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Kurz vor dem Ziel stürzt Lotto-Soudal-Sprinter Caleb Ewan und holt auch Peter Sagan (l.) vom deutschen Team Bora-hansgrohe von den Beinen.

Kein Ende der Sturzorgie

  • VonDPA
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Bis zehn Kilometer vor dem Ziel in Pontivy sieht alles nach einer normalen Sprintankunft der Tour de France aus. Dann kommt es zu drei folgenschweren Stürzen.

Topfavorit Primoz Roglic rollte mit zerfetztem Trikot über den Zielstrich, Ex-Sieger Geraint Thomas kugelte sich die Schulter aus und für Sprintstar Caleb Ewan endete die Etappe im Krankenwagen. In der immer mehr zum Sturz-Festival werdenden Tour de France erwischte es auf der überraschend vom Belgier Tim Merlier gewonnenen dritten Etappe von Lorient nach Pontivy erstmals auch die Stars der Szene und die Anwärter auf den Gesamtsieg.

»Es ist das größte Rennen der Welt. Jeder ist nervös. Es liegt natürlich auch am Druck. Es ist ein gefährlicher Sport«, sagte der Gesamtführende Mathieu van der Poel, der heil durch den Tag gekommen war. Der Teamkollege von Merlier verteidigte sein Gelbes Trikot und liegt acht Sekunden vor Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe sowie 31 Sekunden vor Richard Carapaz aus Ecuador.

Der große Verlierer des Tages war Roglic, der zehn Kilometer vor dem Ziel im Straßengraben landete und 1:21 Minuten auf Merlier verlor. In der Gesamtwertung liegt Roglic 1:35 Minuten hinter van der Poel auf Platz 20. Als gefährlichster Konkurrent um den Gesamtsieg gilt aber Carapaz aufgrund seiner exzellenten Kletterfähigkeiten. Direkt nach dem Zieleinlauf begab sich Roglic zum Röntgen. »Zum Glück ist alles in Ordnung, nichts ist gebrochen. Ich habe Schürfwunden am ganzen Körper«, sagte Roglic.

Roglic’ Sturz war auf der chaotischen Etappe aber nur eine Episode. Bereits nach 36 Kilometern war Mitfavorit Geraint Thomas gestürzt und hatte sich dabei die rechte Schulter ausgekugelt. Nach kurzer Behandlung stieg der Sieger von 2018 allerdings wieder aufs Rad. Das vermochte Sprinter Ewan nicht mehr, nachdem er wenige Meter vor dem Ziel bei immenser Geschwindigkeit gestürzt war und dabei auch Bora-Kapitän Peter Sagan abgeräumt hatte. »Es ist die Tour, es ist gefährlich. Es war eng, es ist nicht Platz für alle. Es wird um die Positionen gekämpft. Wir können froh sein, dass es trocken war. Es passiert leider immer wieder. Es muss nicht sein«, sagte Ewans Anfahrer Roger Kluge.

Der Australier Ewan wurde direkt in der Zielzone im Krankenwagen behandelt, am Abend kam die Diagnose: Schlüsselbeinbruch, das Tour-Aus. Titelverteidiger Tadej Pogacar blieb von Stürzen verschont, wurde aber von einem Crash vier Kilometer vor dem Ziel aufgehalten und verlor 26 Sekunden auf die Spitze.

Stürze gehören in der ersten Woche der Tour zur Tagesordnung, doch die Diskussion um die Sicherheit der Fahrer wird nun Fahrt aufnehmen. »Ich freue mich nicht darauf, die Familien der Fahrer anzurufen. So können wir nicht weitermachen«, sagte FDJ-Teamchef Marc Madiot und legte nach: »Das ist nicht mehr Radsport. Wir müssen das ändern, so geht es nicht mehr weiter. Wenn wir es nicht machen, werden wir Tote haben.«

Bereits auf der ersten Etappe hatte es zwei Massenstürze gegeben. Dabei hatte Tony Martin unfreiwillig die Hauptrolle gespielt, als er vom Pappschild einer Zuschauerin zu Fall gebracht worden war. Auch am Montag erwischte es Martin, als Thomas zu Fall gekommen war. Der gebürtige Cottbuser konnte das Rennen fortsetzen, sein Teamkollege Robert Gesink schied dagegen aus. »Die Straßen sind schmal, jedes Team will vorn fahren. Es ist dann aber nicht immer genug Platz«, sagte Martins Teamkollege Sepp Kuss.

Das deutsche Team Bora-hansgrohe hat unterdessen das Bergtrikot durch Ide Schelling zurückerobert. Der niederländische Tour-Debütant gewann die erste von zwei Bergwertungen des Tages und holte sich somit das weiße Trikot mit den roten Punkten von van der Poel zurück. Schelling wird das Trikot nun wohl bis Freitag verteidigen können, da auf den nächsten drei Etappen nur eine Bergwertung ansteht.

Am Dienstag bekommen die Sprinter gleich ihre nächste Chance, wenn sie sturzfrei durchkommen. Auf den 150,4 Kilometern von Redon nach Fougères schwächt nicht eine Bergwertung die Beine der schnellen Männer.

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