Kader steht, Streit bleibt

  • vonDPA
    schließen

(dpa). Bei seinem langersehnten Debüt setzt der neue Handball-Bundestrainer Alfred Gislason in turbulenten Zeiten auf altbewährte Kräfte. Ungeachtet der Debatte um die Abstellung von Nationalspielern nominierte der Isländer am Montag den bestmöglichen Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Bosnien-Herzegowina und in Estland. Mit den Rückkehrern Christian Dissinger und Finn Lemke sowie insgesamt 21 Akteuren um Kapitän Uwe Gensheimer fiebert der 61-Jährige seinem ersten Länderspiel entgegen. Kurioserweise weiß der Coach aber noch nicht, ob ihm alle Spieler am 5. November in Düsseldorf gegen die Bosnier tatsächlich zur Verfügung stehen.

"Es war nicht das Ziel, einen 21er-Kader zu benennen, wenn der ein oder andere aus Corona-Gründen nicht dabei sein kann", sagte der Nachfolger des Anfang des Jahres beurlaubten Christian Prokop.

Trotzdem bleiben Restzweifel, weil Bundesliga-Klubs und Deutscher Handballbund (DHB) seit Tagen um die Abstellung von Nationalspielern streiten. Die Vereine wollen mit aller Macht vermeiden, dass ihre Profis nach der Rückkehr von den Nationalteams in Quarantäne müssen.

Dabei dürfte sich zumindest für die deutschen Nationalspieler das Risiko in Grenzen halten. Unmittelbar vor der Anreise zum Lehrgang am nächsten Montag in Düsseldorf muss jeder Spieler einen negativen Test vorweisen. Direkt nach der Ankunft werden Torhüter Silvio Heinevetter und Co. erneut getestet. Gleiches gilt für die Nationalspieler von Bosnien-Herzegowina. Zudem ist Estlands Hauptstadt Tallinn, wo am 8. November das zweite Länderspiel unter Gislason stattfindet, bislang nicht als Risikogebiet eingestuft.

"Wir haben Verständnis, dass die Klubs und die Bundesliga Sorgen haben", sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober. "Wir müssen alles dafür tun, mit den anderen Nationalverbänden zusammen, dass entsprechende Hygienekonzepte und Testungen umgesetzt werden." Zudem beschäftige sich der DHB damit, dass es nach einer Rückreise von Nationalspielern nicht zur der von den Klubs gefürchteten Quarantäne kommt. Am Mittwoch will die HBL bei einer Konferenz darüber entscheiden, ob oder unter welchen Bedingungen Spieler abgestellt werden.

Seit der Absage des Länderspiels gegen die Niederlande im März wartet der Isländer Gislason nun schon seit Monaten auf sein Debüt. Er habe in letzter Zeit wenig anderes zu tun gehabt, als Bundesligaspiele zu schauen, meinte Gislason. Und dabei ist ihm auch der 20 Jahre junge Juri Knorr aufgefallen. Nach starken Leistungen für GWD Minden soll der Spielmacher langfristig im Nationalteam die Probleme auf der Rückraum-Mitte-Position lösen. Auch der 22-jährige Sebastian Heymann (Göppingen) ist ein Mann für die Zukunft.

Ansonsten baut Gislason auf bewährte Kräfte. Unter anderem ist der Melsunger Abwehrhüne Lemke wieder dabei, der 2016 ebenso wie Dissinger (Skopje) den EM-Titel gewonnen hat. Paul Drux und Fabian Wiede von den Füchsen Berlin stehen dagegen ebenso wie Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) und Torhüter Till Klimpke von der HSG Wetzlar zunächst im erweiterten Kader.

Das Aufgebot

Tor: Andreas Wolff (Kielce), Johannes Bitter (Stuttgart), Silvio Heinevetter (Melsungen); Feld: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar), Marcel Schiller (Göppingen), Tobias Reichmann, Timo Kastening (beide Melsungen), Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek (beide Kiel), Moritz Preuss (Magdeburg), Philipp Weber (Leipzig), Juri Knorr (Minden), Marian Michalczik (Berlin), Julius Kühn (Melsungen), Sebastian Heymann (Göppingen), Christian Dissinger (Skopje), Fabian Böhm (Hannover-Burgdorf), Kai Häfner (Melsungen), Franz Semper (Flensburg/Handewitt), Steffen Weinhold (Kiel), Finn Lemke (Melsungen).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare