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18 Tore hat bislang Frankfurts Top-Torjäger André Silva erzielt, am Wochenende will die Eintracht auch den FC Bayern München in die Schranken weisen.

Klare Mission für Eintracht Frankfurt

  • vonRedaktion
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Das Selbstbewusstsein wächst, die Frankfurter Eintracht gehört derzeit zu den Top-Teams der Liga. Und mit breiter Brust erwarten die Hessen am Samstag den FC Bayern.

Wer sich dieser Tage ein wenig im Umfeld von Eintracht Frankfurt umhört, bei den Fans, bei den Spielern, auch bei den Klubverantwortlichen, der bekommt ein Gefühl der ungläubigen Freude vermittelt. Die Eintracht auf Rang drei der Fußball-Bundesliga nach bald zwei Dritteln der Saison, vor Dortmund, Gladbach und Leverkusen, vor Bremen, Stuttgart und der Hertha sowieso. Die erfolgreichste Mannschaft des Kalenderjahres, 22 von 24 möglichen Punkten 2021 geholt, der fußballerischen Mittelklasse momentan enteilt. Und ja, dieser Gefühlsmischmasch aus Glückselig- und Ungläubigkeit lässt die Brust bei den Beteiligten anschwellen wie nach einem Aufenthalt in der Muckibude. Wer sind bei diesem Lauf denn bitte die Bayern, fragen sie im übertragenen Sinne. Nicht überheblich soll das wirken, nur selbstbewusst.

Denn natürlich wissen sie auch in Frankfurt, dass die Bayern nicht erst seit ein paar Wochen und Monaten ihren Bizeps fleißig aufpumpen, sondern schon seit vielen, vielen Jahren. Doch lange nicht mehr wähnten sie sich bei der Eintracht vor einem Duell mit dem deutschen Rekordmeister leistungsmäßig so nah dran an den Bajuwaren. Nicht auf Augenhöhe, klar, aber doch in Sichtweite. Unabhängig davon, dass es am kommenden Samstag gegen den amtierender Deutschen Meister, Pokalsieger und Supercup-Gewinner geht, der auch noch die Champions League, den UEFA-Supercup und zuletzt die Klub-WM für sich entschied.

Aber was soll’s? »Wir können sie schlagen«, findet Kapitän Makoto Hasebe, eigentlich ein Leisetreter. »Wir haben die Qualität«, ergänzt Torwart Kevin Trapp, schon immer ein Stückchen selbstbewusster als der Rest der Truppe. Und Fredi Bobic, der Big Boss, will gar schon mal die Textilproduktion ankurbeln. »Vielleicht sind wir demnächst Weltpokalsiegerbesieger, dann können wir ein paar neue T-Shirts drucken.« Ein Scherz, wohlgemerkt. Seriös kann derweil aber festgestellt werden, dass die Eintracht aus Frankfurt derzeit die Mannschaft der Stunde in der deutschen Eliteliga ist. Daher wirkt es nicht übertrieben, wenn ihr Trainer Adi Hütter sagt: »Wir möchten ungeschlagen bleiben und freuen uns auf das Spiel gegen den FC Bayern München.« Kecke Ansagen. Das war nicht immer so, sogar fast nie.

Es ist wahrscheinlich, dass Hütter seine Spieler gegen den Favoriten aus München (In welchem Spiel sind die Bayern das eigentlich nicht?) mit all ihrer erlangten Breitbeinigkeit drauflosspielen lassen wird. Ein Mauern, das bloße Verteidigen, das dem Coach ja ohnehin nicht behagt, wird er sich auch gegen die Besten der Welt vermutlich verkneifen. Zumindest dürfte der Plan so aussehen. Ob die Idee dann auch tatsächlich verfängt, ist die andere, die kompliziertere Sache.

Der 51-jährige Trainer ist bekanntlich kein Freund von allzu vielen Wechseln. In Zeiten des Misserfolgs nicht, da gewährt er wackelnden Profis gerne auch mal eine dritte oder vierte Chance, und in jenen des Erfolgs natürlich noch viel weniger. Stichwort: Vertrauen. Das praktizierte 3-4-2-1-System scheint momentan wie maßgeschneidert für die Hütter-Elf zu sein, die Rädchen greifen ineinander, nicht nur offensiv, sondern auch defensiv, wo spürbar mehr Stabilität Einzug gehalten hat. Selbst begabten Profis wie Sebastian Rode oder Luka Jovic fällt es momentan schwer, ins Team zu kommen. Und wenn sie dann randürfen, so wie für die finale halbe Stunde beim 2:0 gegen Köln, wird es im Gesamten nicht unbedingt besser als vorher. Rode zum Beispiel, bis vor Weihnachten im Grunde nicht wegzudenken aus der Frankfurter Formation, weil er bis dahin der beste Fußballer im arg hölzern auftretenden Mittelfeldzentrum war, hinkt zurzeit sichtbar hinterher. Dem 30-Jährigen fehlt der Spielrhythmus, Passgenauigkeit und -schärfe könnten besser sein. Seit dem 19. Dezember, seit dem Auftakt der Erfolgsserie in Augsburg, durfte er in der Liga nicht mehr von Anfang an ran. Makoto Hasebe und Djibril Sow haben ihm den Rang abgelaufen. Und Rode, der niemals ob seiner Reservistenrolle stänkern würde und derzeit auch kaum stichhaltige Argumente hätte, muss sich also reinkämpfen.

Nicht in der Startelf wird auch gegen den FC Bayern wohl erneut Luka Jovic stehen. Der ausgeliehene Torjäger aus Madrid muss sich weiter hinten anstellen. Körperliche Defizite führte Hütter bei Fragen zum Serben bisher meist an, langsam dürften diese aber aufgearbeitet sein. Viel eher sieht der Trainer momentan keinen Anlass dafür, am erfolgreichen System zu rütteln.

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