Das wünschen sich die Frankfurter Anhänger nach dem 2:2 von Salzburg auch für den Mittwochabend: Jubelnde Eintracht-Spieler nach dem Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen. FOTO: AFP
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Das wünschen sich die Frankfurter Anhänger nach dem 2:2 von Salzburg auch für den Mittwochabend: Jubelnde Eintracht-Spieler nach dem Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen. FOTO: AFP

Kräfte tanken für Werder

  • vonred Redaktion
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Freies Wochenende für die Frankfurter Eintracht. Heute wird das Training für das Pokal-Viertelfinale am Mittwoch gegen Bremen aufgenommen. Mit dem Auftrag Halbfinale.

Hinter blickdichten Schutzfolien, ganz im Geheimen, nimmt die Frankfurter Eintracht am Montag die Vorbereitung auf das nächste Glanzstück in Angriff. Am Mittwoch begibt sich der Klub wieder auf die große Bühne, dieses Mal nicht international ausgeleuchtet, aber durchaus beachtet, dann steht das Viertelfinale des DFB-Pokals auf dem Plan. Auf die Hessen wartet eine knifflige, aber lösbare Aufgabe: Ligakonkurrent Werder Bremen, knietief im Abstiegssumpf steckend, wird in Frankfurt erwartet (20.45 Uhr/live in der ARD). "Wir freuen uns darauf und wollen ins Halbfinale einziehen. Das ist unser großes Ziel", sagt Sportvorstand Fredi Bobic.

Die ohnehin schon bedeutungsvolle K.-o.-Partie gegen die Hanseaten hat an zusätzlicher Brisanz gewonnen, weil die Bremer Woche ja ausfiel, das für Sonntag, 18 Uhr, angesetzte Bundesligaduell an der Weser ist aufgrund der Spielverlegung in Salzburg und der damit sehr knapp bemessenen Regenerationszeit der Europapokalstarter aus Frankfurt von der DFL auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Sehr zum Verdruss der Grün-Weißen, die liebend gerne angetreten wären, weil sie sich gute Chancen ausrechneten, die mental und körperlich ausgelaugte Eintracht auf die Bretter zu schicken und sich im Keller des Fußballoberhauses mehr Luft zum Atmen zu verschaffen.

Dieser Möglichkeit sind die Bremer beraubt worden, sie sind durch die vom Dachverband verordnete Untätigkeit sogar noch tiefer ins Schlamassel gerutscht, haben nun, bei einem Spiel weniger, bereits acht Punkte Rückstand auf Mainz 05 auf den ersten Nichtabstiegsrang. "Werder befindet sich in einer außergewöhnlichen Drucksituation", sagt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Abstiegskampf sei "existenzieller Druck", der "psychische Reaktionen, beträchtliche Anspannung und immenses Nervenflattern" auslöse. Für die Norddeutschen hat der Kampf gegen den Klassenerhalt natürlich Priorität, was freilich nicht bedeutet, dass sie die Pokalpartie abschenken werden, zumal es ums Halbfinale geht und Berlin nur noch zwei Siege entfernt ist.

Der Eintracht kam die Spielabsage an der Weser sehr gelegen, da die Akteure körperlich und geistig stark beansprucht worden wären. So aber hatten sie Zeit, den Energietank wieder aufzufüllen und den Fokus ganz auf den Mittwoch zu legen; das Wochenende stand nach der Rückkehr aus Österreich zur persönlichen Verfügung, manch Profi nutzte die plötzliche Freizeit zu einem Kurztrip in die Heimat.

Trainer Adi Hütter hält die Aussetzung der Bundesliga-Begegnung auch mit ein wenig Abstand für gerechtfertigt. Er verstehe zwar den Unmut des Gegners aus Bremen, aber er gibt zu bedenken, dass "wir auch international viel für den deutschen Fußball getan haben". Dem dürfe sehr wohl mal Rechnung getragen werden.

Nach dem 2:2 bei RB Salzburg am Freitagabend wartet in der Runde der letzten 16 nun der Schweizer Vertreter FC Basel, der sich im Sechzehntelfinale sicher gegen den zypriotischen Starter Apoel Nikosia durchgesetzt hat (3:0 und 1:0), aber alles in allem schon bessere Tage erlebt hat. Ganz bestimmt kein schlechtes Los.

Ein Vorteil könnte für die Eintracht zudem sein, dass der Schweizer Verein über fehlende Wettkampfpraxis klagen könnte, weil die eidgenössische Regierung aufgrund des grassierenden Coronavirus alle Sportveranstaltungen mit mehr als 1000 teilnehmenden Personen bis mindestens zum 15. März verboten hat. Am 12. März treten die Baseler in Frankfurt an, ob das Rückspiel eine Woche später regulär ausgetragen wird, ist noch nicht bekannt.

Für die Eintracht ist der nationale und internationale Pokalwettbewerb von immenser Bedeutung, weil sie in diesen Duellen aus einer bisher eher enttäuschenden Ligarunde eine besondere Saison machen kann. Langeweile mögen sie in Frankfurt nicht besonders.

In den K.-o.-Spielen ist auch diese Mannschaft, die qualitativ mit der aus der vorherigen Spielzeit nicht konkurrieren kann, in der Lage, Glanzlichter zu setzen und über sich hinauszuwachsen. Gegen Salzburg standen in der Schlussviertelstunde neun nominell eher defensiv ausgerichtete Spieler auf dem Feld - durch ihre Konterstärke bleiben die Hessen dennoch gefährlich. Das liegt in erster Linie an Filip Kostic, den Dampfmacher auf links, aber auch an André Silva, den Doppelpacker von Österreich. Der 24 Jahre alte Portugiese ist längst Stürmer Nummer eins, ist in guter Form, hat eine andere Präsenz und Körpersprache, was umso wichtiger ist, da die offensiven Optionen arg begrenzt sind: Mijat Gacinovic ist häufig krank, Bas Dost verletzt, Goncalo Paciencia im Dauertief und Youngster Dejan Joveljic verliehen.

"André", lobt Mitstreiter Sebastian Rode, "arbeitet wahnsinnig viel für uns." Und er trifft immer häufiger: In den zurückliegenden sieben Pflichtspielen hat er fünf Tore gemacht und zwei vorbereitet. Das ist nicht so schlecht.

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