Lobbyarbeit, Druck und Pläne

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(sid). Der Eintrag im Online-Terminkalender der Bundeskanzlerin ist vage. "Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Coronakrise", will Angela Merkel am Donnerstag bei der Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten erörtern. Wenn es nach den Fußball-Bossen geht, ist die Frage einer Zuschauer-Rückkehr in die Stadien drei Wochen vor dem Bundesliga-Start immens wichtig. Deshalb haben Verbände wie Klubs zuletzt mächtig Druck gemacht. Mit ausgefeilten Plänen und beharrlicher Lobbyarbeit will der Fußball bei der Politik punkten.

Die (über-)eifrigen Versuche, Fakten zu schaffen, gingen bisher allerdings schief. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) musste seinen Zuschauer-Plan für das Nations-League-Spiel der Nationalmannschaft am 3. September in Stuttgart gegen Spanien verwerfen. Bundesligist Union Berlin ist zurückgerudert und wird am 5. September doch kein Testspiel vor 3000 Fans bestreiten.

All diese Rückschläge ändern allerdings nichts an den ehrgeizigen Vorhaben der Fußball-Protagonisten, an deren Spitze sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München gestellt hat. "Der Fußball braucht für seine Kultur Zuschauer", sagte Rummenigge bei Bild live: "Deshalb müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass so zeitnah wie möglich Zuschauer wieder im Stadion zugelassen werden."

Obwohl es vonseiten der Politik zuletzt unterschiedliche Aussagen gab, hofft Rummenigge dennoch auf einen "Doppelpass" mit den Bürgervertretern. "Ich glaube, es ist wichtig, dass man uns Vertrauen gibt. Wir sind dazu bereit, wir sind dazu in der Lage, wir sind nicht arrogant. Ich bin überzeugt, dass der Fußball das leisten kann", betonte der Bayern-Boss, der auf eine Stadion-Auslastung von 15 bis 20 Prozent hofft: "Sollte die Politik Zweifel haben, kann man uns ja auch sagen, dieses oder jenes muss noch nachgebessert werden".

Derzeit gilt die Entscheidung der Länder-Gesundheitsminister, die bis Ende Oktober keine Zuschauer zulassen möchten. Daran wird sich nach Einschätzung des Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann nichts ändern. Obwohl der Fußball "auf Dauer die Leidenschaft" braucht, werde es mit einer Rückkehr der Fans noch dauern. "Aber vielleicht noch vor Weihnachten in kleinen Schritten", äußerte der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission bei Sky: "Vielleicht gibt es ja im November oder Dezember eine Möglichkeit, kleinere Kontingente von Zuschauern wieder zuzulassen." Für ein kleines Kontingent von 500 Zuschauern wollte der DFB in Stuttgart die Stadiontore öffnen. "Das wären systemrelevante Menschen gewesen", äußerte DFB-Präsident Keller: "Aber die UEFA hat entschieden, gar keine Zuschauer zuzulassen. Sie will eine einheitliche Lösung."

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