Rückblende: Vor fast fünf Jahren unterlag die Frankfurter Eintracht mit (v. l.) Alexander Madlung, Marco Russ und Carlos Zambrano 1:3 beim FSV Mainz (Shinji Okazaki). Damals wie heute hat ein neuer Trainer das Zepter in Mainz übernommen. FOTO: DPA
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Rückblende: Vor fast fünf Jahren unterlag die Frankfurter Eintracht mit (v. l.) Alexander Madlung, Marco Russ und Carlos Zambrano 1:3 beim FSV Mainz (Shinji Okazaki). Damals wie heute hat ein neuer Trainer das Zepter in Mainz übernommen. FOTO: DPA

Mit der Kraft der Erinnerung

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Der FSV Mainz 05 hofft auf eine Wiederholung. Vor fast fünf Jahren war die Frankfurter Eintracht zu Gast, als frische Führungskräfte den FSV zu einem 3:1-Sieg führten. Erneut ist neues Personal an Bord, erneut kommt die SGE.

Bei Mainz 05 hofft man inständig, dass sich Geschichte wiederholt. 21. Februar 2015: Am Montag zuvor hat Manager Christian Heidel den dänischen Trainer Kasper Hjulmand geschasst (der inzwischen Dänemarks Nationalmannschaft trainiert). Als Nachfolger befördert Heidel den U23-Trainer Martin Schmidt zum Chefcoach, um den drohenden Abstieg zu verhindern. So sitzt der Schweizer Schmidt bei seinem ersten Bundesligaspiel als verantwortlicher Mainzer Trainer neben seinem Assistenten Bo Svensson auf der Bank. Der Gegner, Eintracht Frankfurt, spielt in durchweg babyblauer Kluft und hat den Gastgebern nach der 1:0-Führung durch Stefan Aigner nicht mehr viel entgegenzusetzen. Shinji Okazaki, Johannes Geis und Yunus Malli kontern zum Mainzer 3:1-Sieg. "Das war ein brutales Erlebnis", sagt Martin Schmidt im Rückblick. "Bei der Erinnerung daran läuft es mir heute noch den Rücken herunter."

Das Schicksal und Christian Heidel wollen es so, dass Schmidt und Svensson fast fünf Jahre danach wieder gegen die Eintracht in neuen Rollen als Retter in der Not zurück sind. Schmidt nun als Sportdirektor, Svensson als Chefcoach, beide erstmals in dieser Rolle in der Fußball-Bundesliga. Was fehlen wird, sind die fast 34 000 Zuschauer, die seinerzeit halfen, den Rückstand zu drehen.

Damals berichteten Mainzer Spieler hinterher, sie hätten "ein Messer zwischen den Zähnen gehabt", so sehr seien sie motiviert gewesen. "Das", sagt Bo Svensson im Januar 2021, erwarte er von seinen Männern immer. "Das darf nicht außergewöhnlich sein." Er wolle "eine Mannschaft sehen, die leidenschaftlich spielt. Meine Spieler müssen Bock haben, miteinander zu spielen und dem Gegner wehzutun". Svensson ist jetzt erst ein paar Tage wieder da, was soll er auch anderes sagen über eine Truppe, die sich seit geraumer Zeit sehr schwer tut, Widerstände zu überwinden. Und die an Harmlosigkeit vor des Gegners Tor in der Liga ihresgleichen sucht. Svenssons Vor-Vorgänger Sandro Schwarz hat vermutlich vollkommen Recht, wenn er den Schlüssel zu einem Klassenerhalt vor allem bei Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta verortet. Denn ohne dessen Tore dürfte die Mission Klassenerhalt aussichtslos werden. Der Franzose war zuletzt über den Platz gestolpert, als käme er aus einer anderen Sportart. Svensson muss in seiner Ansprache an den 23-Jährigen die richtige Mischung aus Druck und Zuneigung finden. Kein ganz leichtes Unterfangen.

Strutz meldet sich zu Wort

Insgesamt hat sich die Wetterlage in Mainz aufgehellt, seit Heidel, Schmidt und Svensson da sind. In den Fanforen ist die Fruststimmung verflogen. Inzwischen hat sich auch Ex-Präsident Harald Strutz via Sky zu Wort gemeldet. Er glaube, "dass die drei das Ruder herumreißen werden", verkündete der 70-Jährige, dessen Mitwirken beim Retrokurs allerdings niemand in Mainz ernsthaft andenkt. Zu viel war am Ende kaputtgegangen auch im Verhältnis zu Heidel, den Strutz in seiner jüngst erschienenen Biografie im Zusammenhang mit dem Abschied von Ex-Trainer Thomas Tuchel vehement kritisierte: Tuchel habe seinerzeit "dem Verein erheblich mehr Geld gekostet, als nötig gewesen wäre und ihm rechtmäßig zugestanden hätte". Er habe "nicht verstanden, warum Christian Heidel Tuchel da so sehr nachgegeben hatte".

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