Köln – Leipzig 1:2

Kagawas Kunstschuss Hertha verschärft Bayern-Krise Erneute FC-Niederlage trotz Pizarro-Debüt

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Borussia Dortmund hat am siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga seine Top-Position gefestigt – trotz der schlechtesten Saisonleistung, wie Trainer Peter Bosz nach dem 2:1 beim FC Augsburg befand. Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang wurde die Lässigkeit beim Elfmeter zum Verhängnis. Diese Macken im Dortmunder Lauf waren aber Lappalien im Vergleich zu den großen Defiziten, die Meister Bayern München beim 2:2 in Berlin im ersten Spiel unter Interimscoach Willy Sagnol offenbarten. Und, erneut gab es Diskussionen um den Videobeweis – diesmal aber mit vielen lobenden Worten, so etwa durch die Trainer Dieter Hecking und André Breitenreiter.

Borussia Dortmund hat am siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga seine Top-Position gefestigt – trotz der schlechtesten Saisonleistung, wie Trainer Peter Bosz nach dem 2:1 beim FC Augsburg befand. Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang wurde die Lässigkeit beim Elfmeter zum Verhängnis. Diese Macken im Dortmunder Lauf waren aber Lappalien im Vergleich zu den großen Defiziten, die Meister Bayern München beim 2:2 in Berlin im ersten Spiel unter Interimscoach Willy Sagnol offenbarten. Und, erneut gab es Diskussionen um den Videobeweis – diesmal aber mit vielen lobenden Worten, so etwa durch die Trainer Dieter Hecking und André Breitenreiter.

Problem-Bayern: Die Bayern-Stars lieferten keine Argumente dafür, dass Willy Sagnol als Nachfolger von Carlo Ancelotti eine Dauerlösung wird. Die Probleme beim Meister liegen tief, vor allem in der Defensive. Das zeigte alleine Herthas Genki Haraguchi vor dem 1:2. Sein Solo vorbei an den Weltmeistern Boateng und Hummels sowie Kimmich erinnerte an das Debakel in Paris.

Aubameyang-Elfer: Pierre-Emerick Aubameyang ist normalerweise die Torversicherung des BVB. Höhepunkt seiner Lässigkeiten in Augsburg war ein in die Hände von Torwart Hitz gechippter Elfer. Trainer Peter Bosz übte Nachsicht. Den nächsten Strafstoß schießt wer? "Auba!"

Kagawa-Kunststück: Filigraner geht’s nicht. Dortmunds Shinji Kagawa schlenzte bei seinem Siegtor in Augsburg den Ball nach einem Rückpass butterweich über den Torwart ins lange Eck. Ein Traumtor! Und das 38. von Kagawa in der Bundesliga – damit ist er nun der Rekord-Japaner.

Kopfball-Spezialist Muto: Vier seiner letzten acht Tore erzielte der Mainzer Yoshinori Muto per Kopf, dabei ist er nicht einmal 1,80 Meter groß. Ebenfalls ungewöhnlich: Gegen Wolfsburg köpfte er aus ungefähr 14 Metern. "Eine Sensation", fand VfL-Manager Olaf Rebbe.

Schmidt-Wiedersehen: Sieben Jahre arbeitete Martin Schmidt in Mainz, zuletzt als Cheftrainer. Nach dem Wiedersehen sagte der Wolfsburger Coach: "Ich bin froh, dass dieses Spiel vom Tisch ist. Jetzt kann man sich wieder voll konzentrieren."

Bailey-Power: Der Leverkusener Leon Bailey sorgte nach seiner Einwechslung auf Schalke für Belebung des Offensivspiels. Mit seinem ersten Bundesligator zum 1:1 rettete der junge Jamaikaner Bayer einen Punkt. "Das war ein spezieller Moment", sagte Bailey.

Harnik-Fauxpas: Martin Harnik war sauer auf sich. Und brutal enttäuscht, weil er beim Stand von 1:1 in Mönchengladbach aus drei Metern die Latte und nicht ins Netz traf. "Das tut richtig weh", sagte er – klar: Denn letzten Endes verlor Hannover 1:2.

Breitenreiters Lauf beendet: Dass diese Serie mal reißt, war klar. Dass sie so reißt – bitter. Nachdem André Breitenreiter von 16 Pflichtspielen mit Hannover 96 keines verloren hatte, unterlag er in Mönchengladbach – durch einen Strafstoß in der Nachspielzeit.

Überraschungs-Jungspund Ito: 20 Jahre ist der HSV-Linksaußen alt und begeistert Mitspieler und Fans gleichermaßen. Bisher trat Tatsuya Ito fast nur in der Regionalliga auf. Jetzt wirbelt der beschlagene Techniker in der Bundesliga. Trainer Gisdol: "Grandios gemacht!"

Trotz der Rückkehr aller Topstars hat sich die Krise des FC Bayern in Spiel eins nach Carlo Ancelotti durch eine fahrlässig verspielte Führung weiter zugespitzt. Mit Willy Sagnol als Interimstrainer verpassten die defensivschwachen Münchner beim 2:2 (1:0) bei Hertha BSC den dringend benötigen Stimmungsaufheller vor der Länderspielpause. Damit liegt der Rekordmeister bereits mit fünf Punkten hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund. Der Auftritt vor 71 212 Zuschauern war dabei keine Werbung für eine dauerhafte Beschäftigung von Sagnol als Nachfolger des rausgeworfenen Ancelotti.

