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Kleine Bühne, große Geste

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Joachim Löw schaut heute Abend noch einmal kurz beim Nationalteam zwecks offizieller Verabschiedung vorbei. DPA © DPA Deutsche Presseagentur

(sid). In Wolfsburg. Gegen Liechtenstein. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Nach seinem pompösen Treffen im Schloss Bellevue mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet Joachim Löw bei seiner offiziellen Verabschiedung von der Nationalmannschaft ein Kontrastprogramm. Doch trotz des eher bescheidenen Rahmens soll der Weltmeister-Trainer »mit einem Fußball-Fest gebührend verabschiedet« werden, wie sein Nachfolger Hansi Flick hofft, »das hat er verdient«.

Löw wird beim sportlich unbedeutenden WM-Qualifikationsspiel am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in der Autostadt unmittelbar vor dem Abspielen der Nationalhymnen geehrt. Spieler, Trainer, Betreuer und andere Weggefährten aus 17 Jahren im DFB-Team werden ihm Spalier stehen.

Auf den Leinwänden soll ein emotionaler Film laufen - angeblich ohne staatstragende Klänge. »Die richtige Musik ist der Applaus von den Fans«, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: »Ich glaube, das ist das Schönste, was er dann hören will.«

Die VfL-Arena ist mit 26 000 Zuschauern ausverkauft, wobei ein bisschen nachgeholfen werden musste. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein Ausrüster Adidas verschenken beim letzten Heimspiel des Jahres an jeden Stadionbesucher ein DFB-Trikot der Größe L.

Dass manche in der Aktion auch eine Art Verzweiflung sehen, das verhältnismäßig kleine Stadion überhaupt voll zu bekommen, wissen sie beim DFB. Aber es gebe »kein Spiel und kein Stadion, das die angemessene Bühne darstellen würde, um so einen erfolgreichen Trainer zu verabschieden«, sagte Rio-Weltmeister Benedikt Höwedes, inzwischen Bierhoffs Assistent im Teammanagement der Nationalmannschaft.

Auch Bierhoff selbst wehrte sich gegen den Vorwurf, der beste Zeitpunkt für eine Verabschiedung von Löw und dessen Assistenten Andreas Köpke und Thomas Schneider sei verschlafen worden. Man habe den Neustart von Flick nicht überlagern und Löw den selbst gewollten Abstand geben wollen. Zudem seien die Ränge coronabedingt im Spätsommer noch nicht voll gewesen.

Flick freut sich jedenfalls, seinem Vorgänger nun die Ehre erweisen zu dürfen. »Er ist der beste Bundestrainer, den wir hatten«, meinte der einstige Löw-Assistent, der seinem Ex-Chef noch immer dankbar ist: »Mein Leben wäre anders verlaufen, wenn er mich damals nicht angerufen hätte.«

Bereits vor einer Woche hatte sich Rekord-Bundestrainer Löw (198 Spiele, 124 Siege) bei einem gemeinsamen Mittagessen mit dem Bundespräsidenten warme Abschiedsworte abgeholt. Der 61-Jährige sei ein »Erneuerer und Visionär«, der »Historisches für den deutschen Fußball« geleistet und sich »um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und das Ansehen unseres Landes in der Welt« verdient gemacht habe, sagte Steinmeier.

Auch »Kaiser« Franz Beckenbauer lobte Löw vor dessen Verabschiedung in den Himmel. »Der Jogi«, sagte Beckenbauer in der »Sport Bild«, »hat den schönen Fußball repräsentiert.« Und Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann schwärmte: »Überall redet man voller Hochachtung über die Entwicklung des deutschen Fußballs - und das ist vor allem sein Verdienst.« Die beiden letzten Turnier-Pleiten und die bleierne Endphase in der Löw-Ära werden wohlwollend verschwiegen.

Der Corona-Fall am Montag um den positiv getesteten Niklas Süle und die in Quarantäne geschickten Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Jamal Musiala und Karim Adeyemi soll die Zeremonie am Donnerstag nicht beeinflussen. Jeder geladene Gast werde »natürlich getestet« und sei »auch geimpft«, verriet Bierhoff.

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