Jürgen Grabowski Eintracht-Legende
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Jürgen Grabowski Eintracht-Legende

Jürgen Grabowski: "Kann nur beten"

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(dpa/ef). Er ist eine der Ikonen des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt: Jürgen Grabowski. Im Eintracht-Interview spricht er über die Corona-Pandemie, seine Lust auf Fußball und ein für ihn wegweisendes Länderspiel vor fast genau 46 Jahren im Frankfurter Waldstadion.

Grabowski absolvierte von 1965 bis 1980 insgesamt 441 Bundesligaspiele für die Eintracht, in denen er 105 Tore erzielte. Mit den Hessen gewann er zweimal den DFB-Pokal und einmal den UEFA-Cup. Höhepunkt der Karriere war der WM-Triumph 1974 mit der DFB-Auswahl, für die er 44 Länderspiele bestritt.

Herr Grabowski, wie gehen Sie derzeit mit der Corona-Krise um?

Natürlich habe ich etwas Angst vor der Geschichte. Man kann nur beten, dass uns keiner ansteckt.

Sie gehören mit 74 Jahren und Ihren Nierenproblemen zur Risikogruppe. Was bedeutet das für Sie?

Ich muss dreimal pro Woche zur Dialyse ins Krankenhaus. Da werde ich von einem Fahrzeug abgeholt, in dem den ganzen Tag Patienten transportiert werden. Deshalb habe ich mich entschlossen, bei diesen Fahrten seit einer Woche Handschuhe und Mundschutz zu tragen, auch wenn das nicht allzu viel hilft. Als Dialysepatient bekommst du im Krankenhaus leider keinen Schutz für den Transport.

Wie geht es Ihnen inzwischen körperlich?

Wieder besser. Zunächst hatte ich mich nach den Behandlungen richtig schlecht gefühlt, aber eigentlich wollte ich im April wieder ins Stadion zum Fußball gehen. Denn ich habe Lust auf Fußball. Jetzt müssen wir uns überraschen lassen, wie es mit Corona weitergeht. Ich hatte nie gedacht, dass es so etwas noch einmal geben wird. Dass es eine Krankheit gibt, gegen die es keine direkten Spritzen, Tabletten oder Therapien gibt.

Verlassen wir die düsteren Zeiten und blicken mal zurück. Genauer gesagt fast 46 Jahre zurück. Am 27. März 1974 wurde das neue Waldstadion eingeweiht mit dem Länderspiel gegen Schottland. Erinnern Sie sich?

Klar, das war ein ganz wichtiges Spiel für mich. Wir haben 2:1 gewonnen, ich konnte einen Treffer zum Sieg beisteuern. Das hat mir geholfen, einige Monate später bei der WM mehr Spielzeiten zu erhalten. Ein Länderspiel in deinem Vereinsstadion, das ist immer etwas Besonderes. Damals kam noch Flutlicht dazu und die Vorfreude auf die Heim-WM, bei der wir dann bekanntlich den Pokal gewinnen konnten.

Sie hatten ja auch das alte Waldstadion erlebt. Wie groß war der Unterschied zur neuen Arena?

Die Modernisierungen sind schön. Aber ich empfand es als Glück, noch das alte Waldstadion kennengelernt zu haben. Wenn ich beispielsweise mal die Schienbeinschoner vergessen hatte, habe ich meinen Vater angerufen. Der kam, sprach mit einem Ordner, brachte mir die Sachen in die Kabine. Da war alles viel persönlicher. Andererseits habe ich mir kürzlich noch mal die Tore von unserem 6:0 gegen die Bayern von 1975 angeschaut. Da muss man schon zugeben: Das war ein fürchterlicher Stoppelacker. ARCHIVFOTO: DPA

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