Katastrophale Leistung eines Führungsspielers: Von DFB-Spielführer Toni Kroos ist in Sevilla nichts zu sehen. FOTO: DPA
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Katastrophale Leistung eines Führungsspielers: Von DFB-Spielführer Toni Kroos ist in Sevilla nichts zu sehen. FOTO: DPA

Kein Anführer weit und breit?

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(sid). Als es zum vierten Mal hinter ihm eingeschlagen hatte, verlor Manuel Neuer in seinem denkwürdigen Rekordspiel die Contenance. Im Sitzen schlug der Nationaltorhüter mit der rechten Hand heftig gegen den Pfosten, sein vulgärer Kraftausdruck ("F…") war bis in die deutschen Wohnzimmer zu hören. Und seine Vorderleute? Die ließen die Schultern hängen und schauten beschämt zu Boden.

Kein einziger Feldspieler stemmte sich erkennbar gegen die historische 0:6 (0:3)-Schmach in Sevilla gegen Spanien, weder sportlich noch emotional. Wer ist hier der Boss? Das fragte sich auch ein entsetzter Bastian Schweinsteiger. "Haben wir einen Spieler wie Sergio Ramos in den eigenen Reihen, der der Anführer ist?", sagte der ARD-Experte zur Halbzeit, als sich das Debakel schon abzeichnete: "Wer macht das jetzt für die deutsche Nationalmannschaft? Wer geht da voran?"

Niemand - so lautete die erschütternde Antwort nach 90 demütigenden Minuten. Am unscheinbaren Weltmeister Toni Kroos konnte sich niemand aufrichten, der als Abwehrchef auserkorene Niklas Süle war heillos überfordert, auch der zuletzt bärenstarke Leon Goretzka tauchte ab. Joshua Kimmich, der als emotionaler Leader das Team hätte aufrütteln können, konnte verletzt zu Hause nur den Fernseher anschreien.

Die fehlende Organisation und Kommunikation seien "tödlich" gewesen, gab Joachim Löw zu. Da der Bundestrainer selbst mit seiner Körpersprache Ratlosigkeit und Resignation vorlebte, fehlte der Impuls von außen.

Die neue Chef-Debatte, die indirekt auch mit der heiß diskutierten Frage nach einer Rückkehr des Weltmeister-Trios Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng zusammenhängt, heizte ausgerechnet Schweinsteiger an. Der ehemalige DFB-Kapitän zeigte am ARD-Mikrofon deutlich mehr Feuer als so mancher Spieler auf dem Platz.

"Ich nehme die Spieler in die Pflicht, da muss mehr kommen. Gerade die, die schon länger dabei sind, müssen das Heft in die Hand nehmen", forderte der Weltmeister von 2014: "Bis zur Europameisterschaft ist nicht so viel Zeit. Vielleicht können wir bis dahin diese Werte irgendwie in die Spieler reinbringen, um dann solche Ergebnisse zu vermeiden." Spieler wie Kroos, Süle oder Goretzka müssten "ein bisschen böser" werden, so Schweinsteiger. "Am meisten hat mich gestört, dass man sich nicht gewehrt hat", sagte der 36-Jährige: "Man hat nur die Spanier sprechen gehört."

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