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Koch demontiert sich selbst

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_1SPOHSPORT12-B_124102_1_4c © DPA Deutsche Presseagentur

Der turbulente DFB- Bundestag wählt Bernd Neuendorf zum neuen Präsident und verweigert dem bisherigen Vize Rainer Koch völlig überraschend die Gefolgschaft.

Es gab einen peinlichen Tiefpunkt des an Tiefpunkten zuletzt reichen Deutschen Fußball-Bundes beim mit Spannung erwarteten DFB-Bundestag am Freitag in Bonn. Rainer Koch beschwerte sich in einer überflüssigen Rede darüber, dass die Hessin Silke Sinning doch tatsächlich gewagt hatte, gegen ihn anzutreten. Er bitte diejenigen Delegierten, die bereit seien, ihn zu unterstützen, um ihre Stimme und diejenigen, die das nicht möchten, »sich nicht an der Wahl zu beteiligen«. So viel zum Demokratieverständnis des bayerischen Verbandschefs, dem der Beifall vom Profilager komplett verweigert wurde. Und der dann auch - geradezu sensationell - keine Unterstützung aus den Amateurverbänden mehr erhielt. Mit 163:68 Stimmen siegte die krasse Außenseiterin Sinning. Koch hatte sich verzockt.

Zuvor war wie erwartet Bernd Neuendorf zum neuen DFB-Präsidenten gewählt worden: Mit der deutlichen Mehrheit von 193 der 250 abgegebenen Stimmen nimmt der Quereinsteiger den Schleudersitz des in Endlosschleife kriselnden Verbandes ein. Der 60-Jährige feierte einen Heimsieg in der Kampfabstimmung gegen einen tapferen, aber zu blassen Herausforderer Peter Peters, den sogar viele Delegierte aus dem Profilager die Gefolgschaft verweigerten.

Neuendorf sprach von einem »überwältigen Ergebnis«. Die Menschen seien es leid, »im Zusammenhang mit dem DFB nur von Machtkämpfen, Streitereien und Razzien zu hören«. Der ehemalige Journalist und NRW-Staatssekretär will, »dass dieser Verband wieder zur Ruhe kommt«. Er will dafür sorgen, »dass mehr Frauen, mehr junge Menschen und mit Einwanderungsgeschichte« im DFB tätig werden. Und auch die politischen Fäden will er wieder zusammenbinden: »Wir hatten keine Zugänge mehr.«

Grunwald neuer Schatzmeister

Mit Neuendorf bekam auch der Unternehmensberater Stephan Grunwald das Mandat als Schatzmeister übertragen, zudem rückt Heike Ullrich zur Generalsekretärin auf, der trotz ihrer schwachen Rede eine Schlüsselrolle für mehr Harmonie im Zusammenspiel mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zukommt, um das derzeit noch dysfunktionale System aufzulösen. Ebenfalls neu im DFB-Präsidium ist Ex-Nationalspielerin Celia Sasic.

Der neue Liga-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Watzke fand klare Worte für den Ist-Zustand: »Wir müssen die Kräfte bündeln und sie uns nicht gegenseitig zerstören. Das Erscheinungsbild ist nicht gut. Und da sind auch Fehler gemacht worden. Daran ist aber nie eine Person alleine schuld.« Damit verteidigte er jenen Multifunktionär, der als Quell vielen Übels angesehen wird: Koch.

Der anfangs durch die Mammutveranstaltung führende Jurist schaffte es, selbst heikle Satzungsänderungen ohne jede Aussprache durchzupeitschen, ehe er nach seiner Abwahl völlig demoralisiert in einer Ecke hockte. So wird beispielsweise der Vergütungsausschuss, der bislang die Bezahlung der Spitzenkräfte geregelt hatte, einfach entmachtet. Unklar, ob dafür wirklich ein transparentes Entschädigungsmodell installiert wird. Koch wehrte sich auch wortreich gegen das Bild, dass der DFB im Dauerchaos versinke. Das meiste sei doch »gut und objektiv einwandfrei« abgelaufen, behauptete der 63-Jährige und zählte Selbstverständlichkeiten auf - etwa den Stabwechsel bei der A-Nationalmannschaft oder den Neubau des DFB-Campus. »Die Arbeit im DFB ist viel besser als ihr medialer Ruf.« Immerhin rang Koch sich noch eine winzige Portion Selbstkritik ab: »Natürlich wurden auch Fehler gemacht, mich eingeschlossen.« Peters hatte in seiner Bewerbungsrede angemerkt, dass »es nicht nur an den Medien und den Behörden liegt, dass der DFB ein schlechtes Image hat«.

Der Vertrauensverlust des Dachverbands für mehr als sieben Millionen Mitglieder ist immens, mit der Abwahl der Reizfigur Koch aus dem Präsidium ist aber die Chance für einen Neuanfang größer geworden. Gerd Thomas, Vorsitzender des Berliner Fußballvereins FC Internationale, hatte vor dem Bundestag pointiert festgehalten: »Der Fußball ist inzwischen das Schmuddelkind der Gesellschaft.« Vorgeworfen wird dem Verband durch den engagierten Amateurfunktionär, »die Basis nur alibimäßig zu hören«.

Rote Karte für Schröder

Der scheidende Schatzmeister Stephan Osnabrügge hielt dem entgegen, dass die Landesverbände in der Pandemie breite Unterstützung erfahren hätten. Der 51-Jährige wetterte ansonsten in seiner Abschiedsrede vehement gegen »Zerstörungswut und Hetzartikel«. Seine These: »Dieser DFB ist kein Hort des Bösen oder der Unfähigkeit.«

Und so wirkte letztlich am wenigsten umstritten, dass kurzfristig noch ein politischer Tagesordnungspunkt eingeschoben wurde: Der Widerruf der Ehrenmitgliedschaft für den Altkanzler Gerhard Schröder, weil dieser sich nicht klar gegen den Angriffskrieg Russlands positioniert hat. Ohne Gegenstimme ging der Antrag sofort durch, jenem Bundeskanzler a.D. symbolisch die Rote Karte zu zeigen, für den der neue DFB-Präsident in dessen Zeiten als SPD-Vorsitzender als Sprecher tätig war.

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