Der vom Italiener zuletzt verschmähte Mats Hummels (10. Minute) und Robert Lewandowski (49.) sorgten für das standesgemäße 2:0 der Münchner. Ondrej Duda (51.) und Salomon Kalou (56.) nutzten jedoch die Patzer der Bayern-Verteidigung und ließen die Berliner sogar auf den ersten Sieg seit mehr als acht Jahren gegen München hoffen. Zudem müssen die Bayern womöglich noch länger auf Ribéry verzichten, der verletzt vom Platz musste (62.).

Nach der schicksalhaften Aufstellung von Ancelotti beim 0:3 in Paris setzte Sagnol auf alle zuletzt fehlenden Stars. Das Weltmeister-Duo Jérôme Boateng und Hummels stand wieder in der Innenverteidigung, Arjen Robben und Franck Ribéry durften wieder als Flügelzange agieren. Nach einer druckvollen Anfangsphase mit Kopfballchancen von Ribéry und Hummels entsprang auch die verdiente frühe Bayern-Führung einer Kombination der Profis, die Ancelotti laut Präsident Uli Hoeneß gegen sich aufgebracht hatte. Robben legte zurück auf Boateng, dessen Flanke verwertete Hummels per Kopf.

Doch nur mit dem Trainerwechsel haben sich längst nicht alle Probleme der Münchner aufgelöst. Die Verteidigung präsentierte sich äußerst wankelmütig. Die größten Hertha-Chancen der ersten Halbzeit vergab Vladimir Darida (16./33.) jeweils per Flachschuss. Zudem hatten die Berliner Pech mit einer Schiedsrichter-Entscheidung: Aufgrund des Studiums der Videobilder nahm Harm Osmers seinen zunächst verhängten Strafstoß wegen Fouls von Javi Martínez an Darida zurück.

Statt des möglichen Ausgleichs erhöhten die Bayern. Nachdem er in der ersten Halbzeit noch zwei Chancen ausließ, schlug Robert Lewandowski kurz nach Pause eiskalt zu. Doch selbst das 2:0 sorgte nicht für Münchner Sicherheit. Mit einem feinen Sololauf tanzte Genki Haraguchi bei seinem ersten Startelf-Einsatz dieser Saison Joshua Kimmich, Boateng und Hummels aus, seine Vorarbeit musste Duda nur über die Linie drücken. Und nur fünf Minuten später sorgte Kalou als Ersatz des rotgesperrten Kapitäns Vedad Ibisevic in der Sturmspitze für das viel umjubelte 2:2. Trotz des verpassten Siegs blieb zumindest eine Bayern-Gesetzmäßigkeit bestehen: Die Münchner sind auch im 26. Bundesligaspiel während des Oktoberfests nacheinander ungeschlagen.

Beim Debüt von Hoffnungsträger Claudio Pizarro hat der 1. FC Köln den nächsten Nackenschlag hinnehmen müssen. Der Europa-League-Teilnehmer kassierte beim 1:2 (0:1) gegen Vize-Meister RB Leipzig trotz der besten Saisonleistung am 7. Spieltag die sechste Niederlage.

Gegenüber den verlorenen Europacup-Spielen nahmen beide Trainer einige Änderungen vor. Kölns Peter Stöger brachte nach dem 0:1 gegen Roter Stern Belgrad drei frische Kräfte, Ralph Hasenhüttl in seinem 75. Bundesliga-Spiel als Trainer gegenüber dem 0:2 bei Besiktas Istanbul sogar vier. Kapitän Willi Orban saß nur auf der Bank.

Nationalspieler Timo Werner, der zuletzt wegen Kreislaufbeschwerden ausgewechselt wurde, stand gar nicht im Kader. Der Torjäger leidet unter einer Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur sowie des Kiefergelenkes. Seine Einsätze in den Länderspielen in Nordirland und gegen Aserbaidschan sind ebenfalls gefährdet.

Die Kölner begannen engagiert und dominant. Von der Verunsicherung der vergangenen Wochen war zunächst nichts zu sehen, die ordentliche zweite Halbzeit gegen Belgrad schien Köln beflügelt zu haben. Die Sachsen ließen sich zunächst komplett den Schneid abkaufen, die erste Europacup-Reise der Vereinsgeschichte schien den Gästen noch in den Knochen zu stecken.

Wie aus dem Nichts traf dann Leipzigs Marcel Halstenberg den Pfosten, den Nachschuss von Poulsen aus kurzer Distanz lenkte FC-Keeper Timo Horn über die Latte (29.). Köln war geschockt und Leipzig nutzte das durch Klostermanns erstes Bundesliga-Tor eiskalt aus. Die Kölner taumelten nun in Richtung Pause, Horn rettete mehrfach glänzend. Auf der Gegenseite vergab Milos Jojic nach einem starken Solo von Leonardo Bittencourt die Riesenchance zum Ausgleich (44.).

Als der emsige Jhon Cordoba sich bei einem Sprint verletzte, waren die FC-Fans zunächst geschockt. Dann erhoben sie sich und jubelten: Hoffnungsträger Pizarro kam ins Spiel. Doch auch der Stürmer konnte die nächste Niederlage nicht mehr verhindern. Nach Poulsens 0:2 schien das Spiel entschieden, der Treffer von Osako war zu wenig.

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