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Amsterdams Daley Blind jubelt nach seinem 2:0, Dortmunds Keeper Gregor Kobel ist geschlagen, Marco Reus und Manuel Akanji sind nur Nebendarsteller.

Klatsche für Dortmund

(sid). Borussia Dortmund hat im sagenhaften Angriffszauber von Ajax Amsterdam eine historische Abreibung kassiert. Der BVB war im Matchballspiel für das Champions-League-Achtelfinale staunender Zuschauer einer Lehrstunde in modernem Powerfußball und ging beim Rekordmeister der Niederlande chancenlos mit 0:4 (0:2) unter. Es war die höchste Dortmunder Niederlage in der Königsklasse.

Kapitän Marco Reus unterlief ein Eigentor per Kopf (11.) - und danach ging es erst richtig los. Mit dem legendären »totaalvoetbal« früherer Tage legte Ajax eine der brillantesten Halbzeiten hin, die der europäische Fußball auf diesem Niveau in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Dass es bis zur Pause beim 2:0 durch Daley Blind (25.) blieb, war angesichts von acht Riesenchancen in der höllisch lauten Johan-Cruijff-Arena pures Glück. Antony (57.) und der frühere Frankfurter Sebastien Haller (72.) legten nach. Ryan Gravenberch (42.) traf für Ajax den Pfosten, Erling Haaland (48.) für den überforderten BVB die Querlatte.

Zwei spielerisch brillante Mannschaften, die stürmisch aufeinander losgehen - da hatte BVB-Trainer Marco Rose die Befürchtung getrieben, es könne zu wild werden. »Der Schlagabtausch darf nicht ausarten«, forderte er deshalb. Es wurde keiner, denn die Dortmunder hingen in den Seilen und schlugen nicht zurück.

Diesig war es und drückend, der Kirmestechno dröhnte, die Ajax-Fans zündeten ein riesiges Feuerwerk: Die Stimmung der 55 000 Fans beider Seiten war überragend. Das Spiel wurde dem Rahmen gerecht, der BVB wankte im Ringen um Dominanz und Ballbesitz aber unter Hochdruck. Erst rettete Mats Hummels mit einer Grätsche gegen Antony (9.), dann vergab Blind (10.) eine weitere Chance - und die dritte war drin. Nach einem Freistoß rutschte Reus der Ball über den Kopf ins eigene Tor. Auf der Gegenseite fanden die Zuspiele nicht ihr Ziel: Reus beispielsweise schlitterte an einer Haaland-Hereingabe knapp vorbei (18.). Durch den Ajax-Ansturm ergaben sich Räume für Gegenstöße, andererseits schien der Wirbel des Gegners zu schnell für die BVB Abwehr zu sein: Nach perfekter Ablage Hallers traf Blind.

Ajax hatte den BVB förmlich im Schwitzkasten. Doppelpässe, Traumkombinationen: Die Dortmunder kamen bei den Chancen von Steven Berghuis, Haller, Gravenberch oder Noussair Mazraoui überhaupt nicht mehr mit.

Haalands Konter-Abschluss kurz nach der Pause hätte ein Wendepunkt sein können, doch Remko Pasveer lenkte den Ball an die Latte. Ajax stürmte glänzend über die Außenpositionen, der Dortmunder Torhüter Gregor Kobel leistete unter anderem gegen Gravenberch (49.) Schwerstarbeit. Rose strafte Donyell Malen, einst bei Ajax, vor dem dritten Gegentor mit der frühen Auswechslung ab. Haaland verpasste den Ehrentreffer (67.). Für den BVB geht es am 3. November mit dem Heimspiel gegen Ajax weiter. Weitere Gegner sind Sporting Lissabon und Besiktas Istanbul.

Amsterdam: Pasveer - Mazraoui (83. Rensch), Timber, Martínez, Blind - Alvares, Gravenberch - Antony (76. Neres), Tadic, Berghuis (69. Klaassen) - Haller (83. Daramy).

Dortmund: Kobel - Meunier (79. Wolf), Akanji, Hummels (79. Pongracic), Schulz (46. Can) - Witsel - Bellingham, Brandt (88. Knauff) - Reus, Haaland, Malen (53. Hazard).

Im Stenogramm: SR: Manzano (Spanien). - Zuschauer: 55 000. - Tore: 1:0 Reus (11./Eigentor), 2:0 Blind (25.), 3:0 Antony (57.), 4:0 Haller (72.).

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