Krawalle und Rassismus

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(sid). Dutzende von Festnahmen, viele verletzte Polizisten und Schutzmasken eine Rarität - die Begleitumstände des EM-Endspiels zwischen England und Italien (1:1 n.V., 2:3 i.E.) in London könnten für die Pandemie-Entwicklung in Großbritannien üble Folgen haben, ein massiver Imageschaden ist längst entstanden.

Daran änderte auch nichts, dass sich der englische Fußballverband FA vom Verhalten der oftmals angetrunkenen Randalierer via Twitter distanzierte: »Diese Leute sind eine Peinlichkeit für die englische Mannschaft und alle wahren Fans, die eines der wichtigsten Spiele unserer Geschichte genießen wollten.«

Schon Stunden vor dem Finale herrschte Ausnahmezustand in der britischen Metropole. Zahlreiche Fans durchbrachen im Wembleystadion den äußeren Sicherheitsring, in der Arena herrsche in einigen Sitzblöcken das nackte Chaos. Selbst friedliche Zuschauer verzichteten fast durchweg auf ihre Schutzmaske.

Die Niederlage der Gastgeber steigerte das Aggressionspotenzial vieler Randalierer. So konnte die Polizei nur durch massive personelle Präsenz verhindern, dass ein Fanfest am Trafalgar Square von Menschen ohne Eintrittskarten gewaltsam überrannt wurde. An vielen zentralen Orten von London wurden Bierflaschen geworfen und Fackeln gezündet.

In einer ersten Bilanz bezeichnete die Londoner Polizei das Verhalten der gewaltbereiten »Fans« britisch-unterkühlt als »inakzeptabel« und nannte Zahlen: 49 Festnahmen wurden registriert, mindestens 19 Polizisten seien im Dienst verletzt worden. Andere Zahlen könnten mittel- und vielleicht sogar langfristig die Inzidenzwerte im Vereinigten Königreich noch weiter in die Höhe treiben. Mehrere Virologen hatten schon vor dem Endspiel mit am Ende offiziell 67 173 Zuschauer vor einem möglichen Superspreader-Event gewarnt.

Prinz William ist »angewidert«

Bereits am Sonntag lag der Inzidenzwert landesweit bei 300,7, der Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen bei 98 Prozent. Zum Vergleich: Das Robert-Koch-Institut meldete am Montag für Deutschland offiziell einen aktuellen Inzidenzwert von 6,4.

Premierminister Boris Johnson wollte eigentlich unter anderem die Maskenpflicht in der kommenden Woche aufheben, zunächst blieb unklar, ob er dieses Versprechen einlösen würde. Vorerst schwieg der umstrittene Regierungschef, auch zur Krawallnacht äußerte er sich erst einmal nicht.

Immerhin: Wenigstens zu den rassistischen Schmähungen gegen die drei englischen Elfmeter-Fehlschützen Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka fand Johnson bei Twitter klare Worte: »Diejenigen, die für diese entsetzlichen Beleidigungen verantwortlich sind, sollten sich schämen«, twitterte Johnson: »Diese englische Mannschaft verdient es, als Helden gewürdigt und nicht in den sozialen Medien rassistisch beleidigt zu werden.« Prinz William schrieb ebenfalls bei Twitter: »Ich bin angewidert von den rassistischen Beschimpfungen, die nach dem Spiel gegen die englischen Spieler gerichtet wurden. Es ist völlig inakzeptabel, dass die Spieler dieses abscheuliche Verhalten ertragen müssen.«

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