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Lise Klaveness - Anwältin des Fußballs

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Lise Klaveness NFF-Präsidentin © Imago Sportfotodienst GmbH

(sid). Lise Klaveness ist eine vielbeschäftigte Frau - und das nicht erst seit ihrer aufsehenerregenden Rede beim FIFA-Kongress in Doha. Beim Videogespräch mit der Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes (NFF) sind im Hintergrund immer wieder ihre drei kleinen Söhne zu hören, doch Klaveness lässt sich davon kein bisschen irritieren. Ihre Botschaft ist unmissverständlich:

Änderungen! Jetzt!

»Wir leben in einer sehr wichtigen Zeit, es steht etwas auf dem Spiel«, betont Klaveness. Die 40-Jährige sieht den Fußball bedroht. Von Super-League-Plänen, vom »Hyperkapitalismus« der vergangenen Jahre, von Machthabern wie Wladimir Putin, vom Machtkampf der Funktionäre und vom »Sportswashing«, wie es der WM-Gastgeber Katar betreibt. »All das sagt mir, dass wir keine Zeit mehr verlieren dürfen«, betont sie, »es eilt!« Es sei Zeit, endlich zu handeln.

Klaveness ist das, was man in Norwegen eine »fotballjente« nennt, ein Fußballmädchen. Als Kind schlief sie mit dem Ball im Bett ein, als erwachsene Frau spielte sie 73-mal für ihr Land. Noch während ihrer aktiven Karriere machte sie ihren Master in Rechtswissenschaft und arbeitete als Anwältin sowie Richterin. Klaveness ist es gewohnt, ihre Stimme zu erheben. Auch und gerade im noch immer von Männern dominierten Fußball. 2018 kommentierte sie als erste Frau im norwegischen TV-Sender NRK WM-Spiele, im selben Jahr übernahm sie einen Direktoren-Posten beim NFF. Anfang März rückte sie dort zur ersten Präsidentin auf - und ergriff in dieser Funktion in Doha das Wort.

Ihre Rede war eine schallende Ohrfeige für die FIFA und Katar, die Reaktion im Auditorium entsprechend kühl. Sie habe sich dort »ein bisschen einsam« gefühlt, berichtet Klaveness ernst. Zu Hause wurde sie für ihren Mut von der Organisation »Fritt Ord« (Freies Wort) und dem Nobel-Friedenszentrum geehrt, andere positive Rückmeldungen - auch vom Deutschen Fußball-Bund - haben sie darin »bestärkt«, aktiv zu werden.

Der Fußball, glaubt Klaveness, werde nur überleben, wenn er sich demokratisiert. Für dieses Ziel will sie mit Gleichgesinnten kämpfen, darunter DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Klaveness strebt eine »starke Allianz« an mit dem Mann, mit dem sie am Montag am Telefon über weitere Schritte beriet.

Bezüglich Katar gelte es, »schnell konkret« zu werden. Klaveness setzt sich für ein »Migrant Workers’ Center« als Anlaufstelle für die Gastarbeiter ein und fordert eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle auf den Baustellen. Außerdem müssten die Verbote gegen Menschen aus der LGBTQ-Szene ausgesetzt werden. Im Mai will sie wieder in den Wüstenstaat reisen - mit einem klaren Ziel: Diese WM, sagt sie mit festem Blick, dürfe »nicht noch mehr dunkle Schatten auf den Fußball werfen«. FOTO: IMAGO

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