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Kritik an Hütter wächst

  • VonRedaktion
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Eintracht-Trainer Adi Hütter wirkt pikiert ob der an ihm aufkommenden Kritik auf seinen letzten Metern in Frankfurt. Er sagt: »An mir liegt es nicht.«

Als am Sonntagabend trotz des späten 1:1-Ausgleichtores gegen Mainz 05 im Lager von Eintracht Frankfurt Tristesse herrschte, als des Volkes Zorn sich in Internetforen, sozialen Medien oder WhatsApp-Gruppen, ungefiltert (und mitunter auch überzogen) entlud, stand ein Mann ganz besonders im Auge des Sturms: Adi Hütter. Schließlich blies gar das Gerücht durch die virtuelle Welt, wonach der Trainer des Fußball-Bundesligisten zwei Spieltage vor Schluss womöglich vor einer Freistellung stehe. Dem ist nicht so.

Für die Eintracht-Verantwortlichen ist bei aller (berechtigten) Kritik an Hütter in dieser finalen Sequenz der Saison eine Abberufung ihres Angestellten kein Thema, zumal die Alternativen ohnehin rar gesät wären. Hütters Co-Trainer, Christian Peintinger und Armin Reutershahn, verlassen den Klub mit ihrem Chef in Richtung Mönchengladbach, einen Übergangsübungsleiter von außen zu verpflichten, macht ob der Miniwirkungszeit keinen Sinn, sodass der Eintracht maximal die Berufung einer ihrer Jugendtrainer zum Bundesligaoberhaupt bliebe. Klar, Alex Meier, Thomas Broich, das sind Leute, die sich im Geschäft auskennen - als Trainer sind sie aber Novizen. Einzig Jürgen Kramny, A-Jugendcoach, betreute mal Profiteams. Nun ja.

Die Frage einer Hütter-Freistellung also stellt sich für die Eintracht nicht, wenngleich der Österreicher seit einigen Wochen und Monaten durchaus Ansatzpunkte für derlei Überlegungen geliefert hat. Erst die wochenlange Eierei bezüglich eines möglichen Vereinswechsels, dann die Abschiedsverkündung, seitdem nur ein Sieg aus vier Partien. Hütter aber findet: »An mir liegt es nicht - und an der Mannschaft liegt es auch nicht.« An wem sonst, lässt er offen. Am Busfahrer? Am Greenkeeper?

Schnell gereizt

Hütter weiter: »Die Leute sollen reden, was sie wollen. Das ist mir wirklich auch egal.« Vielleicht nicht die allerbeste Arbeitsauffassung als Hauptverantwortlicher fürs sportliche Treiben, so ohne jegliche Selbstkritik. Selbstverständlich muss sich Hütter nicht sämtliche Zwischenrufe zu Herzen nehmen - nicht mal von Verantwortungsträgern innerhalb des Klubs. Auch steht der 51-Jährige seit Wochen unter immensem Druck, viel fokussiert sich auf seine Person. Ein Umgang damit ist nicht einfach. Einerseits. Andererseits hat der Coach sich jene Situation weitestgehend selbst eingebrockt. Kritik, Zweifel, Frust als Begleiter sind da nur logisch.

Hütter wirkt zurzeit mitunter gereizt, schnell fühlt er sich und seine Arbeit angegriffen, scheint pikiert darüber, dass ihm sein zweifelsohne gutes Schaffen der vergangenen Jahre kaputtgeredet werden könnte. Bloß: Das will ja niemand machen. Natürlich hat der Fußballlehrer exzellent abgeliefert. Auch wären Klubbosse, Mannschaft, Trainer, das Umfeld vor der Saison mit einem fünften, sechsten Platz natürlich hochzufrieden gewesen. Aber: Jetzt eben nicht mehr so ganz.

Des Trainers sonntäglicher Verweis darauf, dass die Truppe teilweise über ihren Verhältnissen gespielt hätte, »auch mal an der Obergrenze«, ist faktisch richtig, fängt gefühlsmäßig aber mitnichten die Lage rund um den Klub ein. Dieses Gespür für die feinen Schwingungen ist Hütter offenbar im Zuge seines Abnabelungsprozesses von Frankfurt abhandengekommen. Ein weiteres Beispiel: »Die Champions League ist ja nur ein Traum.« Ein kleines Wörtchen, dieses »nur«, aber eben eines zu viel. Selbstvertrauen für die letzten Spiele auf Schalke und gegen Freiburg dürften derartige Aussagen kaum geben.

Trapp kämpferisch

Recht hat Hütter damit, dass noch viel drin ist. Kevin Trapp, der Torwart für klare Worte, äußert sich kämpferisch: »Wir werden Platz vier noch schaffen. Ich will die Wörter Angst und Druck nicht hören. Seit wann hatte die Eintracht Druck, in die Champions League zu kommen? Dortmund hatte den Druck, nicht wir.« Das stimmt. Spätestens jetzt wieder haben die Frankfurter nichts zu verlieren. Auch die Spieler sind mehr denn je in der Pflicht.

Bloß: Es könnte schon zu spät sein. Die drittplatzierten Wolfsburger liegen drei Zähler vor der Eintracht, haben zudem die um zehn Treffer bessere Tordifferenz. Und Borussia Dortmund, nur einen Zähler davor, ebenfalls jedoch um zehn Tore besser, scheint zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. Zwar steht für den BVB am Donnerstag das Pokalfinale auf dem Plan, am Sonntag in Mainz sowie danach gegen Leverkusen ist die Borussia aber jeweils Favorit.

Und: Wie soll bei der Eintracht rein fußballerisch nun ein Umschwung gelingen, ist die spielerische Leichtigkeit doch weg? Vieles führt bei dieser Frage zu Amin Younes. Auch intern will so recht niemand verstehen, warum Hütter zuletzt so oft und so lange auf den Nationalkicker verzichtete. FOTO: IMAGO

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