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Thomas Tuchel (r.) wird mit Chelsea heute bei Jürgen Klopp und dem FC Liverpool vorstellig ARCHIVFOTO: DPA

Klopp vs. Tuchel

(sid). Jürgen Klopp wusste gleich, dass ihm sein alter Bekannter lästig werden könnte. »Leider ist er ein wirklich guter Trainer«, sagte Liverpools Meistermacher im Januar, als der Wechsel von Thomas Tuchel zum FC Chelsea perfekt war: »Ich kenne ihn schon lange und respektiere ihn sehr.«

Damals war für die Reds die Titelverteidigung noch in Reichweite, während Chelsea auf Rang neun herumdümpelte. Rund einen Monat später, vor dem ersten Aufeinandertreffen zwischen Klopp und Tuchel in der Premier League am Donnerstag (21.15 Uhr/Sky), hat sich der Wind gedreht.

»Der Auftrag ist klar, wir müssen so viele Spiele wie möglich gewinnen«, sagte Klopp am Mittwoch. Doch Tuchel hat den Blues im Eiltempo neues Leben eingehaucht und ist nach neun Partien noch ungeschlagen. »Wir haben Selbstvertrauen, wir sind in guter Form und haben alles, was es braucht, um gegen jeden Gegner gewinnen zu können«, sagte Tuchel, der Klopp »eindeutig« als einen der besten Trainer der Welt ansieht.

Nach vier Liga-Niederlagen in Serie gelang nun immerhin der Trendumschwung mit einem Sieg bei Sheffield United. Aber Klopp und Co. müssen arg kämpfen, um nicht die Champions-League-Plätze zu verpassen. Liverpool ist aktuell Sechster mit 43 Punkten direkt hinter Chelsea (44). West Ham United belegt den begehrten vierten Rang (45).

Eine Saison ohne Königsklasse wäre ein herber Rückschlag für den Klub. Die aktuelle Tabelle zeigt jetzt aber 22 Punkte Rückstand des Meisters auf Tabellenführer Manchester City um Pep Guardiola an, das schmerzt. Doch es gibt Gründe, unter anderem das große Verletzungspech. Und Klopp gibt sich kämpferisch. »Bei allen Problemen, die wir hatten, sind wir immer noch in Schlagdistanz zu den spannenden Tabellenplätzen«, sagte der frühere Coach des FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund.

Bei beiden Klubs folgte Tuchel auf den Menschenfänger Klopp. Beim BVB gelang es ihm trotz des DFB-Pokalsiegs 2017 nicht, die großen Fußstapfen des prominenten Vorgängers zu füllen. Danach ging der mittlerweile 47-Jährige seinen eigenen Weg und kam nach zwei Meistertiteln mit Paris St. Germain nach London. Auf der Insel kommt Tuchel an, nicht allein bei den Fans der Blues. »Ich mag diesen Chelsea-Trainer«, schrieb der frühere Oasis-Sänger Liam Gallagher zuletzt, er ist eigentlich ein großer Anhänger von Manchester City.

Tuchels geschliffenes Englisch macht Eindruck, noch viel mehr aber die neuen Spielprinzipien, die defensive Disziplin, die er seinem Team mit den deutschen Nationalspielern Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner vermittelt hat. »Einige Werte trage ich permanent in mir und bei einigen Methoden verändert man sich und passt sie an«, sagte Tuchel, der sich weiterentwickeln will: »Ich möchte meine Rolle spielen, und ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Ich fühle mich im Moment sehr gut und hoffe, dass es so bleibt.«

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