffällige Rüdiger und der noch auffälligere Emre Can zuverlässige Arbeit, vorn rannten Torschütze Serge Gnabry, Havertz und Leroy Sané »auf verschiedenen Ebenen« (Löw trotz Optimierungswunsch zufrieden) viel durcheinander und hätten durchaus mehr Tore machen können. Schludrigkeiten in der Chancenauswertung, die in der EM-Vorrunde gegen Frankreich, Portugal und Ungarn unter Strafe des Ausscheidens gestellt werden könnten.

Vor dem nächtlichen Abflug aus der rumänischen Kapitale sah der wieder jugendlicher wirkende Löw (61) jedenfalls zufriedener aus als im Herbst 2020, und klar ist nun auch, dass er nach wie vor das gepflegte Kurzpassspiel bevorzugt. 90 Prozent positive Passquote gegen Rumänien, gar 93 Prozent gegen Island zeugen von diesem Ansatz, der gern auch mal mit einem risikoreicheren langen Ball unterbrochen werden darf. So vor dem einzigen Tor in Bukarest, als Rüdiger exzellent auf Havertz spielte, der nicht minder klug Gnabry zu dessen bereits 15. Länderspieltor im erst 19. Einsatz für Deutschland verhalf.

Nebengeräusche knirschen nicht

Auch die Nebengeräusche gerieten frei von lästigem Knirschen. Der nonverbale Hinweis auf die Menschenrechte vor dem Spiel mit umgedrehten Trikots musste vom DFB per Twitter erklärt werden. Die nach vorne gerichteten Rückennummern sollten die Zahlen der insgesamt 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen symbolisieren. Offenbar bleiben die Spieler an dem Thema dran. Die Beteiligten legten Wert darauf, dass die Aktion, wie Löw nach der geballten Kritik an einem DFB-Imagefilm ausdrücklich betonte, »wirklich ganz alleine aus der Mannschaft kam«.

Kapitän Manuel Neuer bestätigte das mit Verve: »Wir stehen alle für Fair Play, auch außerhalb des Platzes. Wir stehen für diese 30 Menschenrechtsartikel, für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Das wollten wir damit zeigen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare