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Kostic trifft, Trapp hält, SGE gewinnt

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Von: Redaktion

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Die Frankfurter Eintracht feiert ihren 2:1-Sieg beim FC Bayern München, nachdem Filip Kostic (unten, rechts) getroffen und Kevin Trapp einmal mehr gerettet hatte. Ganz unten verlassen die enttäuschten Thomas Müller (l.), Manuel Neuer und Robert Lewandowski (r.) den Platz. © DPA Deutsche Presseagentur

Faustdicke Überraschung am Sonntagabend in München: Die Frankfurter Eintracht gewinnt 2:1 beim Rekordmeister. Kostic und Trapp wissen beim Coup besonders zu gefallen.

Nach dem schon fast historischen Sieg in München, dem ersten der Eintracht seit mehr als zwei Dekaden, war es natürlich der unverwüstliche und einzigartige Martin Hinteregger, der sich den 2:1-Erfolg ans Revers heftete. Indirekt, so irgendwie. Sein schnöder und völlig unnötiger Fehlpass samt vorherigem Sinnlos-Solo durchs Mittelfeld nach einer knappen halben Stunde führte nämlich dazu, dass der übermächtige FC Bayern durch Leon Goretzka mit 1:0 in Führung gehen konnte (29.). »Hinti«, das Unikum, hat das ganz schön gewurmt, zunächst einmal, aber im Nachhinein fand er seinen Fauxpas echt dufte. »Das war für uns ein Weckruf«, sagte der Frankfurter Kapitän. Danach sei seine Mannschaft sehr viel besser ins Spiel gekommen, habe mutiger gespielt und sich mehr zugetraut. Hinteregger verstieg sich gar zu einer kruden These, die es zum Bonmot schaffen sollte: »Das war kein unwichtiger Fehler von mir.« Hört man auch nicht so oft.

Aber an diesem emotionalen Abend war ohnehin wenig normal, auch der Ausgang dieses Fußballspiels nicht. 2:1 (1:1) siegte die Eintracht letztlich in München, es war kein unverdienter Erfolg, weil sich die Frankfurter zerrissen und über sich hinaus wuchsen, weil sie an sich glaubten und den vielen Münchner Goliaths tapfer die Stirn boten. Aber natürlich war es ein glücklicher Erfolg, der erste seit dem 18. November 2000, Torschützen damals Alexander Schur und Jan-Aage Fjörtoft. Der aktuelle Eintracht-Profi Jesper Lindström, nur so als Beispiel, war da gerade mal ein halbes Jahr auf der Welt.

Die Bayern verbuchten 20 Torschüsse für sich, die Gäste deren fünf, sie spielten 772 Pässe (294), gewannen mehr Zweikämpfe (59 zu 41) und hatten eine Ballbesitzquote von 72 Prozent. Und ihre Einschussmöglichkeiten waren durchaus hochkarätig, ein Dutzend klarer Chancen hatten die Münchner - doch entweder scheiterten sie freistehend am Pfosten (Serge Gnabry) oder aber, deutlich häufiger, am Frankfurter Torwart Kevin Trapp. Der 31-Jährige machte zehn Chancen des deutschen Meisters im Alleingang zunichte, er zeigte eine Weltklasse-Leistung, machte gewiss das beste Spiel seiner Karriere.

Die Eintracht erkämpfte sich den Dreier aber auch deshalb, weil sich die Spieler aufopferungsvoll in jeden Angriff warfen und sie ihre wenigen Offensivaktionen mutig und entschlossen zu Ende spielten. »Ich freue mich mega«, sagte Trainer Oliver Glasner nach seinem ersten Sieg in München. »Riesenkompliment an die Mannschaft, es hat alles zusammengepasst.« Dass der 47-Jährige überhaupt noch ein Interview geben konnte, war die nächste Überraschung: Mehr Einsatz mit den Stimmbändern geht kaum. Die Heiserkeit, sagte der Österreicher augenzwinkernd, werde wohl erst morgen einsetzen.

Sein Landsmann Hinteregger war es, der das Team nach seinem Missgeschick vor dem 0:1 postwendend auch wieder ins Spiel brachte, einen Eckstoß von Filip Kostic wuchtete er per Kopf in die Maschen (32.). Sein erster Saisontreffer, ein eminent wichtiger. Kostic aber war es, der die Ecke mit einem beherzten Einsteigen gegen Dayot Upamecano herausgeholt hatte. Die Eintracht hatte den Bayern-Verteidiger als Schwachstelle ausgemacht, Kostic zeigte dem französischen Neuzugang die Grenzen auf. Der 28-Jährige spielte im Konzept von Trainer Glasner ohnehin die entscheidende Rolle. Der serbische Nationalspieler war als der Akteur auserkoren, der den Bayern mit seiner Schnelligkeit, Dynamik und Zweikampfstärke wehtun sollte. »Er ist nicht nur schnell, sondern auch clever im Zweikampf«, urteilte Coach Glasner.

Ein Plan, der komplett aufging. Der 28-Jährige spielte daher nicht, wie gewohnt, am linken Flügel, sondern in der Halbposition hinter der einzigen Spitze Rafael Borré. »Wir haben für Filip eine andere Position gefunden«, bestätigte Hinteregger. »Wir brauchten einen richtig guten Umschaltspieler, da war Filip Gold wert.«

Kostic war es auch, der fast das 2:1 vorbereitet hätte (45.), nachdem Almamy Touré schon eine Riesenchance ausgelassen hatte und alleine vor Nationaltorwart Manuel Neuer scheiterte (42.). Und natürlich war es Kostic, der die Eintracht in den siebten Himmel schoss. In der Schlussphase wurde er vom starken Djibril Sow freigespielt und zimmerte die Kugel mit seinem überragenden linken Fuß unter Neuer hinweg ins lange Eck zum Siegtreffer (83.). Der Bayern-Schlussmann sah da denkbar schlecht aus. »Es war das klassische Kostic-Tor«, sagte der Münchner Trainer Julian Nagelsmann. »Solche Tore schießt er ständig.« Sehr gerne auch gegen RB Leipzig - unter Coach Nagelsmann. Die Eintracht hatte das Glück des Tüchtigen. Ihr Plan, mit einer Fünferkette sehr defensiv zu agieren, ging auf.

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