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Markus Krösche

Krösche - der Anti-Bobic

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Wäre es nach Eintracht-Denkmal Karl-Heinz Körbel gegangen, wäre Markus Krösche schon vor zwei Jahrzehnten mit dem Adler auf der Brust aufgelaufen. Der juvenile Zerstörer, der damals beim SC Paderborn in der Regionalliga Nord kickte, war dem treuen Charly aufgefallen; Krösche, fand Körbel, könne einer für die Eintracht sein, die damals in der Unterklasse unterwegs war.

Doch Tony Woodcock, seinerzeit Manager, schmetterte den Vorschlag der Ikone ab. Das war 2002.

So dauerte es fast 20 Jahre, ehe Markus Krösche, heute 40 Jahre alt, mit ganz langem Anlauf doch noch beim Fußball-Bundesligisten in Frankfurt landete. Am Dienstag wurde er als neuer Sportvorstand offiziell vorgestellt und wählte salbungsvolle Worte, um die Bedeutung des Moments herauszustreichen: »Eintracht Frankfurt ist ein Klub mit Riesentradition und großer Strahlkraft. Ich bin extrem froh und sehr stolz, ein Teil davon zu sein.« Die Erwartungen sind groß, die Fußstapfen ebenso. »Aber ich habe keine Angst vor irgendeiner Fallhöhe«, sagte der Familienvater selbstbewusst.

Der gebürtige Hannoveraner lenkt ab sofort als Nachfolger von Fredi Bobic die Geschicke des Europapokal-Starters. Bei seiner Vorstellung hinterließ er einen guten, sittsamen, souveränen Eindruck, höchst professionell und klar strukturiert. Der Ruf des Menschenfängers eilt ihm voraus, er sei, wie eine Kollegin anmerkte, der Gegenentwurf seines Vorgängers, ein Anti-Bobic gewissermaßen. Krösche umdribbelte den Fallstrick geschickt, er habe ein gutes Verhältnis zu Bobic, der in Frankfurt klasse Arbeit geleistet habe. Und überhaupt: »Ich behandele die Menschen so, wie ich selbst behandelt werden möchte.« Seine Philosophie der Führung fußt auf drei Grundsätzen: Spaß, Mut und Überzeugung. Krösche hat schon eine eigene Wohnung bezogen, »um Frankfurter zu werden«. Bobic hat fünf Jahre im Hotel am Main logiert.

Krösche, studierter Betriebswirtschaftler, hat sehr genaue Vorstellung, was er schaffen will. Zuvorderst geht es ihm da um die Ausrichtung auf dem Spielfeld. »Wir wollen attraktiv, offensiv und unberechenbar spielen.« Der Vollgasfußball soll konsequent fortgeführt werden. »Wenn wir das umsetzen können, dann werden wir viele Spiele gewinnen und in jedem Heimspiel ein Feuerwerk abbrennen können.« Genau deshalb sei Oliver Glasner als Trainer ausgesucht worden. »Er war von Anfang an unser Wunschkandidat, hat herausragende Arbeit geleistet«, sagte Krösche. Mit dem Österreicher sei man schon länger einig gewesen, »aber er war mit Wolfsburg im Champions-League-Kampf, da haben wir Rücksicht genommen, das ist ein sensibles Thema«. Das weiß man in Frankfurt, leidvoll.

Von der aktuellen Mannschaft ist der von RB Leipzig an den Main gewechselte Sportchef überzeugt. »Es ist eine Herausforderung, den Kader zu verstärken, weil er schon sehr gut ist«, befand er. Punktuell soll das Team dennoch verbessert und gerade in der Offensive ein anderes Element eingebracht werden. »Wir werden auf Geschwindigkeit setzen.« Ansonsten werde er versuchen, die Mannschaft zusammenzuhalten. Natürlich weiß er, dass Spieler wie Filip Kostic oder André Silva heiß begehrt sind. »Ich werde versuchen, sie zu überzeugen, den Weg weiter mit uns zu gehen. Sie wissen, was sie an der Eintracht haben.« Teil des Teams wird in der neuen Saison auf jeden Fall wieder der zuletzt nach Mainz entliehene Danny da Costa sein

Aufsichtsratschef Philip Holzer verteilte an Krösche Bestnoten. »Er hat den Blick fürs Ganze«, besteche durch Vielseitigkeit im Lebenslauf und habe schon immer Verantwortung übernommen. »Er war Spieler, Kapitän, Trainer, Co-Trainer, Sportdirektor.« Und habe dann, mit 28, neben der Kickerei noch studiert. »Er schaut über den Tellerrand hinaus.« INGO DURSTEWITZ

FOTO: IMAGO

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