IOC-Präsident Thomas Bach (r.) und Japans Premierminister Shinzo Abe rücken angesichts der Coronavirus-Pandemie immer mehr vom ursprünglichen Termin der Spiele ab. FOTO: AFP
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IOC-Präsident Thomas Bach (r.) und Japans Premierminister Shinzo Abe rücken angesichts der Coronavirus-Pandemie immer mehr vom ursprünglichen Termin der Spiele ab. FOTO: AFP

Japan bereit zur Olympia-Verschiebung

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(dpa). Japan hat endlich auf die Wucht der weltweiten Kritik gegen eine planmäßige Ausrichtung der Olympischen Spiele in Tokio reagiert. "Wir sind nicht so blöd, die Olympischen Spiele wie geplant auszutragen", sagte Yoshiro Mori, der Präsident des Organisationskomitees von Tokio, auf einer Pressekonferenz. Auch Premierminister Shinzo Abe spricht angesichts der Ausmaße der Coronavirus-Pandemie von einer Verschiebung.

"Es ist schwierig, Spiele unter diesen Umständen abzuhalten, wir müssen über eine Verschiebung entscheiden, wobei die Gesundheit der Athleten oberste Priorität hat", sagte Abe. Die endgültige Entscheidung aber liege beim Internationalen Olympischen Komitee, das sich dafür eine Frist von vier Wochen gesetzt hat. Der Gastgeber signalisierte die Bereitschaft, vom Tokio-Termin abzurücken. Die Verschiebung von Olympia und Paralympics würde Japan teuer zu stehen kommen. Nach Meinung von Experten wären mit Kosten von bis zu 670 Milliarden Yen (rund 5,7 Milliarden Euro) zu rechnen.

Viele Athleten drängen auf eine schnellere Entscheidung, wie Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler. "Wir arbeiten aktuell daran, dass noch schnellere, noch präzisere Entscheidungen getroffen werden", sagte der Athletenvertreter im Leichtathletik-Weltverband.

In einer E-Mail an die Athleten warb IOC-Präsident Thomas Bach erneut um Verständnis dafür, dass eine endgültige Entscheidung über einen Termin für die Tokio-Spiele - eine Verschiebung in den Herbst, ins nächste Jahr oder bis 2021 - jetzt noch verfrüht wäre.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hätte sich eine eindeutigere Position vom IOC gewünscht, nämlich, dass die Spiele "definitiv nicht zum geplanten Termin" stattfinden können", sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sport-Bundes. Der DOSB wird am Dienstag mit seinen Fachverbänden über eine mögliche Verschiebung in einer Telefonkonferenz beraten. Außerdem läuft eine vom DOSB initiierte Abstimmung von rund 600 für Olympia qualifizierte Athleten oder potenzielle Kandidaten, ob sie wie geplant oder an einem alternativen Termin teilnehmen wollen. Kanadas Olympisches Komitee (COC) erhöhte derweil den Druck und gab als erstes Land bekannt, dass man wegen der Corona-Krise auf eine Entsendung von Sportlern nach Tokio verzichten werde.

Laut dem früheren IOC-Vizepräsidenten Richard Pound ist eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio wegen der Corona-Krise bereits beschlossene Sache. "Auf der Grundlage der Informationen, die das IOC hat, wurde eine Verschiebung beschlossen. Die zukünftigen Parameter wurden noch nicht festgelegt, aber die Spiele werden nicht am 24. Juli beginnen, soweit ich weiß", sagte Pound der Zeitung "USA Today". IOC-Sprecher Mark Adams erklärte, dass das IOC verschiedene Szenarien überlege.

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