Leere Ränge und Finanznot

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Jetzt greifen in einigen Bundesländern die Behörden im Sport durch: Der Fußball rollt in vielen Stadien wegen der Corona-Krise vorerst vor leeren Rängen. Das schürt auch finanzielle Ängste. Die Deutsche Eishockey- Liga beendet vorzeitig die Saison. Eine einheitliche Linie fehlt im Land.

Mit den ersten Geisterspielen der Fußball-Bundesliga, einem Länderspiel vor leeren Rängen und der Angst vor schweren wirtschaftlichen Schäden treffen die Folgen der Corona-Krise den deutschen Sport immer härter. Hunderttausende Fußballfans werden in den kommenden Wochen aus den Stadien ausgesperrt, schon heute wird das Bundesliga-Derby Borussia Mönchengladbach gegen 1. FC Köln ohne Zuschauer gespielt. Auch die Nationalelf muss ihren EM-Test gegen Italien am 31. März in einer leeren Nürnberger Arena austragen, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte.

Eine einheitliche Lösung für alle Bundesländer aber gibt es bislang nicht - so will Union Berlin am Samstag in der Bundesliga gegen den FC Bayern München vor vollem Haus antreten. Das Achtelfinal-Rückspiel der Bayern gegen den FC Chelsea am 18. März in der Champions League dagegen findet als Geisterspiel statt.

Dass wegen der Ausbreitung der SARS-CoV2-Infektionen vorerst keine Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern stattfinden sollen, lässt bei vielen Klubs die Sorge um die Zukunft wachsen. Die Deutsche Eishockey-Liga beriet am Dienstag vor dem Start der Playoffs über das Vorgehen - und entschied sich für den Saisonabbruch. Einen Meister wird es nicht geben. Die Handball-Bundesliga berief für Montag eine Mitgliederversammlung ein. Im Basketball wollen die Bundesliga-Klubs am Donnerstag eine Regelung finden.

Nach einigem Zögern griffen zuerst die Behörden in Bayern und Nordrhein-Westfalen durch. Nach einem Erlass des NRW-Landesgesundheitsministers darf das Fußball-Revierderby zwischen Dortmund und Schalke am Samstag nur ohne Fans stattfinden. Auch die Partie der Bayern in Dortmund am 4. April wird wohl zum Geisterspiel.

Partie in Frankfurt mit Publikum

Die Dortmunder müssen schon heute im Achtelfinale der Champions League bei Paris Saint-Germain in einer leeren Arena antreten. Vom Zuschauerbann ist auch die Europa-League-Partie des VfL Wolfsburg gegen Schachtjor Donezk am Donnerstag betroffen. Die Partie von Eintracht Frankfurt gegen den FC Basel am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) soll hingegen mit Publikum stattfinden. Das bestätigte gestern Abend der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Auch werden voraussichtlich nicht alle Bundesliga-Partien am Wochenende in leeren Arenen gespielt. Nach Rücksprache mit den örtlichen Behörden entschied sich Union Berlin gegen einen Ausschluss der Öffentlichkeit für das Spiel gegen die Bayern in der Alten Försterei. "Herr Spahn hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW in Berlin die Produktion einstellt. Deshalb kann er auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen", sagte Union-Präsident Dirk Zingler der "Berliner Morgenpost". Im Gegensatz dazu steht die Entscheidung, in der Hauptstadt alle geplanten Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theater, Opern- und Konzerthäuser abzusagen. Neben der Partie bei Union sind am Wochenende bislang nur bei den Begegnungen von Leipzig gegen Freiburg und Frankfurt gegen Mönchengladbach Zuschauer zugelassen - alle anderen Spiele werden Geisterspiele sein.

Neben den sportlichen Auswirkungen von Spielen ohne echten Heimvorteil für nur einen Teil der Vereine sorgen sich die Klubs vor allem um die finanziellen Konsequenzen - vor allem in unterklassigen Fußball-Ligen und in Sportarten wie Handball oder Basketball, die besonders von Zuschauereinnahmen abhängig sind.

Zum Geisterspiel wird auch die erste Playoff-Partie am 26. März zwischen der Slowakei und Irland im Kampf um die Teilnahme an der Fußball-EM. Die Coronavirus-Epidemie sorgt auch für immer mehr Spekulationen um eine mögliche Verschiebung der EM um ein Jahr. Hintergrund ist die Sorge nationaler Verbände und Ligen, dass sie ihre Meisterschaftswettbewerbe nicht wie geplant bis Mitte Mai beenden können. "Der Zeitplan muss nicht geändert werden", teilte die Europäische UEFA am Dienstag hingegen mit. Die 51 EM-Spiele sind für den 12. Juni bis 12. Juli in zwölf Ländern geplant.

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