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Lamine Diack

Lamine Diack †

(sid). Lamine Diack, verurteilter Verbrecher, einstiger Leichtathletik-Pate, ist tot. Der Senegalese verstarb in der Nacht auf Freitag nicht in einem Pariser Gefängnis, sondern im Kreise seiner Familie in Dakar. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP. Diack, der heute als Inbegriff des korrupten, geldgierigen Sportfunktionärs gilt, wurde 88 Jahre alt.

Diack führte den Leichtathletik-Weltverband von 1999 bis 2015 als Präsident wie ein Sonnengott, stand im Zentrum zahlreicher Skandale. Im September 2020 sprach ihn ein Strafgerichtshof in Paris wegen Korruption, Geldwäsche und Dopingvertuschung schuldig. Das Urteil: Vier Jahre Haft wegen krimineller Machenschaften, zwei Jahre davon auf Bewährung. Zudem musste Diack 500 000 Euro Strafe zahlen. Nach einer Kautionszahlung durfte er Frankreich im Mai verlassen und zurück in den Senegal reisen.

In Erinnerung wird Diack als der Präsident bleiben, der die Leichtathletik in die größte Krise ihrer Geschichte führte. Über vier Jahre lang wurde gegen ihn ermittelt, die 90-seitige Anklageschrift enthielt unfassbare Vorwürfe. Während des Prozesses gab er dann die Verschwörungen zu. So hatten er und sein Sohn etwa Dopingsperren besonders gegen russische Athleten im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 in London verhindert.

Allein 23 russische Athleten sollen jeweils zwischen 100 000 und 600 000 Euro gezahlt haben, um in London und bei der WM 2013 in Moskau starten zu können. Insgesamt haben Diack und seine Mitstreiter mindestens 3,45 Millionen Euro Schmiergeld für fallen gelassene Dopingdelikte kassiert. Außerdem soll Diack zahlreiche Veranstaltungen verschoben haben.

An Aufklärung war Diack in seinen 16 Jahren an der Spitze der IAAF nie wirklich interessiert. Er war einer jener Präsidenten, die ihren Verband nach Gutsherrenart führten, undurchsichtige Strukturen schafften und jede Kritik, jede Krise selbstgefällig aussaßen. Als die Vorwürfe der systematischen Vertuschung laut wurden, tat Diack sie als Verschwörung und »gezielte Kampagne« ab, »um die Medaillen neu vergeben zu können«. In der Leichtathletik sei man »überzeugt, dass 99 Prozent unserer Athleten sauber sind. Wir sind schließlich nicht der Radsport«. FOTO: IMAGO

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