Faszination Skispringen: Karl Geiger möchte in Bischofshofen noch einmal angreifen, auch wenn er den Tournee-Sieg weitgehend abgehakt hat. FOTO: AFP
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Faszination Skispringen: Karl Geiger möchte in Bischofshofen noch einmal angreifen, auch wenn er den Tournee-Sieg weitgehend abgehakt hat. FOTO: AFP

Keine Hoffnung auf ein Wunder

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(sid). Der ganz große Ärger war bei Karl Geiger verraucht, als der deutsche Skisprung-Tross am Montagmorgen bei tristem Winterwetter Innsbruck und den vermaledeiten Bergisel in Richtung Bischofshofen verließ. Stattdessen hatte der Flug-Weltmeister seine Angriffslust wiederentdeckt. "Das wird zum Abschluss eine Hammer-Challenge", sagte der 27-Jährige mit Blick auf das Finale der 69. Vierschanzentournee: "Ich will mich da reinboxen und einen schönen Abschluss schaffen."

Zu knabbern habe er an diesem bitteren Sonntag in Innsbruck gehabt, als er mit dem ersten Sprung auf Platz 30 abstürzte und praktisch alle Chancen auf den ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald vor 19 Jahren verspielte. "Ich habe einfach nicht verstanden, was da passiert ist. Gefühlt habe ich mich gut, war im Wettkampfmodus - letztlich war es eine Verkettung ungünstiger Umstände", sagte Geiger, der dies am Ruhetag aber schon weitgehend abgehakt hatte: "Es ist eine bittere Pille, die ich einfach schlucken muss."

Vor dem vierten Springen am Mittwoch (16.45 Uhr), dem die Qualifikation heute (16.30 Uhr/beides ZDF und Eurosport) vorausgeht, liegt der 27-Jährige auf Gesamtplatz vier, der Rückstand auf den vor Titelverteidiger Dawid Kubacki führenden Polen Kamil Stoch beträgt umgerechnet 13,5 Meter. Markus Eisenbichler auf Rang fünf liegt weitere fünf Meter zurück. "Es müsste schon viel passieren, um die Polen noch abzufangen", sagt Geiger: "Mir ist aber auch egal, wie weit die weg sind. Ich werde alles geben, aber den Blick von der Gesamtwertung muss ich mal wegnehmen."

Auch Eisenbichler, in Innsbruck immerhin Sechster, blickte wieder nach vorne. "Der Bergisel ist halt ab und zu a blede Sau", sagte Eisenbichler über die Schanze, auf der er 2019 Weltmeister geworden war. Auf das Tourneepodest als Trostpflaster für den verpassten Sieg pfeift er aber: "Das Podium interessiert mich nicht. Wenn, dann mog i gwinna, da bin ich ganz ehrlich. Aber wir werden da angreifen. Ich werde mich selber nicht aufgeben, das ist meine Natur."

Fast schon in der Tournee-Natur liegt derweil, dass die DSV-Adler wie so oft mit allen Chancen auf den Gesamtsieg nach Innsbruck gekommen waren, wie so oft aber geknickt weiter nach Bischofshofen schlichen. Diesmal kostete sie nicht einmal ein Sturz wie bei Severin Freund 2016 oder Richard Freitag 2018 die Chance auf den erlösenden ersten Vierschanzen-Triumph nach fast zwei Jahrzehnten - eine längere Tournee-Durststrecke muss keine der Topnationen durchleben.

"Jetzt müsste schon ein Wunder geschehen", hakte auch Bundestrainer Stefan Horngacher den Kampf um den Goldadler zumindest für diesen Winter ab. Wunder, das lehrt die Tourneegeschichte, sind in Bischofshofen selten. In den vergangenen 20 Jahren gewann nur einmal der nach Innsbruck Führende nicht die Gesamtwertung: 2016/17 patzte der Norweger Daniel Andre Tande im Finale, Stoch holte seinen ersten Titel.

Dass nun nicht mehr der ganz große Druck auf seinem Topduo lastet, sieht Horngacher, der Stoch als Trainer zu zwei Tourneesiegen führte, auch als Chance. "Der Dampf ist ein bisschen raus. Ich hoffe, dass mehr Lockerheit reinkommt", sagte er am Montag: "Wir müssen nach vorne schauen, wir haben noch eine WM im eigenen Land. Wir dürfen uns auf keinen Fall von der Situation jetzt runterziehen lassen."

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