Kampf dem Fluch

  • vonred Redaktion
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Den alljährlichen Kurztrip hinüber nach Mainz könnte sich die Entourage von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt auch schenken oder es so handhaben, wie seinerzeit der unkonventionelle Bayern-Kapitän Paul Breitner, der sich mit seinen Münchnern den Weg nach Kaiserslautern am liebsten gespart und die Punkte "per Post geschickt" hätte. So aussichtslos waren früher die Reisen in die Pfalz für den großen FCB. So aussichtslos sind die Reisen für die Eintracht nach Mainz schon immer.

In Ligabetrieb haben die Hessen noch nie bei den Rheinhessen gewinnen können, weder am alten Bruchweg noch in der gar nicht mehr so neuen Arena. 16 Versuche in 35 Jahren, null Siege. Ungeheuerlich, beispiellos. Der einzige Erfolg datiert aus dem Jahr 1986, als Reinhold Jessl die Frankfurter in der Verlängerung in die nächste DFB-Pokal-Runde schoss. Mainz kickte damals in der Oberliga.

Es sind merkwürdige Begebenheiten im Fußball, diese schwarzen Serien gegen sogenannte Angstgegner, von denen keiner weiß, warum sie eigentlich Angst machen und die sich rational gar nicht begründen lassen. Und doch hält manch Fluch über Generationen hinweg an: Die Eintracht hat nicht mit Markus Pröll im Kasten, Uwe Bindewald in der Abwehr, Maurizio Gaudino im Mittelfeld oder Luka Jovic im Sturm in Mainz obsiegen können, ihr haben nicht mal zwei Selbsttore des unerreichten Eigentorschützen Nikolce Noveski gereicht, keine 2:0-Führungen in den Jahren 2017 (Endstand 4:2 für Mainz), 2010 (3:3) und 2005 (2:2). Selbst Adi Hütter ist von diesen Mainzern schon mächtig genervt, seine persönliche Bilanz als Cheftrainer: 2:2, 0:2, 1:2, 0:2. Ob nun die Wende gelingt?

Für die Frankfurter stehen zwei interessante Aufgaben in der Bundesliga an, nacheinander müssen sie gegen die zwei Prügelknaben der Eliteklasse antreten, am Samstag (15.30 Uhr) in Mainz, acht Tage später zu Hause gegen Schalke 04, dazwischen steht noch das DFB-Pokalspiel in Leverkusen an. Das ist aber eher die Kür, die Partien gegen den Vorletzten und den Letzten sind Pflicht, besser gesagt: Siege sind Pflicht, zumindest dann, wenn sich die Hessen nicht als großzügiger Aufbaugegner verstehen wollen. Das waren sie qua ihrer Historie oft genug, und auch in dieser Saison ist es so, dass sie sich gegen die Topteams sehr viel besser aus der Affäre gezogen haben als gegen die Leichtgewichte.

Gegen die eher dem unteren Tableau zuzurechnenden Mannschaften mühten sich die Frankfurter mehr schlecht denn recht durch die Spiele, verloren zwar keines dieser Duelle, trennten sich von Bielefeld (Tabellen-16.), Köln (15.), Bremen (14.) oder Stuttgart (11.) aber nur mit einem Unentschieden - viel zu wenig für die Ansprüche der Eintracht, zumal auch die Leistungen in diesen Partien nicht immer passten.

Allerdings datierten diese Aufeinandertreffen allesamt aus dem Herbst. Mittlerweile ist die Mannschaft eine ganz andere, gerade in den vergangenen drei Spielen hat das Team vollends überzeugen können. Seit Coach Adi Hütter das System angepasst und mehr spielstarke Akteure eingebaut hat, ist die Eintracht nicht mehr so leicht ausrechenbar, kombiniert sich auch mal durch die Mitte nach vorne. Das war lange Zeit anders, da waren die Frankfurter in erster Linie von Filip Kostic auf links abhängig.

Bei den Rheinhessen soll es jetzt der frühere Profi und Jugendtrainer Bo Svensson richten. Der erneute Trainerwechsel verändert die Vorbereitung auf das Nachbarschaftsduell. Keiner weiß, welche Ideen der neue Coach einbringen und ob der Effekt Einfluss auf die Mannschaft haben wird.

Die Eintracht aber geht mit Selbstbewusstsein in die Partie und auch in dem Wissen, dass sie in den bisherigen 14 Spielen ihren Konkurrenten fast immer ebenbürtig war. "Tief stehende Kontrahenten sind jetzt auch kein Problem mehr, weil wir spielerisch zugelegt haben", sagt Abwehrchef Martin Hintereggers. Auch Sportdirektor Bruno Hübner blickt den beiden Partien gegen die Krisengeschüttelten aus dem Keller optimistisch entgegen: "Wir sind jetzt stabiler, die Mannschaft ist gereift und routinierter, dementsprechend werden wir diese beiden Spiele angehen." Und irgendwann reißt ja jede Serie mal. INGO DURSTEWITZ

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