Erich Kühnhackl, einst und heute. FOTOS: DPA
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Erich Kühnhackl, einst und heute. FOTOS: DPA

Keine Feier zum 70.

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(sid). Das Telefon klingelt fast eine Minute, erst dann nimmt Erich Kühnhackl ab. Auf die Frage, wie er denn seinen 70. Geburtstag am Samstag feiern werde, antwortet der sonst so gesprächsfreudige Landshuter zunächst gar nicht. Sekundenlang ist nichts zu hören, außer ein tiefes Durchatmen. "Ach wissen Sie", antwortet Kühnhackl dann, "ich weiß, dass mein Geburtstag ansteht, aber mir ist überhaupt nicht danach."

Dann erzählt Kühnhackl mit gebrochener Stimme, dass seine geliebte Frau Sylvia vor Kurzem verstorben sei. Es fällt dem Trauernden spürbar schwer, darüber zu reden. Und es ist ihm völlig unmöglich, sich auf seinen runden Geburtstag zu freuen. Vielleicht werden seine Kinder und Enkelkinder etwas Kleines organisieren, sagt die Eishockey-Ikone: "Das Wichtigste ist die Familie, sie ist in dieser schweren Zeit an meiner Seite."

Dann entschuldigt sich Kühnhackl sogar und bittet um Verständnis, dass er zurzeit nicht mehr sagen könne. Für einen Rückblick auf seine ruhmreiche Karriere reichen aber eigentlich auch schon die Fakten: Rekord-Nationalspieler (211 Länderspiele/131 Tore), Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1976, Topscorer der WM 1978. Unerreicht sind bis heute auch seine 155 Scorerpunkte in nur 48 Spielen für den EV Landshut (1979/80). 1997 wurde der Mann mit der Rückennummer 14 in die Hall of Fame des Weltverbandes IIHF aufgenommen, 2016 erfolgte die Aufnahme in die Ruhmeshalle des deutschen Sports.

Noch heute ist Kühnhackl einer der bekanntesten Namen im deutschen Eishockey. Auch, weil Sohn Tom in die Fußstapfen seines Vaters trat. Der Stürmer gewann 2016 und 2017 mit den Pittsburgh Penguins den begehrten Stanley Cup in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

Die NHL hat Kühnhackl senior nie wirklich gereizt, der in der damaligen Tschechoslowakei geborene Profi wurde in Bayern sesshaft. Landshut war sein Verein, insgesamt 16 Jahre spielte er für die Niederbayern, drei Jahre lang führte er den Kölner EC Ende der siebziger Jahre in neue Höhen und zu den ersten beiden Meisterschaften (1977 und 1979). Auch mit dem EVL holte er zweimal den Titel (1970 und 1983). Die Spitznamen "Langer" und "Kleiderschrank auf Kufen" begleiteten die Karriere des 1,96 Meter großen Centers. "Ich hatte durch meine Größe und mein Gewicht einen Wettbewerbsvorteil", sagte Kühnhackl einmal. Dass ihn aber vor allem seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zu einer Weltkarriere verholfen haben, stellte er nie so gern heraus.

Nach dem Ende seiner Spielerkarriere arbeitete Kühnhackl als Trainer, Manager und Funktionär. Im Dezember 1997 half er in zwei Spielen als Übergangs-Coach beim EC Bad Nauheim aus. Als größten Erfolg bezeichnete er einmal den dritten Platz bei Olympia in Innsbruck, aber er habe immer auch "versucht, aus Niederlagen zu lernen." Und aus Rückschlägen. Der Tod seiner Ehefrau ist mehr als das. Doch Kühnhackl will sich auch aus diesem Tief befreien. "Rufen Sie in ein paar Wochen nochmal an", sagt er zum Ende des Telefonats, "dann kann ich sicher auch wieder übers Eishockey reden."

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