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Countdown läuft: Adi Hütter hat nur noch sechs Spiele als Eintracht-Trainer hinter sich zu bringen.

Keine nachvollziehbare Erklärung

  • VonRedaktion
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Die erste Pressekonferenz nach der Verkündung seines Abschieds hat Eintracht-Trainer Adi Hütter hinter sich gebracht. Die Öffentlichkeit ist danach nicht entscheidend schlauer.

Die Essenz der halbstündigen Pressekonferenz mit Adi Hütter lässt sich - ironisch angehaucht - auch wie folgt zusammenfassen: Ich bleibe ... dabei, dass ich im Sommer nach Mönchengladbach wechsele. Frei von Schalk, der wäre am Donnerstagmittag angesichts der turbulenten Entwicklung um den Trainer auch wirklich nicht angebracht gewesen, versuchte der Noch-Fußballlehrer des Bundesligisten Eintracht Frankfurt den 20 virtuell zugeschalteten Medienvertretern natürlich ernsthaft die Beweggründe für seinen Sommerwechsel an den Niederrhein zu erklären - es gelang ihm, nun ja, eher durchwachsen.

Für viele Außenstehende sei der Wechsel nicht verständlich, gestand der 51-Jährige selbst, vom Ligavierten zum -achten zu wechseln, ist rein tabellarisch nun mal ein Rückschritt. Da gibt es keine zwei Auffassungen. Jeder dürfe sich also seine eigene Meinung bilden, so Hütter, er könne auch jegliche Enttäuschung der Fans verstehen. Aber letztlich habe er das Recht, sich über seine eigene Zukunft Gedanken zu machen.

Hütter, der in Gladbach einen Dreijahresvertrag unterschrieb mit einem Gesamtgehaltsvolumen von etwa 15 Millionen Euro, hätte freilich noch anführen können, dass er mit der Eintracht so ziemlich das Maximum von dem erreicht hat, was möglich ist, wenn es denn tatsächlich am Saisonende für die erstmalige Qualifikation zur Champions League reichen sollte. Er hätte auch sagen können, dass es in der kommenden Runde eigentlich nur schlechter laufen könne für die Eintracht und er den Klub vom Main deshalb lieber auf dem Höhepunkt verlassen wollte. Und dass ihm im Gegenzug die etwas schwächelnde Gladbacher Borussia, der kommende Eintracht-Gegner am Samstag (15.30 Uhr), noch Raum für Steigerungen lässt. Tat er aber nicht.

Stattdessen führte der Coach an, dass seit seinem Ich-bleibe-Bekenntnis am 28. Februar viel passiert sei. In der Tat: Es sind natürlich ereignisreiche Wochen rund um den Klub. Sportdirektor weg, Sportvorstand weg, nun Trainer weg. »Die handelnden Personen, die mich geholt haben und mit denen ich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut habe, sind nicht mehr da«, schilderte der Österreicher und meinte vor allem den früheren Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing und Sportvorstand Fredi Bobic.

Deren Ausscheiden soll Hütter auch intern als einen Grund für seinen Wechsel angeführt haben. Dass Steubing bereits vor der Hütter’schen Vertragsverlängerung im vergangenen Sommer seinen Posten an Philip Holzer weitergegeben hatte, nun ja, sei’s drum. Ohnehin habe er stets innerhalb des Vereins alles kommuniziert, »alle haben immer Bescheid gewusst«. Kurzum: »Ich bin kein Lügner.«

Dass der Trainer, wie von ihm angeführt, bei seinem Statement am 28. Februar jedoch noch nichts von Bobics Abwanderungsgedanken gewusst haben will und sich auch dadurch die Situation geändert habe, passt nicht so ganz in die Kausalkette. Schließlich hatte der Vorstand bereits zweieinhalb Wochen vorher den Aufsichtsrat über sein Ansinnen informiert, den Klub bald verlassen zu wollen. Dass dies nicht bis zum leitenden Angestellten für Fußballbelange durchgedrungen sein soll: eher unwahrscheinlich. Ausgerechnet in der Woche vor dem direkten Duell der beiden in diesen Deal involvierten Teams kam die Nachricht nun also raus. Für Hütter »vielleicht nicht der ideale Zeitpunkt«, aber man könne trotzdem froh sein, »dass jetzt Klarheit geschaffen wurde«. Ob das alle bei Eintracht Frankfurt so sehen?

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