Treffsicher: Andre Silva (l.) feiert mit Sebastian Rode die 1:0-Führung der Eintracht. DPA
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Treffsicher: Andre Silva (l.) feiert mit Sebastian Rode die 1:0-Führung der Eintracht. DPA

Kostic macht den Deckel drauf

  • vonred Redaktion
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Eintracht Frankfurt steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Die Hessen setzen sich gegen RB Leipzig mit 3:1 (1:0) durch. Filip Kostic ist der herausragende Spieler. Die Fans träumen schon vom Finale in Berlin.

Franco Lionti, Zeugwart, gute Seele und manchmal auch Kummerkasten, hatte in den richtigen Trikotkoffer gegriffen und die Jerseys in Blütenweiß herausgezogen. Fußballer sind ganz schön abergläubisch. Also entschied sich die Frankfurter Eintracht im ersten Pokalheimspiel nach zwei Jahren dafür, in den weißen Glückshemden anzutreten, in denen sie in der ersten Runde bei Drittligisten Waldhof Mannheim bestand (5:3) und in der zweiten den Zweitligisten FC St. Pauli aus dem Wettbewerb kegelte (2:1). Normalerweise tritt die Eintracht zu Hause in den eher schwarz gehaltenen Trikots an, aber um dem Favoriten aus Leipzig beizukommen, müssen halt manchmal andere Kniffe her.

Und, siehe da, die weiße Pracht sollte helfen, am Ende eines spannenden und intensiven Spiels zogen die leidenschaftlich kämpfenden Frankfurter durch einen verdienten 3:1 (1:0)-Erfolg ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein, das am Sonntag um 18 Uhr ausgelost und am 3. sowie 4. März ausgespielt wird. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", skandierten die euphorisierten Fans minutenlang. Nach einem Jahr Auszeit ist der Pokalsieger von 2018 ziemlich heiß auf eine Neuauflage in der Kapitale.

Die Eintracht hat RB damit binnen zehn Tagen die zweite Niederlage beigebracht, mit insgesamt 5:1 Toren. Überragender Mann war Filip Kostic, der seine Mannschaft mit zwei Toren in die nächste Runde schoss. "Er hat sich eine neue Espresso-Maschine gekauft, seitdem läuft’s bei ihm", kalauerte Keeper Kevin Trapp und fügte ernsthaft anerkennend an: "Filip ist eine Maschine." In der Tat.

Die Eintracht hatte sich den Sieg durch eine hingebungsvolle Darbietung verdient. "Wir haben unheimlich gut gebissen", sagte Sportvorstand Fredi Bobic. "Große Spiele passen sehr gut zu uns." Und der emsige Mijat Gacinovic befand: "Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, dass nur wir heute weiterkommen wollen." Ähnlich sah es der gute Schlussmann Trapp: "Das war mannschaftlich, fußballerisch und in der Verteidigung gut, wir haben uns mehr zugetraut."

Trainer Adi Hütter hatte seine Mannschaft im Vergleich zum windigen Auftritt mit diesem glücklichen Remis in letzter Sekunde bei Fortuna Düsseldorf dezent umgekrempelt. Vor allem aber, und das war sehr viel wichtiger, zeigte die Eintracht ein ganz anderes Gesicht, eine andere Einstellung als in Düsseldorf. Den Spielern war kein Weg zu weit, sie attackierten die Sachsen mutig. Auch fußballerisch präsentierten sich die Platzherren gegen enttäuschende Gäste deutlich verbessert, trauten sich einiges zu, der Wille, Fußball zu spielen und nicht nur zu arbeiten, war klar zu erkennen.

Das lag auch daran, dass Hütter mehr spielstarke Kicker in die Mannschaft beordert hatte. Stratege Hasebe lenkte das Spiel aus der Defensive heraus, auch wenn er sich zu Beginn einen haarsträubenden Fehler erlaubte, der Torwart Kevin Trapp zu einer Glanztat gegen den frei stehenden Patrik Schick zwang (10.). Auch Gacinovic ist ja eher ein offensiver Akteur und machte ein ordentliches Spiel (von einer peinlichen Schwalbe mal abgesehen), zudem zeigte sich Sebastian Rode formverbessert, Kostic drehte mächtig auf, und vorne machte André Silva gewiss sein bestes Spiel im Eintracht-Dress. Der Portugiese war spielfreudig, engagiert, ließ sich auch mal fallen - und Elfmeter schießen kann er auch. Nach 17 Minuten trat er vom Punkt an, weil Marcel Halstenberg die Kugel mit dem Arm touchiert und damit ihre Flugbahn verändert hatte - was Schiedsrichter Felix Brych auch erkannte, nachdem er sich am Spielfeldrand die Bilder angesehen hatte. Silva, eiskalt, verlud den Leipziger Pokaltorwart Yvon Mvogo.

Die Frankfurter blieben am Drücker, ließen die roten Bullen kaum mal zur Entfaltung kommen. Und sie stellten die Weichen direkt nach der Pause auf Sieg, nach einem schnellen Konter über Evan Ndicka und Rode zog der schnelle Kostic auf und davon, kam zwar noch ins Straucheln, spielte beim Abschluss aber seine ganze Klasse aus und vollendete mit links (51.).

Erst als Trainer Julian Nagelsmann Nationalstürmer Timo Werner aufs Feld schickte (61.), war mehr Zug im RB-Spiel, Dani Olmo erzielte prompt den 1:2-Anschlusstreffer (69.). Weil die Frankfurter in Person von Martin Hinteregger die Vorentscheidung verpassten (72.), mussten sie noch weiter zittern. Hinteregger war es auf der anderen Seite auch, der einen Schuss von Christopher Nkunku zur Ecke blockte (79.). Und dann, in der fünften Minute der Nachspielzeit, war es Kostic vorbehalten, den Deckel draufzumachen auf dieses heiße Duell.

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