imago1001618844h_310321_4c
+
In der ersten Reihe: Marc-André ter Stegen (vorne) wird heute im deutschen Kasten stehen (hinten/v. l. die weiteren Torhüter Kevin Trapp, Bernd Leno und Manuel Neuer).

Löw erwartet einen Kraftakt

  • VonRedaktion
    schließen

Joachim Löw will seinem noch nicht benannten Nachfolger mit dem dritten Sieg in der WM-Qualifikation den Weg bereiten. Zugleich ist das Duell heute Abend gegen Nordmazedonien das letzte Pflichtspiel vor der EM.

Einen Spaziergang an der sonnigen Rheinuferpromenade oder auch nur einen Bummel durch die Düsseldorfer Innenstadt: Das alles ist für die deutschen Fußball-Nationalspieler in ihrer Hotel-Blase gerade nicht drin. Stattdessen schlagen die Akteure die Stunden auf dem Zimmer tot, wie Ilkay Gündogan verriet, der sich zum Zeitvertreib vor allem im Managerspiel versucht. Richtig erfolgreich sei er dabei nicht, klang bei dem Profi durch, der im dritten WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien heute (20.45 Uhr/RTL) die deutsche Auswahl als Kapitän auf den Rasen der Duisburger Arena führen soll.

Weil Manuel Neuer für seinen Rivalen Marc-André ter Stegen das Hoheitsgebiet zwischen den Pfosten räumt, übernimmt der dienstälteste Feldspieler, der sich bei der Zusammenstellung eines funktionierenden Ensembles in der virtuellen Welt nicht ganz so erfolgreich anstellt wie der Bundestrainer im richtigen Leben. Joachim Löw urteilt für die DFB-Auswahl nach dem Sechs-Punkte-Start in die WM-Qualifikation: »Die Mannschaft agiert auf dem Platz wie ein Team.« Entgegen sonstigen Gepflogenheiten hat sich Löw sogar zart selbst auf die Schulter geklopft: In den Besprechungen habe er »vehement darauf rumgeritten« (O-Ton Löw), dass die Organisation stimmt. Und siehe da: »Jetzt ist es wieder kompakter, geschlossener.«

Selbst ein Freigeist wie Leroy Sané würde zur Balleroberung vier-, fünfmal in die eigene Hälfte sprinten, betonte der Bundestrainer. Dann kann das Mittelfeld zupacken - und die Abwehr bleibt unbehelligt. Allerdings hat die Systematik gegen Gegner gegriffen, die sich nicht mal für die EM qualifiziert haben. Gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) sei man ja »nicht aufs Äußerste« gefordert gewesen. Gegen Nordmazedonien sei es noch einmal nötig, die Kräfte zu bündeln und bloß nicht zu glauben, Altstar Goran Pandev und Spielgefährten würden sich so leicht aufs Kreuz legen lassen. »Es wird ein Kraftakt«, warnte Löw, der Gegner sei »keinen Deut schlechter als Rumänien«. Angeblich schwingt beim 61-Jährigen keinerlei Wehmut mit, das 33. und letzte WM-Qualifikationsspiel seiner Karriere zu coachen.

Löw will Eindrücke vom Abschlusstraining und Gespräche mit den Spielern abwarten, in welchem Umfang rotiert wird - in radikalem Stil auf keinen Fall. Der ehemalige DFB-Jugendtrainer und RTL-Co-Kommentator Steffen Freund merkte am Sonntag in Bukarest an, dass es ein Virtuose wie Amin Younes nicht verdient habe, erst in der Nachspielzeit zu kommen. Aber auch da bleibt Löw bei seiner Linie. Der Trickser von Eintracht Frankfurt zeige in manchen Trainingsformen verblüffende Aktionen auf engem Raum. »Er verursacht im Training viel Wirbel mit seinen Aktionen. Ob er morgen von Anfang an spielt, kann ich nicht sagen.«

Younes wurde auch berufen, um Julian Draxler und Julian Brandt ob ihrer stagnierenden Entwicklung einen letzten Denkzettel vor der Nominierung des EM-Kaders zu verpassen. Zusammengetrommelt wird das vorläufige Aufgebot am 25. Mai in Seefeld zum Trainingslager, nach der Bekanntgabe des endgültigen EM-Kaders geht es in Testspielen gegen Dänemark (2. Juni) und Lettland (7. Juni) an den Feinschliff. Zwischen Younes, Draxler und Brandt gebe es »einen Konkurrenzkampf«, bestätigte Löw, entscheidend wird sein, »wie und wie oft die Spieler in den nächsten zwei Monaten spielen«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare