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Der slowenische Tour-Sieger Tadej Pogacar ist schon am Montagnachmittag von Paris nach Tokio geflogen. Dort will er bei den Olympischen Spielen am Samstag Gold im Straßenrennen holen.

Keine Zeit zum Feiern

  • VonSID
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(sid). Als Tadej Pogacar am Morgen nach seiner Krönung zum jüngsten Zweifach-Champion der Tour-Geschichte in Paris aufwachte, saß Emanuel Buchmann bereits im Flieger nach Tokio. »Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken, da fliegt man einfach«, sagte Buchmann. Nach drei Wochen »Tour der Leiden« bleibt für viele Radprofis keine Gelegenheit zum Durchatmen - bereits am Samstag kommt es beim Straßenrennen in Tokio zum nächsten Showdown um Olympia-Medaillen.

Wunderkind Pogacar verzichtete auf den Terminstress unmittelbar nach der Schluss-etappe, er gönnte sich noch einen romantischen Abend mit Freundin Urska Zigart. Seinen historischen zweiten Triumph bei der Großen Schleife binnen 301 Tagen genoss der 22-Jährige am Sonntagabend am hell beleuchteten Eiffelturm. Es war einer der letzten Momente für den Tour-Dominator, um das Erreichte zu genießen und verarbeiten.

»Es ist nicht viel Zeit, sich auszuruhen«, bekräftigte Pogacar. Zudem sei es in Japan »sehr heiß«. Als der Slowene am Montag in der französischen Hauptstadt ins Flugzeug nach Japan stieg, war die Zielsetzung trotzdem ganz klar: »Ich will um Gold im Straßenrennen mitfahren«, sagte Pogacar, dem das anspruchsvolle Profil der 234 km langen Strecke mit fast 5000 Höhenmetern liegt. Sie ist fast ein Abbild des Ardennen-Klassikers Lüttich - Bastogne - Lüttich. Und der wurde in diesem Jahr von Pogacar gewonnen.

Ein Selbstläufer wird die Goldmedaille für den Favoriten aber nicht, die Konkurrenz ist namhaft und hungrig. Ganz besonders viel Hunger wird Pogacars Landsmann Primoz Roglic verspüren, der aufgrund von schweren Sturzfolgen die Frankreich-Rundfahrt bereits vorzeitig verlassen musste. Der Vuelta-Sieger und Tour-Zweite des vergangenen Jahres könnte dadurch zudem ein wenig frischer in Japan anreisen.

Deutsche schielen auf Edelmetall

Medaillenambitionen hegt auch der dreimalige Tour-Etappensieger Wout van Aert, der sich zum Abschluss am Sonntag den prestigeträchtigen Sieg auf den Champs-Élysées sicherte und seine starke Form (drei Tour-Tagessiege) nochmals untermauerte. Größen wie der Tour-Dritte Richard Carapaz aus Ecuador und Olympiasieger Greg van Avermaet aus Belgien gehören ebenfalls zum Favoritenkreis.

Und auch im deutschen Lager sind die Ansprüche riesig. »Ich fahre nach Tokio, um eine Medaille zu holen. Alles andere ist keine Option«, betonte Maximilian Schachmann, der bereits vergangene Woche nach Tokio gereist war, voller Selbstvertrauen. Der zweimalige Paris-Nizza-Sieger hatte auf die Tour verzichtet und sich in der Sierra Nevada intensiv auf die Spiele vorbereitet.

Sein Teamkollege Buchmann, der bei der Grand Boucle in ungewohnter Rolle als Helfer von Bora-Kapitän Wilco Kelderman überzeugte, schielt trotz der Qualen der vergangenen Wochen ebenfalls auf Edelmetall. »Ich rechne mir auch eine gewisse Chance aus«, sagte der 28-Jährige vor seiner zweiten Teilnahme an Olympischen Spielen dem ZDF: »Wenn man offensiv fährt, ist da was möglich.«

Unterdessen gibt es neue Zweifel an den herausragenden Leistungen Pogacars. Der französische Dopingjäger Antoine Vayer äußerte sich in der »Süddeutschen Zeitung« skeptisch. »Pogacar verbessert Rekorde, die fast 20 Jahre lang unantastbar blieben«, sagte der 58-Jährige. Die Tour 2021 erinnere ihn an die Tour 1999, als der inzwischen überführte Amerikaner Lance Armstrong erstmals triumphierte.

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