Im Continental-Cup kämpft Noriaki Kasai gegen den Zahn der Zeit. FOTO: DPA
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Im Continental-Cup kämpft Noriaki Kasai gegen den Zahn der Zeit. FOTO: DPA

Kasais einsamer Kampf

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(sid). Der große alte Mann des Skispringens schlich am Auslauf der Gross-Titlis-Schanze von Engelberg entlang, sein berühmtes Lächeln trug Noriaki Kasai mit japanischer Ruhe vor sich her. Doch da war niemand, der wie früher so viele "Nori! Nori!" rief, da war nur menschenleere Stille. Nicht wegen Corona, nein: Es ist das zumeist triste und zuschauerlose Tagwerk im Continental-Cup, der zweiten Schanzen-Liga. Dort, wo Kasai gegen das sportliche Ende kämpft.

"Meine körperliche Verfassung ist gut", sagt Kasai, der in Engelberg bei seiner Rückehr auf die internationale Bühne nach zehn Monaten am Sonntag und Montag die Plätze 32 und 35 belegte, und das ist aus dem Mund eines 48 Jahre alten Skispringers im vierten Jahrzehnt auf der internationalen Bühne durchaus erfreulich: "Es ist schön, nach einem Jahr wieder dabei zu sein."

Doch dort, wo Kasai wirklich sein will, ist er nicht: Die Vierschanzentournee startet in Oberstdorf wie im Vorjahr ohne den Flugsaurier. Dass Kasai es noch einmal zurück in den Weltcup schafft, zu Olympia gar, das glaubt eigentlich nur noch er selbst. Das aber unerschütterlich.

"Ich werde weiter mein Bestes geben, um meinen Rekord noch auszubauen", hatte Kasai gesagt, als ihn im Sommer wieder einmal das Guinness-Buch besuchte, diesmal, um ihn für 569 Weltcupstarts zwischen 1988 und 2019 zu ehren. Die Urkunde für acht Olympia-Teilnahmen und 13 WM-Starts hatte er bereits vorher kassiert. Der kommende Winter werde seiner, meinte Kasai, "ich werde weiterkämpfen mit meinen neunten Olympischen Spielen 2022 in Peking als Ziel. Wenn man ein Ziel hat, ist keine Zeit verschwendet"

Doch Kasais Zeit scheint abgelaufen zu sein. Lange war er keine Kuriosität, sondern sportlich relevant, gewann mit 41 seinen letzten Weltcup, stand mit 44 auf dem Podest, sprang mit 46 in die Top 10. Nicht wenige sagen, er hätte es damit belassen, mit seiner Familie, Frau Reina und den beiden kleinen Kindern, glücklich werden sollen. Doch Nori zog es wieder hinaus. Auch wenn er seit März 2019 keinen Weltcup-Punkt gesammelt hat, zuletzt im Februar in der ersten Liga sprang, im November nur 16. bei der japanischen Meisterschaft wurde.

Und so kämpfte Kasai in Engelberg gegen Konkurrenten, von denen überhaupt erst drei geboren waren, als er 1992 Skiflug-Weltmeister wurde. Und lächelte. Die Freude am Fliegen, immerhin, scheint er auch in diesen schwierigen Corona-Zeiten nicht verloren zu haben.

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