imago1002352449h_040521_4c
+
Drei Spieltage vor dem regulären Saisonende kommt das Aus für Trainer Daniel Thioune beim HSV.

Jetzt soll es Hrubesch beim HSV richten

  • VonDPA
    schließen

(dpa). Ex-Torjäger und Kumpeltrainer Horst Hrubesch soll retten, was beim Hamburger SV noch zu retten ist. Drei Spieltage vor Schluss klammert sich der Verein an die geradezu magische Wirkung der 70 Jahre alten Vereinsikone. Hrubesch soll der verunsicherten Mannschaft des Fußball-Zweitligisten Zuversicht geben und sie in die Spur zurückführen. So kurz vor Saisonende fühlt sich der Turnaround an wie in der Nachspielzeit einer Partie.

Sportvorstand Jonas Boldt hofft mit Hrubesch als Coach auf »Klarheit und Lockerheit«. Er lobte dessen positive Art und Grundeinstellung, die besagt: »Nicht zu viel nachdenken, sondern machen.« Zeit hat Hrubesch für die Umkehr nicht. Minimal sind es drei Spiele, einschließlich der möglichen Relegation maximal fünf.

Zweimal ist der HSV in den Vorjahren bei den Rückkehrversuchen in die Bundesliga gescheitert, erst unter Hannes Wolf, dann unter Dieter Hecking. Die dritte Pleite soll unter allen Umständen vermieden werden. Deshalb war Trainer Daniel Thioune am Montag nach nicht mal einjährigem Engagement vom Vereinsvorstand freigestellt worden. »Die klare Führung von ihm ist auf der Strecke geblieben«, meinte Boldt und betonte: »Zuletzt war die Überzeugung nicht mehr da, dass das Kons-trukt mit Mannschaft und Trainer noch funktioniert.« Folglich sei ein Trainertausch für ihn alternativlos, erklärte der Sportvorstand im Politiker-Slang. Thioune sei für ihn aber weiterhin »ein sehr, sehr guter Trainer«.

Seit neun Monaten ist Hrubesch Nachwuchschef des Vereins. Dass er sich noch einmal auf den Trainerstuhl setzen würde, hatte der 70-Jährige eigentlich ausgeschlossen. Doch auch er habe gemerkt, dass »einiges nicht mehr funktioniert«, befand Boldt, der die Video-Pressekonferenz ohne Hrubesch abhielt. Dessen Devise ist: »Ich arbeite lieber, anstatt zu reden.« Schon zu seinem runden Geburtstag vor gut drei Wochen wollte er »kein Brimbamborium« machen. Da passte dem einstigen Kopfball-Ungeheuer, dass seit Montag verschärfte Hygieneregeln im Profifußball gelten, durch die Kontakte weitgehend eingeschränkt sind und auch mögliche Fragesteller beim Training auf größeren Abstand gehalten werden.

Vor allem als Trainer im Nachwuchs und bei den Frauen hat Hrubesch Meriten vorzuweisen. Die U19-Auswahl führte er 2008 zum EM-Titel, ein Jahr später wiederholte er die Titelehren mit der U21, das deutsche Frauen-Team holte unter seiner Führung 2016 Olympia-Silber. Seine Tätigkeit als Vereinscoach war meist auf Monate beschränkt. Samsunspor, Austria Wien, Dynamo Dresden, Hansa Rostock und FC Tirol stehen in seiner Vita.

»Zunächst einmal geht es darum, die Köpfe der Spieler freizubekommen. Zuletzt hat die Mannschaft leider oft unter Wert gespielt«, wurde Hrubesch auf der Vereinsseite zitiert. »Wir müssen alles daransetzen, den Mist, den wir verbockt haben, wieder geradezurücken.« Seinem 46 Jahre alten Vorgänger ist die Talfahrt in der Rückrunde der 2. Liga zum Verhängnis geworden. Lediglich drei Siege in bislang 14 Spielen mit nur 16 Punkten stempeln den Verein in dieser separaten Wertung eher zu einem Abstiegskandidaten. In der Hinrunde hatte sich der HSV mit 36 Punkten an die Tabellenspitze gesetzt. Boldt weiß, dass der Schuss sitzen muss, sonst könnte es auch für ihn im Sommer eng werden. Auf jeden Fall ist es die letzte Chance, um den dringend benötigten Stimmungswechsel herbeizuführen.

HSV-Ikone Horst Hrubesch (r.) kommt zusammen mit Toni Leistner zum ersten Training.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare