Luka Jovic bereitet nach seiner Rückkehr nach Frankfurt nicht nur seinem Trainer Adi Hütter viel Freude.	FOTO: AFP
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Luka Jovic bereitet nach seiner Rückkehr nach Frankfurt nicht nur seinem Trainer Adi Hütter viel Freude. FOTO: AFP

Jovic träumt von Königsklasse

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In seiner Frankfurter Wohlfühloase findet Stürmer Luka Jovic zu alter Torgefahr zurück. Er nimmt mit der Eintracht die Champions League ins Visier.

Natürlich ist Luka Jovic nicht wegen eines traurigen Filip Kostic zur Eintracht nach Frankfurt zurückgekehrt. Aber selbst in Madrid war ihm zu Ohren gekommen, dass »Filip nicht mehr so viel lächelt«. Jetzt sind die beiden Freunde wieder zusammen. Kostic lächelt, Jovic trifft, und ganz Frankfurt freut sich, dass der Stürmer wieder da ist, zumindest bis Mitte Mai. In Frankfurt, »wo ich am glücklichsten war«, wie Jovic selbst sagt, blüht der Mann förmlich auf. Sein märchenhafter Einstand mit zwei Toren gegen Schalke hat ihm gleich bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

»Es war mein unbedingter Wunsch, nach Frankfurt zurückzukehren«, sagt der 23-Jährige, »der Stil des Teams liegt mir, es ist sehr gut angelaufen«. Und in Frankfurt genieße er »ein großes Standing, auch beim Trainer«. Mit Adi Hütter, den er - wie auch Real-Coach Zinedine Zidane - als »phänomenal« bezeichnete, könne er einfacher kommunizieren, dazu weiß Hütter den Mann mit der Nummer neun zu nehmen. Ein paar Streicheleinheiten tun auch einem Kraftpaket gut. Es ist für Luka Jovic ein bisschen, wie nach Hause kommen.

Die Zeit in Madrid war für den zweifachen Vater keine einfache, er fühlte sich nie heimisch, blieb weitgehend ein Fremdkörper im Team der Superstars, er kam nicht zurecht. Nicht auf dem Rasen und nicht daneben. In eineinhalb Jahren sind ihm für Real ganze zwei Tore gelungen, in 1014 Minuten, in denen er spielte. In Frankfurt benötigte er lediglich 76 Minuten Spielzeit, um drei Treffer zu erzielen. In Spanien, wo er ein Gehalt von etwa zehn Millionen Euro erhält, fiel er mehr durch Eskapaden auf. Er reiste nach Belgrad, um den Geburtstag seiner Freundin zu feiern, obwohl in Serbien seinerzeit eine Ausgangssperre verhängt war. Es gab Pool-Partys, auf denen der 23-Jährige nicht hätte sein sollen, dann brach er sich das Fersenbein.

Jovic ist bestimmt kein Quertreiber, kein schwieriger Charakter. Viel spricht dafür, dass er mit seiner neuen Rolle nicht zurecht kam, mit dem vielen Geld, das er verdient, dem Rampenlicht, den Erwartungen beim königlichen Klub, die deutlich mehr als 60 Millionen Euro für ihn auf den Tisch des Frankfurter Hauses geblättert hatten. Da ist furchtbar viel auf den jungen Mann eingestürzt, Dinge, denen er nicht gewachsen war. Denn im Grunde ist er ein einfacher Junge, er stammt aus einfachen Verhältnissen.

Jetzt ist er bei seiner Rückkehr nach Frankfurt mit so vielen Koffern angereist, dass er seinen Direktflug von Madrid verpasste und eine spätere Maschine nach Stuttgart nehmen musste. Zwei Autos haben die vielen Koffer kaum nach Frankfurt geschafft, dort hat er im vornehmsten Hotel der Stadt eine vorübergehende Bleibe gefunden.

In Frankfurt fühlt sich Jovic endlich wieder wohl. Und positiv überrascht ist er zudem von der Qualität seiner neuen, alten Mannschaft, »besser« sei sie als damals, als er im Sommer 2019 nach einer grandiosen Saison mit 27 Toren in 48 Pflichtspielen dem Lockruf des großen Real nicht widerstehen konnte. »Großes« könne er mit der Eintracht in den nächsten vier Monaten erreichen, und ja, »die Chance auf die Champions League« sei durchaus vorhanden, »wenn wir so weiterspielen wie bisher«, sagt der Serbe, der selbst noch ein paar konditionelle Defizite aufarbeiten muss. Dann wäre er natürlich auch bereit, von Anfang an weiter auf Torejagd zu gehen. Was am Ende der Ausleihe mit ihm passiert, kann er im Moment nicht absehen. Selbst eine Verlängerung der Leihe bei der Eintracht ist denkbar. »Ich muss«, sagt Jovic, »erst mal in Form kommen.« Klingt wie eine Drohung.

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