Daumen hoch: Eintracht-Trainer Adi Hütter (hier nach dem Pokalsieg gegen Bremen) geht die Partie in Leverkusen optimistisch an, auch wenn sein Team in der Außenseiterrolle ist. FOTO: DPA
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Daumen hoch: Eintracht-Trainer Adi Hütter (hier nach dem Pokalsieg gegen Bremen) geht die Partie in Leverkusen optimistisch an, auch wenn sein Team in der Außenseiterrolle ist. FOTO: DPA

Es kann nur besser werden

  • vonred Redaktion
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Der letzte Bundesliga- Auftritt von Eintracht Frankfurt in Leverkusen war sehr bitter für die Hessen. Sie gingen mit 1:6 unter. "So etwas wird uns nicht mehr passieren", sagt Trainer Adi Hütter vor dem Duell heute Nachmittag im Rheinland.

Den 5. Mai 2019 würde Adi Hütter am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen. Geht aber nicht. Immer wieder kommen Menschen um die Ecke, die ihn an diesen schwarzen Sonntag erinnern, jetzt natürlich umso häufiger. An jenem Frühlingstag in Leverkusen erhielt der Frankfurter Trainer seine ganz persönliche Horrorfilmvorführung, 90 Minuten lang, gerade die erste halbe Stunde war besonders gruselig. "Das", sagt Adi Hütter heute, "war der schlimmste Tag in meinem Leben als Trainer oder Spieler."

Gemeint ist diese Packung seiner Mannschaft unterm Bayer-Kreuz, 1:6 hieß es nach eineinhalb Stunden, 1:6 hieß es auch schon nach 36 Minuten. Die Eintracht war nicht mal ein Sparringspartner. "So etwas habe ich noch nie erlebt", befindet der Österreicher vor dem neuerlichen Aufeinandertreffen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Rheinland. "So etwas darf nicht noch mal passieren. Und so etwas wird uns auch nicht mehr passieren, wir werden anders in das Spiel gehen."

Die Begegnung steckte damals quasi als Sandwich zwischen den Europa-League-Halbfinalpartien gegen den FC Chelsea, Adi Hütter hatte ein bisschen rotiert und sein Ensemble überraschend defensiv eingestellt. Die Eintracht wurde förmlich überrollt, die Partie hätte auch zweistellig enden können, wenn Leverkusen in der zweiten Hälfte nicht in den Schongang zurückgeschaltet hätte. "Wenn man viele defensive Spieler drin hat, heißt es nicht, dass man auch defensiv gut spielt", schlussfolgert Hütter.

Dennoch wird er sein Team nicht besonders offensiv auf- und einstellen. Das kann in Leverkusen in der Tat böse ins Auge gehen. "Wir müssen defensiv gut stehen und dürfen ihnen nicht so viel Raum geben, sie haben eine technisch gute und unglaublich schnelle Mannschaft." Sein Team, und das ist genauso wichtig, soll trotzdem versuchen, eigeninitiativ zu agieren, ansonsten wird sich der Würgegriff der Rheinländer immer fester zuziehen. "Wir müssen die Balance finden und auch nach vorne spielen", rät der Trainer, der in Bayer 04, das in der Rückrunde von elf Pflichtspielen neun gewonnen und nur eines verloren hat, sogar einen Mitfavoriten auf den Titel sieht. "Wir wissen, mit wem wir es zu tun bekommen."

Er weiß, dass seine Mannschaft in der Pflicht steht, "Punkte zusammenzukratzen", denn die Diskrepanz zwischen den überzeugenden Auftritten in den Pokalwettbewerben und dem Ligaalltag ist evident und auch ein wenig besorgniserregend. "Momentan sind wir im Niemandsland, aber wir müssen aufpassen, nicht hinten reinzurutschen", urteilt der 50-Jährige.

Der Vorsprung auf den Relegationsrang beträgt sieben Zähler, aber die nächsten Aufgaben haben es in sich: Nach Leverkusen kommt Borussia Mönchengladbach, ehe es zu den Bayern nach München geht. Hütter sieht aber kein grundsätzliches Problem in den Ligaspielen, und überhaupt empfindet er das bisherige Abschneiden nach der Winterpause als "sehr gut", sechs Siege stehen zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegenüber. "Unser Problem ist der Herbst." Da befand sich die Eintracht im freien Fall. Hütter kündigt erneut eine leichte Rotation an, "wir haben noch einige Spieler im Köcher", sagt er. Auch Akteure, die zurzeit keine nennenswerte Rolle spielen, fordert er auf, bei der Stange zu bleiben. "Wir brauchen jeden Spieler, auch die, die jetzt weniger zum Einsatz kommen, werden ihre Spiele bekommen."

Lange Sperre für Kostic

Bas Dost gehört da erst einmal nicht dazu, ihn plagen noch immer Beschwerden an den Adduktoren. Hütter hofft, den Stürmer nach der durch die Länderspiele bedingte Bundesligapause (nach dem Gastauftritt bei den Bayern am 22. März) wieder in den Kreis der Mannschaft aufnehmen zu können. Sebastian Rode, der gegen Bremen im Pokal wegen eines Magen-Darm-Infekts passen musste, steht in Leverkusen zur Verfügung.

Genauso wie Filip Kostic, den Rotsünder aus dem Duell gegen Werder. In der Bundesliga ist der Serbe spielberechtigt, im Pokal wird er in dieser Saison indes kein Spiel mehr bestreiten, am Freitag ist der beste Eintracht-Akteur für vier Pokalpartien gesperrt worden und würde damit auch in einem möglichen Finale fehlen. Eine vergleichsweise harte Sanktion. Coach Hütter macht seinem reumütigen Linksaußen auch mit etwas Abstand keinen Vorwurf, "das war eine Kurzschlussreaktion, er hat danach alles gemacht, was sich gehört". Ob der 27-Jährige die ganze Sperre abbrummen wird, ist ohnehin fraglich: Nach dieser Saison ist ein Wechsel ins Ausland sehr wahrscheinlich.

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