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Fritz Keller hat Rainer Koch (l.) mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Forderungen nach der Absetzung Kellers als DFB-Präsident werden immer lauter.

Keller gewaltig unter Druck

  • VonSID
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(sid). Das Aus für Fritz Keller wurde in den vergangenen Wochen zwar schon häufig prophezeit, doch exakt 19 Monate nach seinem Amtsantritt ist die Luft für den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) so dünn wie nie zuvor. Als Folge seiner verbalen Entgleisung stehen hinter einer weiteren Zusammenarbeit an der ohnehin heillos zerstritten Verbandsspitze immer größere Fragezeichen.

Durch seinen Nazi-Vergleich gilt Keller als kaum noch tragbar, der Druck auf den 64-Jährigen wächst - erste Verbände und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) rücken von ihm ab.

»Wir distanzieren uns deutlich und in aller Form von der Äußerung und der Wortwahl, die DFB-Präsident Fritz Keller in Richtung von DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch im Rahmen der Präsidiumssitzung am 23. April getätigt hat«, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der DFL-Vertreter im DFB-Präsidium: »Eine solche Äußerung ist absolut inakzeptabel.«

Bereits vorher wurde Keller vom Präsidium des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) indirekt der Rücktritt nahegelegt. »Fritz Keller disqualifiziert sich, er vertieft so weiter die Gräben und betreibt Polarisierung«, teilte der BFV nach einer Videokonferenz ohne seinen Präsidenten Koch am Dienstag mit: »Mit einem derartigen Verhalten, das jedwede Grenzen überschreitet und nicht zu tolerieren ist, wird er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht.« Allerdings lehnt Keller, der seit Monaten im Mittelpunkt eines Machtkampfes an der Spitze des größten Einzelsportverbandes der Welt steht, eine Demission ab - was er mit einer Fußball-Metapher deutlich machte.

»In Zeiten gesellschaftlicher Zerrissenheit sollten wir uns als Fußballer nach meinem Foul die Hände reichen und ein gemeinsames Zeichen der Versöhnung geben«, sagte der DFB-Boss: »Ich freue mich, dass Rainer Koch zu gemeinsamen Gesprächen bereit ist.«

Keller gab zu, dass er »mit der Bemerkung in der Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag gegenüber meinem 1. Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch einen schwerwiegenden Fehler begangen« habe. »Ich ging davon aus, dass er meine Entschuldigung, um die ich ihn schriftlich und am Telefon gebeten habe, umgehend annehmen würde. Diese Einschätzung war, wie aus seiner gestrigen schriftlichen Antwort an mich hervorging, falsch«, erläuterte der DFB-Präsident: »Ich bedauere, dass nach meinem gestrigen Statement ein anderer Eindruck entstanden ist.«

Zuvor hatte Koch explizit der ursprünglichen Darstellung Kellers widersprochen, wonach er dessen Bitte um Verzeihung bereits nachgekommen sei. Koch ließ über den BFV auf SID-Anfrage vielmehr mitteilen, dass er die schriftliche Entschuldigung des Präsidenten »bislang nicht angenommen« habe, »weil er den gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Fritz Keller aufarbeiten möchte«. Laut der »Sport Bild« will Koch erst nach einem Treffen mit Keller am Wochenende bei einer Tagung der 21 Landesverbände in Potsdam entscheiden, ob er die Entschuldigung akzeptiert.

Keller hatte Koch laut übereinstimmenden Medienberichten mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Koch, im Hauptberuf selbst Richter, ist davon derart schwer getroffen, dass eine Annahme der Entschuldigung offen ist.

Der DFB bestätigte das Zitat Kellers in der »Bild«. »Insbesondere auch im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus war der Vergleich gänzlich unangebracht«, sagte Keller: »Ich bedauere dies sehr und werde meine Worte künftig weiser wählen.«

Ob Keller zukünftig überhaupt noch Worte als DFB-Chef wählen kann, erscheint fraglich. So reagierte das Präsidium des mächtigen Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV), dem unter anderem DFB-Vize Ronny Zimmermann angehört, mit »Entsetzen und völligem Unverständnis« auf »die Äußerungen und die Wortwahl« Kellers.

Sollte Keller doch noch das Handtuch werfen, wäre er der dritte Verbandsboss in Folge, der seinen Rücktritt erklärt. Vor Keller hatten bereits Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel vorzeitig ihren Posten verlassen.

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