imago1003374591h_020721_4c_1
+
Die Ausreißer Roger Kluge (vorne) und Greg van Avermaet werden gleich vom heranbrausenden Feld geschluckt.

Kluges Flucht nicht belohnt

  • VonSID
    schließen

Sprinter Mark Cavendish blüht im Herbst seiner Karriere auf. Bei der Tour de France feierte der Brite seinen zweiten Etappensieg. Der Rekord von Eddy Merckx ist zum Greifen nah. Roger Kluge überzeugte als Ausreißer.

Mark Cavendish grinste schelmisch, als sein Widerstand gegen den unausweichlichen Vergleich mit dem großen Eddy Merckx bröckelte. »Sag den Namen nicht, sag den Namen nicht«, forderte der beste Sprinter der 108. Tour de France im Siegerinterview der sechsten Etappe noch kurz - um sich dann doch zum greifbar nahen Rekord der belgischen Tour-Ikone zu äußern. »Ich schaue nicht darauf«, sagte Cavendish: »Dafür arbeiten Leute ihr ganzes Leben. Wenn ich noch 50 gewinne, dann mache ich das, wenn ich gut genug dafür bin. Wenn nicht, dann nicht.« Seit Donnerstag steht sein Tour-Etappen-Konto bei 32. Es war bereits sein zweiter Etappensieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Zum Rekord von Merckx fehlen dem Briten nur noch zwei Erfolge.

Im Massensprint der 160,6 km langen Etappe von Tours nach Chateauroux verwies der 36-Jährige Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Fenix) und Nacer Bouhanni (Frankreich/Arkea-Samsic) auf die Plätze. Max Walscheid (Neuwied/Qhubeka Nexthash) belegte als bester Deutscher den 13. Rang, Andre Greipel (Rostock/ISN) kam auf Platz 23. Das Gelbe Trikot trägt weiter der Niederländer Mathieu van der Poel (Alpecin-Fenix).

In Chateauroux hatte Cavendish 2008 seine Erfolgsgeschichte bei der Frankreich-Rundfahrt begonnen. Auch 2011 siegte er hier. Am Donnerstag schlug der Brite nach einem erneut souveränen Sprinterfolg mit 70,5 km/h ungläubig die Hände auf den Helm.

Roger Kluge hatte alle leisen Hoffnungen 2,5 km vor dem Ziel begraben müssen, als eine 125 km lange Flucht des 35-Jährigen scheiterte. Zwei deutsche Fahrer, die sportlich bislang eine Nebenrolle gespielt hatten, machten schon zu Beginn kurzzeitig auf sich aufmerksam. Nils Politt (Köln/Bora-hansgrohe) und Georg Zimmermann (Augsburg/Intermarche-Wanty-Gobert) schafften den Sprung in die erste Fluchtgruppe des Tages.

Mit einem Schnitt von über 50 km/h in der ersten Stunde musste das Duo an der Seite von Fahrern wie Ausreißerkönig Thomas De Gendt (Lotto-Soudal) und Olympiasieger Greg Van Avermaet (AG2R/beide Belgien) allerdings hart gegen den Widerstand des Hauptfeldes kämpfen - und verlor.

Die Flucht scheiterte. Letztlich hielt sich nur Van Avermaet an der Spitze. Der deutsche Olympiastarter Kluge (Lotto-Soudal), der in Tokio auf der Bahn im Omnium und Madison um eine Medaille kämpfen will, schaffte als Solist den Anschluss an den Ausreißer. Gemeinsam bestimmte das Duo lange das Geschehen. Der Vorsprung wurde aber nie größer als zwei Minuten.

Kluges lange Fahrt ins Rampenlicht war dabei aus der Not geboren. Eigentlich hatte der Brandenburger auf der Flach-etappe den Sprint für seinen Kapitän Caleb Ewan vorbereiten wollen. Die Rundfahrt ist für »Pocket Rocket« nach einem schweren Sturz auf der dritten Etappe aber vorzeitig beendet. «

Kluge suchte sich also eine neue Herausforderung, die aber das erwartbare Ende fand: Das heraneilende Hauptfeld stellte den 35-Jährigen knapp drei Kilometer vor dem Ziel und läutete das Etappenfinale ein. »Am Ende auf diesen Straßen mit zwei, drei kleinen Kurven hat man gegen das Feld keine Chance. Das weiß man auch. Aber das ist die Tour. Man versucht es trotzdem. Ich bin noch nie so weit gekommen, wenn es um den Sieg ging«, sagte Kluge.

Die Sprinterzüge formierten sich, die schnellsten Fahrer im Feld wurden in Position gebracht - dann kämpften sie Mann gegen Mann um den Sieg. Greipel fand nicht das passende Hinterrad und war chancenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare