James übernimmt das Zepter

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(sid). Plötzlich, nach Tagen großer Emotionen im "beschissensten Jahr" seines Lebens, begann LeBron James zu tanzen. Im Black-lives-matter-Shirt schwang der Superstar der NBA seine Hüften katzengewandt zum 80er-Jahre-Hit "Smooth Operator", seine weißen Schuhe der Größe 49 glitten schwerelos übers Parkett. Eine Last schien von ihm abzufallen: Der US-Sport ist nach einer Protestpause zurück - laut und politisch, gegen Polizeigewalt, gegen Rassismus, gegen Donald Trump.

James und andere Größen hatten vor dem nie dagewesenen Ligen-Shutdown in Basketball (NBA/WNBA), Eishockey (NHL) und Fußball (MLS), dem sich Teile des Tennis-Zirkus, des Baseball und des American Football anschlossen, den Rat der wohl prominentesten Stimme der Schwarzen eingeholt. "Barack Obama ist ein großer Mensch", berichtete James über das Gespräch mit dem Ex-Präsidenten, und, eindeutiger Gruß an Trump: "Ich wünschte, er wäre immer noch im Weißen Haus."

Der Mord an George Floyd und die jüngsten Schüsse auf den Schwarzen Jacob Blake in Kenosha/Wisconsin haben den US-Sport endgültig tief politisiert. Vier Jahre nach dem Kniefall des NFL-Quarterbacks Colin Kaepernick während der Nationalhymne erheben die Spielerinnen und Spieler ihre Stimme konzertiert. Ihr Aufschrei ist unüberhörbar, LeBron James ist ihr Vorsänger. "Wir, schwarze Männer, schwarze Frauen, schwarze Kinder: Wir haben Angst in Amerika", sagte er vor dem Einzug seiner Los Angeles Lakers ins Playoff-Halbfinale in der Nacht zum Sonntag. "Wir wissen nicht, ob ein Polizist mit dem richtigen oder falschen Fuß aufgestanden ist, wenn er das Haus verlässt, ob er wütend ist. Oder ob er vielleicht sagt: Heute endet das Leben eines Schwarzen."

Die Schüsse auf Blake mit den anschließenden Unruhen haben viele Menschen und damit auch Sportler bewegt. "Lasst uns aus der Vergangenheit lernen", forderte Chris Paul, Präsident der Spieler-Vereinigung und bei Oklahoma City Thunder Kollege des schwarzen deutschen Nationalspielers Dennis Schröder. "Wie um alles in der Welt sollen wir vorangehen, ohne zu wissen, was gewesen ist?"

James hatte anfangs sogar vehement einen Abbruch der NBA-Saison gefordert, die coronabedingt in der Disneyworld-Blase von Orlando/Florida gespielt wird. Obama riet dann anscheinend zu einer Pause, auch der große Michael Jordan schaltete sich als Vermittler ein.

Die Pause nutzte der Sport, um sich zu sammeln und die Initiative zu ergreifen. Die NBA will sozialer werden und im November alle ihre Hallen als Wahllokale zur Verfügung stellen.

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